Drei Scheunen für den Golfclub
L2A im Berner Oberland
Der Golfclub Interlaken-Unterseen im Berner Oberland liegt etwas außerhalb von Interlaken direkt am Ostufer des Thunersees. „Markante Baumreihen und dichte Hecken“, so beschreiben L2A Architekten (Unterseen) die Anfahrt, „bilden einen grünen Korridor, der den Blick noch einen Moment zurückhält.“ Erst beim Einbiegen auf den Parkplatz öffnet sich der Blick über das grüne, rund 60 Hektar große Gelände am See.
Seit 60 Jahren wird hier Golf gespielt. Nun wurde nach den Entwürfen von L2A ein neues Clubhaus mit Restaurant eröffnet. Das Büro hatte 2016 den Wettbewerb unter acht eingeladenen Teams gewonnen. Die bestehenden Gebäude aus den Jahren 1976, 1984 und 1994 wurden abgerissen, ihre Bodenplatten und Pfählungen wurden aber größtenteils weiterverwendet. Der Fußabdruck der Bestandsbauten durfte nicht vergrößert werden, die Anlage grenzt direkt an ein Landschaftsschutzgebiet.
Das gewünschte Raumprogramm organisierten L2A in drei Häusern, die sich wie Scheunen unter spitzen Satteldächern um eine gemeinsame Hoffläche scharen. Das größte Volumen bildet im Süden das Clubhaus mit Vorhalle und Rezeption. Das Restaurant schließt im mittleren, deutlich kleinere Volumen unmittelbar an. Abgesetzt nach Norden steht die „Wägelihalle“ für die Golfcarts und die weitere Ausrüstung – inklusive Schließfächern, Akku-Lagerstation und Waschanlage. Nach Osten öffnet sich die gepflasterte Hoffläche zur Parklandschaft des Golfkurses und zum eindrucksvollen Bergpanorama. Zum Parkplatz formt sich als Eingang zwischen Restaurant und Wägelihalle eine offene Passage.
Die Inspiration für diese Anlage sind offensichtlich: landwirtschaftliche Hofanlagen und traditionelle Holzbauten, wie sie in der Region noch häufig zu finden sind. In Proportion, Dachform und konstruktiver Logik folgen alle drei Neubauten einem gemeinsamen Regelwerk, aber in Größe und Details unterscheiden sie sich. So erscheinen die Neubauten „verwandt, ohne uniform zu sein“, schreiben die Architekt*innen.
Die Staffelung der Bauten erzeugt eine differenzierte Abfolge von Außenräumen. Sichtachsen und Durchblicke verbinden Innen- und Außenräume mit der Landschaft und geben Orientierung. Die enge Verbindung mit der Landschaft und die Referenzen an regionale Bautypen hätten – zusammen mit ökologischen Überlegungen – die Verwendung von Holz bereits nahelegt, so L2A. Ergänzt wird das Holz durch einen schlichten Steinboden – innen wie außen – und durch Lehmputz auf „ausgewählten Wandflächen“. Solarmodule auf dem Dach runden das nachhaltige Konzept des Golfclubs ab. (fh)
- Fertigstellung:
- 2026
- Architektur:
- L2A Architekten
- Landschaftsplanung:
- Bischoff Landschaftsarchitekten
- Tragwerk und Statik:
- Mätzener & Wyss Bauingenieure
- Holzbauplanung:
- Pirmin Jung Ingenieure
- Bauphysik:
- Marc Rüfenacht
- Elektroplanung:
- fux & sarbach Engineering
- Planung HLKS:
- Welatec Beratende Ingenieure
- Bauherrschaft:
- Golfclub Interlaken-Unterseen
- Fläche:
- 3.070 m² Geschossfläche GF nach SIA416
- Baukosten:
- 8.800.000 € (BKP2)
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