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24.01.2017

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Wohnen am Schlachthof

Lütjens Padmanabhan in Zürich


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Wie baut man gegenüber vom Schlachthof? Mit dieser Frage hatten sich Lütjens Padmanabhan Architekten aus Zürich auseinander zu setzen, als sie 2014 mit der Planung für ein Mehrfamilienhaus begannen. Doch damit nicht genug. Ihr fünfgeschossiges Haus an der Herdernstrasse im Zürcher Kreis 4 liegt nicht nur gegenüber der Haupteinfahrt des Schlachthofes. Die städtebauliche Situation ist randstädtisch komplex im besten Sinne. In Sichtweite befindet sich das Letzigrund-Stadion, im Rücken liegen Schrebergärten und die letzten Ausläufer der dichten Stadtstruktur des 19. und frühen 20. Jahrhunderts. Das Haus schließt an eine einfache Wohnhauszeile aus den Dreißigerjahren an, wie sie für Zürich typisch ist.

Die Architekten übertreiben also nicht, wenn sie von einer städtebaulichen „Bruchstelle“ und „gewissen Härte“ sprechen, mit der sie sich konfrontiert sahen. Ihre Reaktion ist unmissverständlich: „Das Gebäudevolumen betont die Isolation und die Unmöglichkeit eines nahtlosen Einfügens in das städtische Gewebe.“ Zur Straße hin bedeutet dies nicht weniger, als dass man auf den ersten flüchtigen Blick meint, ein Bürogebäude aus der Zeit der späten Moderne vor sich zu haben. Grau in Grau und kantig zeigt sich die Fassade, mit eng getakteten Fensterbändern und einer auffälligen Rustizierung aus dünnen, hinterlüfteten Glasfaserbetonplatten.

Ein zweiter Blick zeigt jedoch schnell, dass es den Architekten darum ging, der Härte des Ortes ein starkes, genuin architektonisch gedachtes Statement entgegen zu stellen. Der Fassade gaben sie einen starken Eigenwert, den sie in ihrem Projekttext als „anthropomorphen, maskenartigen Ausdruck“ beschreiben. Sie weisen auch darauf hin, dass die Plattenverkleidung „zugleich Schutz und Schmuck“ sei. Symmetrie, Erker und Behandlung des Erdgeschosses deuten in die selbe Richtung. Ehrlich und schön auch, dass die Straßenseite bei Regen fotografiert wurde... Dass hier ein durchaus traditionelles Verständnis von der Fassade als Schauseite zu Grunde liegt, erkennt man an der Rückseite des Hauses. Hier realisierten die Architekten eine einfach verputzte Hülle, die vor allem durch subtile Details wirkt.

Das Haus ist als Zweispänner organisiert. Der langgestreckte Wohn- und Essbereich aller Wohnungen öffnet sich sowohl zur Straße, als auch zur ruhigen Rückseite. Die Grundrisse sind großzügig dimensioniert. Die Materialisierung im Inneren ist edel und zugleich industriell angehaucht. Schwarzes Parkett, Sichtbetondecken sowie einzelne, exponierte Sichtbetonstützen bestimmen die Atmosphäre der weitläufigen Grundrisse. So extravagant das Haus sich zur Straße hin zeigt, so sehr schließen die Architekten mit ihren Grundrissen – die sie als eine Kombination von plan libre und traditioneller „Raumkammerordnung“ begreifen – an die Realitäten des Zürcher Immobilienmarktes an. (gh)

Fotos: Walter Mair


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Kommentare

6

a_C | 25.01.2017 12:00 Uhr

Selber Schuld...

Wie kann man als Architekt sein Haus so schlecht in Szene setzen lassen?

Da kommt das Gebäude in seiner Gestalt schon als sperrig und provozierend daher, aber nein, es muss natürlich auch noch an einem regengrauen Tag abgelichtet und in diesem Zustand zur Diskussion gestellt werden. So oder so ist es sicher kein Beitrag zur Verbesserung des Ansehens zeitgenössischer Architektur. Und eine kleine Frechheit, mit den Ressourcen des Bauherren so ein mediokres und uninspiriertes Gebäude zustande zu bringen, ist es auch.

5

serdika | 24.01.2017 17:08 Uhr

Mottoparty: Bad taste

wirkt wie eine gelungene Motto-Party mit nem Fassadenkleid in bad-taste Optik, bei der die inneren Werte zählen. Das kann doch wirklich nicht ernst gemeint sein? Auch bei genauerem hinsehen, sucht man einen objektiven Maßstab nach Schönheit.
Konstruktiv ehrlich hin oder her. Ehrlich muss ja nicht immer schön sein. zum Glück ist ja schön, was gefällt....Für mich auf jeden Fall ein fragwürdiges Stück Architektur entgegen den üblichen Sehgewohnheiten..

4

peter | 24.01.2017 16:27 Uhr

gewöhnungsbedürftig

sehr gewöhnungsbedürftige fassade. wenn das jetzt der neue trend ist, ist das ja prima, dann liegen Deutschlands Nachkriegsinnenstädte ja demnächst wieder voll im Trend!

3

auch ein | 24.01.2017 16:13 Uhr

architekt

innen wirklich gut gelungen, die strassenfassade dagegen eine katastrophe.
bottrop, 1986-style

2

Architekturkritiker OL | 24.01.2017 16:08 Uhr

Schwere Kost

Puuuh...schwere Kost. Hinten billig, vorne brutalste 70er Jahre Architektur. Ich musste mehrfach lesen, ob es sich um einen Neubau oder eine Sanierung handelt.
Passt aber wunderbar in Gegenden, die man sich um einen Schlachthof vorstellt... Mit solchen Beispielen wird es extremst schwer, die Leute für neue Architektur zu begeistern.

1

remko | 24.01.2017 15:49 Uhr

...

das Thema Schlachthof floss wohl ungefiltert in den Duktus des Gebäudes. Manche mögen Schweizer Architektur als zu kalt und zu brutal bewerten. Diesen Kritikern kommt dieser Entwurf gerade recht.

 
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