Canyon in Innsbruck
Multifunktionales Stadtquartier von Pichler & Traupmann Architekten
Canyon in Innsbruck
Multifunktionales Stadtquartier von Pichler & Traupmann Architekten
Das neue Raiffeisen-Quartier in Innsbruck, kurz RAIQA, gibt ein radikales Beispiel für Re-Use, Kreislaufwirtschaft und überraschenden Einsatz von nachwachsenden Rohstoffen. Der Innenraum ist eine Mischung aus zelebriertem Brutalismus und baukultureller Archäologie.
Innsbruck gilt seit vielen Jahren als Österreichs Mekka für zeitgenössische Architektur. Und das liegt nicht nur an der 2002 eröffneten, mittlerweile weltberühmten Bergiselschanze von Zaha Hadid. UNStudio und Sauerbruch Hutton haben urbane Masterplanungen beigesteuert, hinzu kommen Bauten von Snøhetta, Dominique Perrault, David Chipperfield, Henke Schreieck, LAAC Architekten, Dietrich Untertrifaller sowie der vielfach preisgekrönte Umbau des denkmalgeschützten Adambräu-Hauses von Lois Welzenbacher, in dem sich heute das Innsbrucker Architekturzentrum aut. architektur und tirol befindet.
Nicht weit von hier, nur wenige Schritte vom Hauptbahnhof entfernt, ragt nun eine neue, strahlend weiße Landmarke aus der Innsbrucker Dachlandschaft empor. Es ist das Raiffeisen-Quartier, kurz RAIQA, geplant vom Wiener Architekturbüro pxt – Pichler & Traupmann Architekten, das vor wenigen Monaten fertiggestellt wurde. Neben dem Headquarter der Raiffeisen-Landesbank Tirol umfasst der Gebäudekomplex ein Café, ein Rooftop-Restaurant, eine Kunstgalerie, eine anmietbare Veranstaltungshalle sowie ein Radisson Red Hotel mit 161 Zimmern. Zudem gibt es eine von zahlreichen Shops und Lokalen gesäumte öffentliche Passage, die täglich von bis zu 10.000 Passant*innen frequentiert wird.
Nicht weit von hier, nur wenige Schritte vom Hauptbahnhof entfernt, ragt nun eine neue, strahlend weiße Landmarke aus der Innsbrucker Dachlandschaft empor. Es ist das Raiffeisen-Quartier, kurz RAIQA, geplant vom Wiener Architekturbüro pxt – Pichler & Traupmann Architekten, das vor wenigen Monaten fertiggestellt wurde. Neben dem Headquarter der Raiffeisen-Landesbank Tirol umfasst der Gebäudekomplex ein Café, ein Rooftop-Restaurant, eine Kunstgalerie, eine anmietbare Veranstaltungshalle sowie ein Radisson Red Hotel mit 161 Zimmern. Zudem gibt es eine von zahlreichen Shops und Lokalen gesäumte öffentliche Passage, die täglich von bis zu 10.000 Passant*innen frequentiert wird.
Das Projekt begann im Jahr 2016 mit einem Phase-Null-Prozess mit dem Wiener Consulting-Unternehmen M.O.O.CON. Zwei Jahre später schrieb die Raiffeisen-Landesbank Tirol einen Architekturwettbewerb aus und lud dazu rund 30 Büros aus ganz Europa ein. „Drei Sachen waren uns von Anfang an wichtig“, erklärt Thomas Wass, Vorstand der Bank, „und zwar die Aufwertung der öffentlichen Fußgängerpassage, die Schaffung einer großen öffentlichen Lobby, in der Bank, Hotel und Café hybrid ineinanderfließen, sowie der Erhalt von Teilen des Altbaus im Sinne der Kreislaufwirtschaft und des Social Urban Mining.“
Der Entwurf von pxt beweist, dass Re-Use-Architektur längst in den Qualitätsgefilden von „Wow“ und „Sexiness“ angekommen ist. Denn anstatt den Vorgängerbau, ein in die Jahre gekommenes Waschbetongebäude von Walter Anton Schwaighofer, einfach abzureißen, beschlossen pxt, ihn bis auf das Betongerippe rückzubauen. Die bestehenden Stützen und Balken verwendeten sie als primäre Tragkonstruktion, an die der 120 Meter lange Neubau rundherum quasi andockt.
Der Entwurf von pxt beweist, dass Re-Use-Architektur längst in den Qualitätsgefilden von „Wow“ und „Sexiness“ angekommen ist. Denn anstatt den Vorgängerbau, ein in die Jahre gekommenes Waschbetongebäude von Walter Anton Schwaighofer, einfach abzureißen, beschlossen pxt, ihn bis auf das Betongerippe rückzubauen. Die bestehenden Stützen und Balken verwendeten sie als primäre Tragkonstruktion, an die der 120 Meter lange Neubau rundherum quasi andockt.
So etwas kann man nicht entwerfen, so etwas kann man nur finden, nur vorfinden, indem man sich einem bestehenden Gebäude auf fast schon archäologische Weise annähert und sich überlegt, welche Teile man freilegt und erhält und welche nicht.Christoph Pichler
Die nackten Betonbalken ziehen sich wie fette Dinosaurierknochen durch das 35 Meter hohe Atrium, bis hoch in den neunten Stock, immer wieder ergänzt und aufgewertet mit Stegen, Stiegen, Wendeltreppen und mal aufgelagerten, mal abgehängten Ufo-Plattformen, die der Bank und dem Hotel als fesch möblierte Lounge-Bereiche dienen. Die eckigen Lounge-Sessel sind eine Neuauflage von Karl Schwanzers berühmtem Fauteuil Kollektion.58, den dieser für den österreichischen Pavillon der EXPO 1958 in Brüssel entwickelte.
„Niemand würde heute auf die Idee kommen, so einen Raum zu bauen“, sagt Architekt Christoph Pichler. „Das wäre einfach nur anachronistisch. So etwas kann man nicht entwerfen, so etwas kann man nur finden, nur vorfinden, indem man sich einem bestehenden Gebäude auf fast schon archäologische Weise annähert und sich überlegt, welche Teile man freilegt und erhält und welche nicht. Und genau das haben wir hier gemacht.“
Die Vorgehensweise vergleicht der Architekt mit der von Giovanni Battista Piranesi, der in seinen Zeichnungen und Kupferstichen die Ruinen der Antike wiederzubeleben vermochte, sowie mit den mitttels Motorsäge dekonstruierten Häusern des New Yorker Künstlers Gordon Matta-Clark. „Bloß haben wir hier mit einer Betonsäge gearbeitet“, so Pichler, „und es ging uns nicht um Kunst, sondern um Nachhaltigkeit, Ressourcennutzung und Reduktion von CO2-Emissionen, aber auch um den Erhalt von dem, was schon da ist, denn man schmeißt Geschichte nicht einfach weg – schon gar nicht heute.“
„Niemand würde heute auf die Idee kommen, so einen Raum zu bauen“, sagt Architekt Christoph Pichler. „Das wäre einfach nur anachronistisch. So etwas kann man nicht entwerfen, so etwas kann man nur finden, nur vorfinden, indem man sich einem bestehenden Gebäude auf fast schon archäologische Weise annähert und sich überlegt, welche Teile man freilegt und erhält und welche nicht. Und genau das haben wir hier gemacht.“
Die Vorgehensweise vergleicht der Architekt mit der von Giovanni Battista Piranesi, der in seinen Zeichnungen und Kupferstichen die Ruinen der Antike wiederzubeleben vermochte, sowie mit den mitttels Motorsäge dekonstruierten Häusern des New Yorker Künstlers Gordon Matta-Clark. „Bloß haben wir hier mit einer Betonsäge gearbeitet“, so Pichler, „und es ging uns nicht um Kunst, sondern um Nachhaltigkeit, Ressourcennutzung und Reduktion von CO2-Emissionen, aber auch um den Erhalt von dem, was schon da ist, denn man schmeißt Geschichte nicht einfach weg – schon gar nicht heute.“
Umso überraschender ist die Wahl der Konstruktion und des Baustoffeinsatzes in den obersten fünf Etagen des Gebäudes. Denn ab dem vierten Stock aufwärts wurde das Hotel in vorgefertigter Holzbauweise errichtet. Jede Nacht, erzählen die Architekt*innen, konnten bis zu vier Zimmerboxen per Kran an Ort und Stelle gehievt werden. Allerdings wollte die Hotelkette Radisson die Holzboxen ursprünglich mit einer Tapete in Sichtbetonoptik auskleiden, um den urban-jugendlichen Chic des Hotels zu unterstreichen. Zum Glück konnte diese skurrile Materialperversion gestoppt werden: Die Holzwände in den Zimmern wurden sichtbar belassen.
Auch wenn es der weißen, mit Aluminiumpaneelen verkleideten Büromaschine, die sich mit einer gewissen Wuchtigkeit über die Innsbrucker Dachlandschaft erhebt, von außen leider nicht anzusehen ist: Wie eine Berechnung des Wiener Büros Materialnomaden ergeben hat, konnten dank Re-Use, Urban Social Mining und Holzbauweise rund 1.500 Tonnen CO2 eingespart werden. Zugleich entstand einer der derzeit beeindruckendsten Innenräume Österreichs, in dem sich die Wege von Passant*innen, Hotelgästen und rund 330 Bankangestellten kreuzen.
Auch wenn es der weißen, mit Aluminiumpaneelen verkleideten Büromaschine, die sich mit einer gewissen Wuchtigkeit über die Innsbrucker Dachlandschaft erhebt, von außen leider nicht anzusehen ist: Wie eine Berechnung des Wiener Büros Materialnomaden ergeben hat, konnten dank Re-Use, Urban Social Mining und Holzbauweise rund 1.500 Tonnen CO2 eingespart werden. Zugleich entstand einer der derzeit beeindruckendsten Innenräume Österreichs, in dem sich die Wege von Passant*innen, Hotelgästen und rund 330 Bankangestellten kreuzen.
Bautafel
- Fertigstellung:
- 2026
- Architektur:
- pxt – Pichler & Traupmann Architekten
- Entwurfsteam:
- Bartosz Lewandowski (Teamleiter), Patrik Drechsler, Peter Grandits, David Guisado T., Anna Gulinska, Jakub Kaczmarek, Joachim Kess, Andreas Schermann, Jan Niklas Schöpf, Milan Suchánek, Michael Wögerbauer
- Projektteam:
- Alexander Tauber (Projektleiter), Adnan Balic (GP Koordinator), Nikola Beim, Patrik Drechsler, Peter Grandits, Florian Huber, Jakub Kaczmarek, Joachim Kess, Alexander Klapsch, Tibor Koczian, Bartosz Lewandowski, Giuseppe Malfona, Elisa Mazagg, Piotr Pindor, Jan Niklas Schöpf, Julian Straub, Severin Türk, Wolfgang Windt, Michael Wögerbauer
- Statik + Bauphysik:
- RWT Plus ZT GmbH
- Haustechnik:
- Woschitz Engineering ZT GmbH
- Landschaftsplanung:
- Carla Lo
- Bauherrschaft:
- Raiffeisen-Landesbank Tirol AG
- Nutzfläche (mit Garage):
- 25.166 m²
- Fläche:
- 37.720 m² Bruttogrundfläche (mit Garage)
Innsbruck
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