Glaspalast für den Rundfunk
MDW Architecture und V+ in Brüssel
Belgiens öffentlich-rechtliche Rundfunkanstalten Radio Télévision Belge Francophone (RTBF) und Vlaamse Radio- en Televisieomroeporganisatie
(VRT) haben ihren Standort schon lange in Schaerbeek im Norden von Brüssel. Auf dem rund 20 Hektar großen Gelände mit dem ikonischen Funkturm am Boulevard Auguste Reyers läuft seit mehr als zehn Jahren das Stadtentwicklungsprojekt Mediapark.brussels. Im Zuge der Transformation zum gemischt genutzten Stadtquartier werden auch die alten Rundfunkgebäude schrittweise durch neue ersetzt.
Nachdem Ende 2025 das Medienzentrum FRAME eröffnete, folgte im Juni dieses Jahres mit dem Média Square der neue Hauptsitz der RTBF, der unweit des alten Gebäudes liegt. Errichtet wurde der Neubau nach Plänen der beiden Brüsseler Büros MDW Architecture und V+ / Bureau Vers plus de bien-être. Wie die RTBF auf ihrer Website mitteilt, investierte sie in den Bau des Gebäudes circa 179 Millionen Euro. Hinzu kamen weitere 57 Millionen für die Technik. „Ein Drittel dieses Gebäudes wird durch den Verkauf unseres Grundstücks finanziert; ein weiteres Drittel stammt aus einem Darlehen der Europäischen Investitionsbank; und der Rest ist selbstfinanziert“, erklärt dazu Jean-Paul Philippot, Generaladministrator der RTBF.
Die Architekt*innen wollen ihren Entwurf als Neuinterpretation des Archetyps eines repräsentativen Stadtpalais verstanden wissen, der „Qualitäten eines privaten Anwesens mit denen eines öffentlichen Gebäudes“ verbinde. Sie gestalteten das Rundfunkgebäude als transparenten Kubus, der sein hochspezialisiertes Innenleben nach außen kommuniziert. Der als „palais nu“, also als „unverhüllter Palast“, bezeichnete Baukörper tritt mit großflächigen, teils doppelgeschossigen Verglasungen statt geschlossenen Fassaden auf und lässt formal an Produktionsarchitekturen der frühen Moderne denken.
Das Raumprogramm umfasst Büros, Redaktions-, Mehrzweck- und Logistikräume, Audio-, Video- und Digitalstudios sowie ein Restaurant. Um eine enge Zusammenarbeit zwischen Produktion, Redaktion und Verwaltung zu ermöglichen, wurden die drei Bereiche übereinander gestapelt und über ein zentrales Atrium vertikal miteinander verwoben. Die Studios im Erdgeschoss fungieren als Schnittstelle zwischen Öffentlichkeit und Medieninstitution. Sie liegen am zentralen Quartiersplatz, auf dessen anderer Seite der neue Hauptsitz des VRT entsteht. In den mittleren Geschossen ist die um den Newsroom organisierte Welt der Nachrichtenproduktion untergebracht. Darüber gruppieren sich Büros und Arbeitsräume, ergänzt durch gestaffelte, teils hängende Gärten. Einige Räume durchziehen mehrere Geschosse.
Die leicht konkav geformte Gebäudehülle des Betonskeletts kombiniert Glas mit Holz, Aluminium und Stahl. Trotz des strengen Rasters entsteht durch unterschiedliche Fenstergestaltung ein differenziertes Erscheinungsbild. Das Innere ist von eingestellten Boxen aus roten und weißen Ziegeln, Holz und Metall geprägt. Wie das an der Konstruktion beteiligte belgische Bauunternehmen BESIX auf seiner Website mitteilt, sind 18 Studios als vollständig schallisolierte Einheiten konstruiert, wobei jedes Studio von mehreren Schichten aus schallabsorbierendem Material und Beton umgeben sei, um äußere Erschütterungen und Geräusche vollständig abzuschirmen. (da)
- Fertigstellung:
- 2025
- Architektur:
- MDW Architecture und Vers plus de bien-être / V+
- Tragwerksplanung und Bauphysik:
- Tractebel
- Landschaftsarchitektur:
- Landinzicht Landschapsarchitecten
- Akustik:
- Kahle Acoustics
- Generalunternehmer:
- Valbesina (Valens + BESIX + Eiffage)
- Bauherrschaft:
- Radio-télévision belge de la Communauté française (RTBF)
- Fläche:
- 38.000 m² Bruttogrundfläche
- Baukosten:
- 236.000.000 € Gesamtkosten





