Reversibel und nah am Wasser
Campus Masters September/Oktober entschieden
Auf den ersten Blick fallen formale Gemeinsamkeiten auf, doch schnell wird die inhaltliche Bandbreite der Preisträger*innenprojekte sichtbar. Zwei Entwürfe verwandeln ehemalige Industrieareale an der Berliner Spree und integrieren Wasser in ihre Konzepte. Die beiden anderen setzen auf leichte, rückbaubare Konstruktionen für grundlegend verschiedene Kontexte: Der eine Entwurf schützt eine Ausgrabungsstätte, der andere soll wohnungslosen Menschen Rückzug bieten.
Den Jurypreis verlieh diesmal das interdisziplinäre Team von ora aus Leipzig und Berlin. Er geht an Josephine Beger (Technische Universität Delft) für ihre Masterarbeit From Swamp to Structure. Das Projekt nimmt die einstigen Sumpfgebiete Berlins Ausgangspunkt, schlägt zwischen Spreeufer und Stadt ein Feuchtbiotop inmitten eines Neubauensembles mit Rohrkolbenplattenfabrik vor. So soll die frühere Landschaft wieder erlebbar werden. Die Jury lobte die Auseinandersetzung mit Raumentwicklung und Ressourcenumgang. Überzeugend seien vor allem die Aufenthaltsqualität des Ortes sowie die gestalterische, konstruktive und bautechnische Ausarbeitung.
Benjamin Hostermann (Fachhochschule Potsdam) sichert sich mit Wohnen mit Wasser den 1. Platz im Online-Voting. Er verwandelt das Gelände der ehemaligen Geschützgießerei in Berlin-Spandau, ebenfalls an der Spree, in ein Wohnquartier und rückt den Umgang mit Regenwasser in den Mittelpunkt. Ein altes Betonsilo dient dabei als Wohnraum und Zisterne für das Quartier.
Den 2. Platz belegen Dominik Straub und Leander Baumann (HafenCity Universität Hamburg) mit ihrer Masterarbeit (über)lebenswert. Sie entwickeln ein modulares Bausystem als Rückzugsort für Menschen, die ihr Zuhause verloren haben. Einfache Fügungsprinzipien und gängige Baustoffe ermöglichen dafür einen werkzeuglosen Aufbau und Rückbau.
Reversible von Aidan Kolland, David Claassen und Jakob Lechner (Technische Universität München) landet auf dem 3. Platz. Sie entwerfen eine reversible Dachkonstruktion für eine archäologische Ausgrabungsstätte auf dem Kölner Heumarkt. Das erweiterbare und materialsparende Stahltragwerk funktioniert wie ein Regal: Über der Ausgrabung entsteht Platz für Nutzungen, die die archäologische Arbeit inhaltlich und forschend begleiten.
Alle Preisträger*innen dieser Wettbewerbsrunde erhalten Publikationen aus den Verlagen Birkhäuser und JOVIS. Sie haben sich für die Teilnahme an der Jahreswertung qualifiziert. Aktuelle Informationen zum Wettbewerb und weitere Termine gibt es auf der BauNetz CAMPUS Website und auf Instagram.
Campus Masters wird unterstützt von GIRA.