Arbeiten unterm Garten in Innsbruck
Büroerweiterung von Daniel Fügenschuh
Der früh verstorbene österreichische Architekt Siegfried Mazagg (1902–1932) gilt mit seiner recht eigenen Handschrift als Interpret der frühen Moderne in Tirol. Ein regionaler Heimatschutzstil traf hier auf Ideen der Neuen Sachlichkeit. In seiner kurzen Karriere entwarf er neben öffentlichen Gebäuden und Projekten für den Tourismus auch eine ganze Reihe von Einfamilienhäusern. Sein erstes diesbezügliches Vorhaben befindet sich im Innsbrucker Stadtteil Hötting: Es ist die ehemalige Villa Walter, die 1924–26 im Auftrag eines jungen Ingenieurs errichtet wurde.
Vor wenigen Jahren erwarb der Innsbrucker Architekt Daniel Fügenschuh das denkmalgeschützte Objekt und verwandelte es mit minimalen Eingriffen in ein gegenwartstaugliches Wohnhaus für sich und seine Familie. Für das eigene Büro schuf er außerdem auch noch Platz: mit einer teils unterirdisch angelegten Erweiterung, die viel Raum bietet, von außen jedoch fast unsichtbar bleibt. Schon 2011 hatte Fügenschuh bei einer Schulerweiterung in der Tiroler Gemeinde Rattenberg mit größtmöglicher Reduktion auf einen historischen Kontext reagiert.
Die 235 Quadratmeter große Villa steht auf einem spitz zulaufenden, am Hang gelegenen Grundstück, das zwei Straßen rahmt. Charakterisiert wird das zweigeschossige Gebäude mit fast quadratischem Grundriss, das sich von jeder Seite anders präsentiert, durch ein Spiel mit diagonal versetzten, steilen und teils weit heruntergezogenen Satteldächern. Fügenschuh verpasste dem fast im Originalzustand erhalten gebliebenen Bau lediglich ein paar kleine „Upgrades“ wie eine neue Terrasse mit kleinem Wasserbecken an der Westseite.
Das Studio mitsamt einer Garage brachte er unterhalb des Gartens auf der Ostseite unter – mit 225 Quadratmetern Größe bietet die Erweiterung noch einmal so viel Nutzfläche wie das Wohnhaus selbst. Sie ist regelrecht in den Hang eingegraben und von außen nur an einem Fensterband zu erkennen. Das durchbricht die Mauer, die sich an der unterhalb des Grundstücks verlaufenden Straße entlangzieht. Auch für Solarpaneele war hier noch Platz.
Ergänzt wird diese großzügige Tageslichtversorgung durch zwei weitere Oberlichter im Bereich des Gartens. Boden und Wände des luftig wirkenden Büroraums sind in Sichtbeton ausgeführt, während eine Konstruktion aus Brettsperrholz die Fläche stützenfrei überspannt. (da)
Fotos: David Schreyer
Der Fotograf David Schreyer beschäftig sich nicht nur mit zeitgenössischer Architektur in Europa, sondern auch mit der Moderne in Kalifornien. Sein Buch „Los Angeles Modernism Revisited“ (zusammen mit Andreas Nierhaus) stellten wir in der Baunetzwoche#552 vor.
die tiroler haben eine sehr eigenständige moderne, die sich auch gut in diesem gebäude wiederspiegelt. und der kollege der es nun wiederbelebt hat und sensibel erweitert hat einen guten job gemacht.
Nein, daß von zwei Straßen eingefaßt ist. Sackgassen könnten vielleicht von einem (einzigen) Grundstück »gerahmt«, eingefaßt sein.
Besser kleinteiliger, gefügter vielleicht oder mindestens mit dunklen senkrechten Fugen. Was soll diese fremde Horizontale in einer bewegten Umgebung?
lediglich die leimbinder der decke hängen bis auf die paar abgestützten seltsam in der luft?! nur show?
von aussen sieht es doch sehr zusammengebastelt aus wie im klassischen vorgarten wo jeder hausbesitzer was dazubaut...und das eher im baumarkt-style... und am ende kamen die aufgestellten solarflächen dazu, das ist grade so "in".....