Neue Räume für den SWR
Medienhaus in Tübingen von LRO
Seit 1950 sendet der Südwestrundfunk (SWR) aus Tübingen. Dafür nutzte er gut 70 Jahre lang das Funkhaus auf dem Österberg östlich der Altstadt. Nun soll am 18. Juli 2025 die erste Sendung aus einem neuen Studiogebäude erfolgen, das LRO (Stuttgart) im Auftrag des SWR entwarfen. Gemeinsam setzten sich die Architekt*innen und das Bauunternehmen Georg Reisch (Bad Saulgau) 2021 bei einem Verhandlungsverfahren nach VOB/A durch und realisierten in direkter Nachbarschaft zum Bestand einen kompakten Neubau. Anstelle der SWR-Bestandsbauten soll in den nächsten Jahren ein Wohnquartier entstehen.
Der neu geschaffene Solitär hat eine Bruttogrundfläche von rund 3.000 Quadratmetern, die sich über vier Ebenen verteilt. Das Sockelgeschoss, das die Geländeneigung sowie eine Tiefgarage aufnimmt, geht in eine flache Ziegelmauer über. Sie umschließt das Grundstück und mündet in einem Lüftungsturm, der straßenseitig im Süden Hofeinfahrt und Haupteingang des Medienhauses markiert. Die gut 1.900 Quadratmeter großen Freiflächen gestalteten LRO in Zusammenarbeit mit Kovacic Ingenieure (Sigmaringen).
Die Hülle des Hanggeschosses aus wiederverwendeten, hinterlüfteten Ziegeln bildet einen Kontrast zu den aufsitzenden Geschossen, in denen sich helle Putzflächen mit horizontal-durchlaufenden Fensterbändern abwechseln. Die schräg zueinander gestellten Verglasungen, die ein Zickzack-Muster erzeugen, bringen Bewegung in die Fassade. Sonnenschutz kommt in Form von außenliegenden Jalousien in der oberen Abdeckung der Fenster unter und wird in Schienen entlang der Zackenspitzen geführt.
Der Haupteingang mit auskragendem Vordach führt in ein Foyer mit zentraler Rotunde, die Sitzgelegenheiten aufnimmt. Nördlich schließt ein flexibler, offener Bereich an, der mit einer Teeküche ausgestattet ist und für Feiern oder Empfänge genutzt werden kann. Links vom Eingang liegt der sogenannte Live-Point für wechselnde Sendeformate, rechts befinden sich Produktions- und Büroräume sowie der Erschließungskern mit dienenden Funktionen. In den beiden Obergeschossen sind jeweils auf der Westseite Großraumbüros angeordnet, die den Newsdesk-Betrieb aufnehmen und über eine offene Wendeltreppe miteinander verbunden sind. Um Störungen zu vermeiden, wurden die kleineren Büroeinheiten, Besprechungs- und Aufenthaltsräume im östlichen Gebäudeteil untergebracht.
Auf tragende Wände haben die Architekt*innen im Gebäudeinneren weitestgehend verzichtet, sodass die Flächen in Zukunft an wechselnde Arbeitsbedingungen angepasst werden können. In den Innenräumen wechseln die brettergeschalten Sichtbetonoberflächen des Erschließungskerns mit hellen Decken und Wänden in den Büros sowie kräftigen gelben Akzenten, die sich durch das Haus ziehen. Erdsonden versorgen die Räume im Winter mit Wärme und temperieren im Sommer über eine passive Kühlung. Die Baukosten werden für die Kostengruppen 300 bis 500 mit rund 9,4 Millionen Euro netto angegeben. (sbm)
Fotos: Roland Halbe
- Bauherrschaft:
- Südwestrundfunk (SWR)
- Architektur:
- LRO (Stuttgart)
- Mitarbeit:
- Michael Meier (PRojektleiter), Marc Oei, Katja Pütter, Klaus Hildenbrand, Heiko Müller
- Generalunternehmer:
- Georg Reisch (Bad Saulgau)
- Tragwerksplanung:
- Hangleiter Baustatik (Bad Saulgau)
- Haustechnik:
- Holger Greiner Ingenieurbüro (Immenstadt am Bodensee)
- Elektroplanung:
- IB Sulzer (Vogt)
- Bauphysik:
- Wolfgang Sorge Ingenieurbüro für Bauphysik (Nürnberg)
- Freianlagenplanung:
- Kovacic Ingenieure (Sigmaringen) mit LRO (Stuttgart)
- Brandschutzgutachter:
- M. Oelmaier Ingenieurbüro für Brandschutz (Sigmaringen)
- Vermessungstechnik:
- Hils Ingenieure (Stuttgart)
- SiGeKo:
- Hess-Sachverständige (Kirchheim-Teck)
- Fertigstellung:
- 2024
- Fläche:
- 3.010 m² Bruttogrundfläche
- Baukosten:
- 9.400.000 € KG 300 - 400
Am Sonntag, 26. Juli 2025, wird der SWR zum Tag der offenen Tür sein neues Studio in Tübingen für interessierte Besucher*innen zugänglich machen.
klein.
Es gibt verheerend viele gebaute Probleme von NoName bis HighEnd Architekturbüros verteilt im ganzen Land. Die Spreizung beim Bau ist doch viel zu hoch und man sollte m.E. diejenigen schimpfen, die regelmäßig daneben greifen und nicht anders herum.
Qualität ist eben nicht gleich Qualität. Qualität geht oft - nicht immer - eben auch mit einer etablierten Marke einher. Und wenn die Marke in der Vergangenheit abgeliefert hat, dann kann man sich da als Auftraggeber vermutlich auch eher drauf verlassen, als auf was komplett Neues. Was nicht heissen soll, dass es andere nicht gut oder besser hinbekommen.
Die Marke "Lederer", wenn man in dieser Denkweise weiterspinnt, steht für mich für eine vergleichsweise hohe Qualität. Die haben bisher nie wirklich enttäuscht, weil es eben gute Kollegen sind, die ein gutes Gesamtkonzept abliefern, die eben die Jury und die Beteiligten im Entscheidungsprozess überzeugen.
P.S. ich arbeite nicht bei LRO und habe es auch nicht in der Vergangenheit getan.
in Zürich wird übrigens grade "ein calatrava" gebaut, mit paar stützchen innen die wie am danebenliegenden bahnhof stadelhofen (ein TOLLER alter calatrava) aussehen. der rest das nackte grauen!
da wollte die stadt eigentlich keinen calatrava sondern einen wettbewerb, allerdings signalisierte calatravam dass er in alle ewigkeit einspruch erhebt da der bahnhof unter denkmal- bzw ensembleschutz steht wenn er es nicht selber planen darf ;-)
so gehts auch
genau das sind die probleme:
A sollte ein öffentlicher bauherr keine "marke" bestellen sondern eine qualität, egal woher oder von welchem star. klar mag der dorfbürgermeister gerne einem professor die hand schütteln fürs "blättl", ist aber nur werbung
B ist es genau dieses projekt ein mieser abklatsch "vom lederer" wenn man einen bestellt hätte. und das von öffentlichen geldern...
Eine starke Architekturhandschrift macht das ein oder andere Wettbewerbsverfahren dann doch nicht mehr so "ARNOnym".
Abgesehen davon gefällt mir das Gebäude. Ich würde das so gerne bestellen wollen.