Pergola mit Ziegelsteinen
Kulturzentrum in Limoux von Ferrier Marchetti Studio
Die Kleinstadt Limoux in der südfranzösischen Region Okzitanien verfügte einst über zwei bedeutende Fabriken: in einer wurden Schuhe produziert, in der anderen Ziegel. Beide gibt es heute nicht mehr, doch anstelle der Ziegelei entstand ein neuer öffentlicher Ort. Entworfen wurde der dreigeschossige Gebäudekomplex mit dem sprechenden Namen La Tuilerie (auf Deutsch: Ziegelbrennerei) vom Pariser Büro Ferrier Marchetti Studio.
Bereits 2007 hatte die Gemeinde das Areal der ehemaligen Ziegelei erworben. Aufgrund der begrenzten finanziellen Mittel der Kommune dauerte die Realisierung des Projekts jedoch lange. Immer wieder wurden Anpassungen notwendig. War im 2014 durchgeführten Wettbewerb noch vorgesehen, einen Teil des Bestands umzunutzen, wurde dieser schließlich doch abgerissen.
Ferrier Marchetti konzipierten ein komplett neues Gebäudeensemble, bestehend aus drei Volumen, die um einen zentralen Platz angeordnet sind. Sie setzten dabei auf Standardisierung und die Wiederverwendung der beim Abbruch des Bestands gewonnenen mineralische Materialien. Das Erscheinungsbild knüpft mit seiner Abfolge von Spitzdächern und messingfarbenen, metallischen Lamellenfassaden an die Ästhetik industrieller Bauten an.
Um das Bauvorhaben effizient zu halten, setzte man beim Raumprogramm auf die Bündelung von Funktionen. Zum einen entstanden neue Veranstaltungsräumlichkeiten, die unter anderem für das lokale Brass Festival und Theateraufführungen genutzt werden. Zum anderen kamen mit einem Musikkonservatorium und dem Verwaltungssitz des Gemeindeverbands Limoux auch Einrichtungen unter, die zuvor auf mehrere ältere Gebäude verteilt waren.
Der mit 2.700 Quadratmetern Fläche größte Baukörper nimmt eine Veranstaltungshalle mit 2.000 Sitzplätzen auf, der daneben liegende mit 1.600 Quadratmetern Bruttogrundfläche beherbergt einen kleineren Konzertsaal sowie die Verwaltungsbüros. Über eine Brücke im ersten Obergeschoss mit ihm verbunden ist das dritte Volumen mit 1.800 Quadratmetern Größe. Hier zog das Konservatorium ein.
Ein neuer öffentlicher Platz bildet den räumlichen Mittelpunkt, zu dem sich sämtliche Eingänge orientieren. Gerahmt wird der Platz auf allen vier Seiten von einer Pergola, bestehend aus einer Metallkonstruktion, in die Dachziegel lamellenförmig eingespannt sind. Sie wirkt wie eine durchlässige Hülle, die mit dem Stand der Sonne wechselnde Schattenspiele erzeugt. Zugleich schafft sie mit dem klaren Verweis auf das einst am Ort produzierte Material eine identitätsbildende Klammer zwischen den Bauten. (da)
- Fertigstellung:
- 2026
- Architektur:
- Ferrier Marchetti Studio
- Assoziierte Architekten:
- Atelier d’Architecture Crossman
- Tragwerksplanung:
- C&E Ingénierie
- Freiraumgestaltung:
- Agence TER
- Akustikplanung:
- Peutz et Associés
- Szenografie:
- Ducks Scénos
- Kostenplanung und Technische Gebäudeausrüstung:
- OTCE LR
- Erschließungsplanung:
- GAXIEU Ingénierie
- Bauherrschaft:
- Communauté de Communes du Limouxin
- Fläche:
- 7.700 m² Bruttogrundfläche
- Baukosten:
- 19.000.000 € netto
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