BHT-Neuzugang im Wedding
Institutsbau von Thomas Müller Ivan Reimann in Berlin
Die Berliner Hochschule für Technik (BHT) ist nicht nur proppevoll, sie hat ihre Kapazitätsgrenze bei Weitem überschritten. Für rund 6.000 Studierende sind die bestehenden Flächen ausgelegt, aktuell haben sich aber knapp 12.000 eingeschrieben. Etwas Entlastung bringt nun der Neubau der Wedding Advanced Laboratories (WAL), der Ende 2025 auf dem Campus an der Luxemburger Straße eröffnet wurde. Die Pläne für das grün schillernde Gebäude über knapp 82 Millionen Euro Gesamtkosten stammen von Thomas Müller Ivan Reimann Architekten aus Berlin.
Durch den Neubau kann die BHT einen Teil ihrer externen Anmietungen zurückfahren. So waren viele der jetzt zur Verfügung stehenden Räume lange Zeit ins Forum Seestraße ausgelagert, ein Bau von 1910, der ehemals zu den Osram-Werken gehörte. Im neuen Fünfgeschosser auf dem Hauptcampus finden nun 1.200 Studierende der Bereiche Biotechnologie, Lebensmitteltechnologie, Pharma- und Chemietechnik sowie Green Engineering-Verfahrenstechnik Platz. Auf 16.000 Quadratmetern Bruttogrundfläche entstanden 46 nasschemische Labore und 30 Büro- und Seminarräume.
Damit wird eine lange Wartezeit der BHT zumindest ein Stück weit überbrückt. Seit Jahren laufen die Planungen – die öffentliche Diskussion sogar seit 2008 – für einen Standort im ehemaligen und denkmalgeschützten Flughafen Tegel, als Teil der Urban Tech Republic. Wegen knapper Haushaltskassen verzögerte sich die Umsetzung erneut, aktuell steht als Einzugstermin 2035 im Raum. Bereits 2013 hatte die BHT auf Grundlage eines Masterplans für die Entwicklung ihrer Flächen das Raumprogramm für den Institutsneubau bei der Senatsverwaltung für Wissenschaft eingereicht. 2016 wurde die Finanzierung beschlossen, 2017 gewannen Müller Reimann den nichtoffenen Wettbewerb der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung. Die Grundsteinlegung erfolgte 2021.
Das Berliner Büro, das diverse Forschungs- und Bürobauten in seinem Portfolio listet, übernahm die Leistungsphasen 1–9. Ihr aufgrund des Straßenverlaufs leicht abgeschrägter Solitär steht – umringt von Bäumen – direkt vor dem brutalistischen Haus Grashof, das Dieter Hundertmark und Horst Grünberg 1973 errichteten und neben dem Haus Bauwesen der Architekten von Beulwitz und Bonn (1976). Dazwischen legten Weidinger Landschaftsarchitekten (Berlin) eine Esplanade an, Richtung des benachbarten Atze Musiktheaters (ursprünglich von Herbert Rimpl als Audimax der Beuth-Hochschule erbaut) bleibt Platz für einen kleinen Freiraum.
Die Fassade des WAL aus grün glasierten Keramikelementen gliederten Müller Reimann mit horizontalen Fensterbändern. Unterbrochen werden sie von leicht zurückgesetzten, gefalteten Metallpaneelen, die die Stahlbetonstützen verkleiden. Laut BHT-Vizepräsident Hans Gerber hätten die Architekt*innen verstanden, „was die Crazy Scientists wollen“, wie er zur Eröffnung sagte.
Gemeint hat er damit vielleicht die kontraststarke Farbgebung der skulpturalen Treppe, die sich schon vom Vorplatz aus im doppelgeschossigen Foyer an der östlichen Stirnseite ankündigt. Rot leuchtend windet sie sich im Kopfteil des Baus nach oben. Hier sind Seminarräume und Aufenthaltsbereiche angeordnet, die den informellen Austausch fördern sollen. Die übrige Aufteilung ist strikt strukturiert. Labore, teils für mikrobiologische Arbeiten unter besonderen hygienischen Anforderungen ausgelegt, und Büros liegen seitlich der Fassaden. In der Mitte streckt sich ein Funktionsbereich zwischen zwei langen Fluren.
Zudem ist der Bau mit hochselektiven Verglasungen, außenliegendem Sonnenschutz und einer Lüftungsanlage mit achtfachem Luftwechsel und adiabater Kühlung ausgestattet. Das Gebäude wurde mit dem BNB-Standard Silber zertifiziert. (mh)
- Fertigstellung:
- 2025
- Architektur:
- Thomas Müller Ivan Reimann Architekten
- Projektleitung:
- Alexander Buchhofer
- Landschaftsarchitektur:
- Weidinger Landschaftarchitekten
- Statik:
- GSE Ingenieur-Gesellschaft
- Projektsteuerung:
- W2 ProjektManagement
- TGA und Laborplanung:
- ZWP Ingenieur-AG
- Nutzerin:
- Berliner Hochschule für Technik
- Bauherrschaft:
- Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen Berlin
- Fläche:
- 16.000 m² Bruttogrundfläche
- Baukosten:
- 81.800.000 € Gesamtkosten
Mehr zu keramischen Bekleidungen bei BauNetz Wissen
Mehr über die Zukunft von Haus Bauwesen der BHT bei BauNetz CAMPUS



