Im Fels der Pentagone
Natural History Museum Abu Dhabi von Mecanoo
Seit Jahrzehnten plant und baut die Tourismus- und Kulturbehörde von Abu Dhabi auf der Insel Saadiyat ein Quartier, das die eigene Bevölkerung kulturell bilden und den internationalen Tourismus im Land ankurbeln soll. Angesichts des Krieges in der Region kommt diese Nachricht zu einer schwierigen Zeit für die Vereinigten Arabischen Emirate.
Neben dem Louvre Abu Dhabi, dem multireligiösen Gebetshaus und dem Zayed National Museum ist seit Ende 2025 ein weiterer Baustein eröffnet: das Naturkundemuseum. Die Pläne dazu lieferte ein Team um Mecanoo (Delft). Dieser Baustein aus Beton und Stahl sowie Fassaden überwiegend aus lokal hergestelltem Ultrahochleistungsbeton (UHPC) kommt als kleines Gebirge daher. Die Architekt*innen bezeichnen es als „eine von Naturkräften geprägte Landschaft, in der Architektur und Gelände untrennbar miteinander verschmelzen“. Dabei haben sie sich von den geologischen Formationen und Wadis der Region inspirieren lassen.
Diese Herleitung liegt ebenso nahe wie die Erklärung für die ambitionierte, ja regelrecht ornamentale Grundrissform, die auf unregelmäßigen Pentagonen beruht: Sie sei von den in der Natur vorkommenden Zellstrukturen abgeleitet. Interessant ist, wie sie hierüber eine Verbindung zwischen den Bildern der Naturwissenschaft und der im Land vorherrschenden Religion schaffen, in der das Ornament als zentrales Ausdrucksmittel von Kunst und Kultur gilt. Nicht zuletzt dürfte es die Gespräche der Besucher*innen darüber anregen, wie Architektur selbst die Inhalte eines Museums vermitteln kann.
Was ist auf den 35.000 Quadratmetern zu erleben? Da ist zunächst die monumentale Eingangshalle. Ähnlich wie etwa im Berliner Naturkundemuseum vermittelt sie einen Eindruck von den Ambitionen des Museums und ermöglicht Blicke auf die Starexponate der Ausstellung, das Skelett des Tyrannosaurus Rex Stan und seiner Dinosaurierkollegen. Ähnlich wie in der Ergänzung des American Museum of Natural History in New York erinnert die Eingangshalle an das Innere eines Felsens. Im Unterschied dazu ist dieser Felsen jedoch vom Pentagon dominiert. Und wie beim benachbarten Louvre Abu Dhabi wirkt sie nicht zuletzt durch das von oben einfallende Tageslicht und die Kontraste zwischen hell und dunkel.
Von hier beginnt eine von Ralph Apelbaum und Barker Langham inszenierte Reise durch die Geschichte des Planeten – vom Urknall bis hin zu den Herausforderungen des Klimawandels. Der Grundriss ermöglicht sowohl einen chronologischen Rundgang als auch eigene Entdeckungen. Hier wird eine Haltung deutlich, mit der sich das Museum mitten im internationalen Museumsdiskurs verortet. Es versteht sich als Bestandteil des städtischen Alltags, als öffentlicher Raum, der Menschen mit Wissen verbinden will, der Dialog und Lernen ermöglicht.
Dies unterstützt schließlich die Landschaftsgestaltung, die das Gebäude nicht nur einbettet, sondern auch Wege an der Uferpromenade und zu den anderen Museen ermöglicht. Wer einmal vor Ort war, weiß, wie unwirtlich der Aufenthalt im Freien sein kann, wie rar (künstlich) begrünte Freiräume noch immer gesät sind und warum die Menschen kaum zu Fuß unterwegs sind.
Beim Natural History Museum laden öffentliche Grünanlagen mit Terrassen und schattigen Durchgängen dazu ein, sich mit den Erzählungen des Museums auseinanderzusetzen, bevor man das Innere betritt. Die üppige Bepflanzung mit widerstandsfähigen Sorten und die Landschaftsgestaltung von Waho Landscape Architects sollen nicht zuletzt thermische Puffer schaffen. (fm)
- Planungsteam:
- Mecanoo, Egis Group, Broadway Malyan, Pascall+Watson, Waho Landscape Architects, Plan A Consultants, EllisDon
- Bauherrschaft:
- DCT (Department of Culture and Tourism Abu Dhabi)
- Ausstellungsdesign:
- Ralph Apelbaum, Barker Langham
- Fläche:
- 35 m² Bruttogrundfläche




