Kultur und Kanu am Ticino
Mehrzweckhalle und Klubhaus in Sesto Calende von Giulia de Appolonia
In Sesto Calende, unterhalb des Lago Maggiore in der Lombardei gelegen, hat das Büro Giulia de Appolonia GDA (Brescia) ein Ensemble bestehend aus Mehrzweckhalle, Klubhaus für den lokalen Kanu- und Kajakverein, öffentlichem Platz sowie Park- und Uferflächen realisiert. Die beiden Gebäude samt Außenanlagen sollen die Innenstadt stärker mit dem Ticino verbinden. Der mündet schließlich bei Pavia in den Po.
Lokal trägt das Projekt auch den Namen La Nuova Marna – und nimmt damit Bezug auf den Vorgängerbau, den Veranstaltungsort La Marna. Letzterer wurde in den 1940er Jahren als Freizeit- und Betriebsstätte des italienischen Flugzeugherstellers SIAI Marchetti errichtet. Später entwickelte er sich zu einem beliebten Kultur- und Freizeitzentrum, im Sommer mit Strand, Sprungturm und Bar, im Winter als Tanzsaal und Konferenzort. In den 1960ern wurde der Komplex durch den Sitz des Kanu- und Kajakvereins Circolo Sestese Canoa Kayak, eine Boccia-Anlage, einen Fußballplatz und eine Rollschuhbahn ergänzt.
Der Abriss der alten Gebäude wird mit baulichen Mängeln, verschärften Hochwasserschutzanforderungen am Ticino sowie dem Wunsch nach einer grundlegenden städtebaulichen Neuordnung in diesem Bereich begründet. Dabei entstand das neue Klubhaus am alten Standort von La Marna, während die Mehrzweckhalle mit vorgelagertem Platz auf einer ehemaligen Parkfläche errichtet wurde. Die beiden Volumen sind hinsichtlich Größe und Form recht ähnlich. Die mit transluzenten Polycarbonatelementen verkleidete Veranstaltungshalle wirkt jedoch leicht und offen, das mit einer dunklen Sichtbetonstruktur versehene Klubhaus tritt trotz großzügiger Verglasung in Richtung Ticino eher kompakt in Erscheinung.
Die Dächer der beiden durch eine Verkehrsachse getrennten Baukörper bezeichnen die Architekt*innen als „fünfte Fassade“, da das Ensemble dank einer benachbarten Brücke auch von oben einsehbar ist. Die Außenräume verknüpfen die beiden Teile sowohl miteinander als auch mit ihrer Umgebung. Ein von Bäumen gesäumter Weg geleitet vom neu geschaffenen Platz zum nahegelegenen Rathaus. Rampen, die hinunter zum Ticino führen, binden das Ensemble an den Fluss an. Die ober- und unterirdisch angelegten Parkflächen sind mittels einer Unterführung gemeinsam erschlossen.
In Sesto Calende war das Projekt von Beginn an umstritten, wie die lokale Presse berichtet. Kritisiert wurden vor allem gestiegene Kosten, der Abriss der bestehenden Anlage sowie die Dimension der Neubauten. Finanziert wurde das Vorhaben durch kommunale Mittel, Fördergelder der Region Lombardei, Beiträge der Fondazione Cariplo sowie private Investitionen. (dsm)
- Fertigstellung:
- 2024
- Architektur:
- Giulia de Appolonia
- Ingenieure:
- F&M Ingegneria
- Bauherrschaft:
- Gemeinde Sesto Calende
- Fläche:
- 1.874 m² Nutzfläche, 1,7 Hektar mit Außenbereichen
- Baukosten:
- 9.300.000 €



