Banalcity
Deutscher Expo-Pavillon 2010 vorgestellt
Die Tradition banal-effektheischender deutscher Expo-Pavillonarchitektur wird in Shanghai nahtlos fortgesetzt: Das Verfahren um die Gestaltung und Realisierung des Deutschen Pavillons auf der Expo 2010 wurde entschieden und am 17. April 2008 erstmals der Öffentlichkeit vorgestellt. Von 25 eingereichten Beiträgen wurden sechs nominiert, und aus diesen als Gewinner die ARGE aus Schmidhuber + Kaindl, München (Architektur), Milla & Partner (Ausstellungskonzept) und Nüssli Deutschland (Bauausführung) gewählt. Die fünf anderen Nominierten sind:
Das vom Bundeswirtschaftsministerium angewandte Auswahlverfahren für Shanghai 2010 war im Sommer 2007 von der Bundesarchitektenkammer (BAK) scharf kritisiert worden. Die BAK hatte sich geweigert, einen eigenen Vertreter in die Auswahlkommision zu entsenden und statt dessen einen plausiblen Vorschlag gemacht, der vor allem architektonisch zu einem qualitativ hochwertigen und repräsentativen Ergebnis geführt hätte (ausführlich in der BauNetz-Meldung vom 25. Juni 2007).
Das Motto des Deutschen Pavillons im Rahmen des Expo-Themas „Better City, Better Life“ heißt „Balancity – eine Stadt in Balance zwischen Erneuerung und Bewahren, Innovation und Tradition, Urbanität und Natur, Gemeinschaft und Individuum, Arbeit und Freizeit, Globalisierung und nationaler Identität“.
Falls der ausgewählte Entwurf tatsächlich Deutschland in Bezug auf die zuvor genannten Begriffspaare in der Welt repräsentieren soll, schlagen wir vor, das Motto von „Balancity“ in „Banalcity“ zu ändern.
- BM8, Hamburg
- Facts + Fiction, Köln
- Dieter Holland, Berlin
- Lippsmeier + Partner, Starnberg
- MAR, Düsseldorf
Das vom Bundeswirtschaftsministerium angewandte Auswahlverfahren für Shanghai 2010 war im Sommer 2007 von der Bundesarchitektenkammer (BAK) scharf kritisiert worden. Die BAK hatte sich geweigert, einen eigenen Vertreter in die Auswahlkommision zu entsenden und statt dessen einen plausiblen Vorschlag gemacht, der vor allem architektonisch zu einem qualitativ hochwertigen und repräsentativen Ergebnis geführt hätte (ausführlich in der BauNetz-Meldung vom 25. Juni 2007).
Das Motto des Deutschen Pavillons im Rahmen des Expo-Themas „Better City, Better Life“ heißt „Balancity – eine Stadt in Balance zwischen Erneuerung und Bewahren, Innovation und Tradition, Urbanität und Natur, Gemeinschaft und Individuum, Arbeit und Freizeit, Globalisierung und nationaler Identität“.
Falls der ausgewählte Entwurf tatsächlich Deutschland in Bezug auf die zuvor genannten Begriffspaare in der Welt repräsentieren soll, schlagen wir vor, das Motto von „Balancity“ in „Banalcity“ zu ändern.
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http://www.lifepr.de/pressemeldungen/milla-partner-gmbh/boxid-38534.html
Gesucht wurde ein Pavillon aus einem Guß, eine Gesamtinszenierung mit hohem Erlebniswert. Gib mir die Kugel schreibt das Managermagazin im Titel, der restliche Beitrag leider fast wie von dem offiziellen koelnmesse Pressetext abgeschrieben. Interessant in diesem Artikel sind aber die Pavillonbilder mit den Kommentaren darunter. Nicht nur das Pavillongebäude auch der inhaltliche Teil lässt mich an meinem Verstand zweifeln.
http://www.manager-magazin.de/life/wohnen/0,2828,547985,00.html
Dan schrieb hier am 16.04.2008: wer Deutschland auf der Expo repräsentieren will, sollte wenigsten mehr als 2 Euro 50 in die Visualisierung investieren. Da hat er recht, aber vielleicht stand ja der Gewinner in diesem „Verfahren“ von vornherein fest? Anders kann man sich so einen Mist doch gar nicht erklären. Vielleicht musste sich deshalb das Gewinnerteam mal nur kurz ein paar Stunden so nebenbei mit ihren „Entwürfen“ beschäftigen um als Rechtfertigung auch „irgendetwas“ eingereicht zu haben. Die 3 Meter Durchmesser Kugel (in einem Pavillon von 6000 qm Grundfläche) als Pavillonhighlight, zusammengepferchte Besuchermassen die enthusiastisch bei 40 Grad in Shanghai wie Androiden dieser Kugel huldigen. Das hier ist mehr als ein schlechter Scherz, leider: es soll der Deutsche Pavillon werden. Stadtlandschaften: welcher Gartenarchitekt hat sich den diese sensationellen Grünbereiche ausgedacht und visualisiert? Blaue Stunden im Expo-Pavillon: eine grauenvoll dilletantische und schnell zusammengeschusterte Photoshoparbeit die ebenso wie der Querschnitt durch den Deutschen Pavillon und Oper, Garten und Fabrik mit einer Null Aussage daherkommt. Zu sehen gibt es nix, ich hätte einen ganzen Tag gebraucht um diese Darstellungen mit derart „aussagekräftigen Texten“ zu beschreiben.
Wo bleibt der BAK, der Kulturbeauftragte, die Linken und alle anderen die sich während dieses Auswahlverfahren noch lief aufgeregt haben? Sind die nun mit diesem Ergebnis zufrieden? Es gab auch im November 2007 eine kritische Anfrage einiger Abgeordneter, der Fraktion DIE LINKE, Dr.Gregor Gysi und Oscar Lafontaine zu diesem ganzen (nicht öffentlichen) Wettbewerbsverfahren an die Bundesregierung die den BMWi im Dezember darauf antworten ließ.
http://dip.bundestag.de/btd/16/074/1607431.pdf
Unter anderem: warum ist der BMWi mit der Organisation des deutschen Beitrags für die Expo 2010 beauftragt und nicht der Kulturbeauftragte oder das BMVBS? Antwort: weil der BMWi das immer macht und es auch zweckmäßig ist, dass das auch in Zukunft so bleibt.
Meine Meinung: so wird dann eben auch in Zukunft sichergestellt sein, dass immer die gleichen Kandidaten mit irgendeinem halblebigen Mist gewinnen und sich derweil darüber mokieren können dass die anderen Bewerberteams enthusiastisch fast ein ganzes Jahr umsonst arbeiten und sich aufgrund ihrer Ideen und Visualisierung auch noch Hoffnung auf den ersten Platz machen. Warum werden die Beiträge der anderen 5 Verlierer eigentlich nicht veröffentlicht? Wäre doch mal interessant zu erfahren ob die noch schlechter als dieser Gewinnerbeitrag sind.
Leute! Wir müssen nicht wie jemand hier schreibt auf die Strasse gehen. Wenn es hier mit anständigen Wettbewerbsbedingungen wie ausgeschrieben nach § 5 VOF zugeht, müsste der BMWi mit den Gewinnern noch bis Ende April in den Verhandlungsgesprächen stecken.
Warum schreiben wir hier im Forum statt nebenbei noch an die Presse zu gehen und die Beteiligten der Anfrage an die Bundesregierung anzuschreiben und noch mal wach zu rütteln?
Nur so kann man diese Entscheidung noch kippen und für die Zukunft dafür sorgen, dass nachwachsende Generationen mit guten Ideen Deutschland auf einer Expo vertreten.
Schlecht, daß man sich nun überhaupt nicht mehr äußert.
Und wo bleibt denn die Verlautbarung der BAK zu diesem Thema in einer überregionalen Tageszeitung? Was ist der Standpunkt der Stiftung "Baukultur"?
PS: Hoffentlich werden im Bundeswirtschaftsministerium die fähigeren Leute für die anderen Aufgaben eines solchen Ministeriums eingesetzt und nur die unfähigeren mit der Organisation von solchen Nebensächlichkeiten betraut.
Warum nicht dieses Mittel auch mal hier einsetzten? Es geht hier immerhin um das Representieren eines Landes und seiner Menschen und dem Einhalt gebieten von willkuerlicher Architektur hervorgangen aus willkuerlichen Wettbewerbsentscheidungen.