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22.06.2022

Buchtipp: Vom Plattenbau zur Großsiedlung

Industrieller Wohnungsbau in der DDR 1953–1990


Seit über drei Jahrzehnten übt der Plattenbau der DDR eine gewisse Anziehungskraft auf Architekt*innen, Soziolog*innen und Historiker*innen aus. Entsprechend abgegrast ist das Thema. In zahlreichen Beiträgen zur sogenannten Platte, die der DDR-Volksmund auch Arbeiterschließfach nannte, wurden das politische Programm, das sozialistische Gesellschaftsmodell und auch die damit verbundenen soziokulturellen Aspekte unter die Lupe genommen.

Die Überlegung, bei dem Doppelband Vom seriellen Plattenbau zur komplexen Großsiedlung. Industrieller Wohnungsbau in der DDR 1953 –1990 handele es sich um einen weiteren Beitrag dieser Art, liegt nahe. Doch damit tut man der von Philipp Meuser herausgegebenen Veröffentlichung unrecht. Denn der Doppelband möchte vor allem eines: Eine detaillierte „bautypologische und baukonstruktive Systematisierung aus architektonischer und baukonstruktiver Sicht“ liefern, die es in dieser Form bisher noch nicht gibt.

Der Plattenbau an sich sei nämlich weder politisch noch ideologisch konnotiert, sagt Meuser im Vorwort. Und die radikale Standardisierung war schließlich – wenn man es ganz nüchtern betrachtet – höchst effektiv. Denn die Verstaatlichung von Grund und Boden sowie das Credo, „jedem eine eigene Wohnung“ zu garantieren, waren starke Triebfedern für die Entwicklung von ausgeklügelten – und bei genauerem Hinsehen auch variantenreichen – Systeme des seriellen Bauens. 

Es geht also ums Eingemachte: Mit umfangreichem Bildmaterial und Ausführungen zu Konstruktionsweisen sowie zum Bauprozess wird eine Übersicht über die vier Generationen des industriellen Wohnungsbaus gegeben. Diese beginnt im Jahr 1953 mit dem ersten Versuchsbau in Plattenbauweise in Berlin-Johannisthal. Chronologisch werden in den Kapiteln WBS 70, WHH GT 18 und P2 bearbeitet.


So ganz ohne historischen Kontext und kulturelle Aspekte geht es dann aber doch nicht. Deshalb findet sich in Band 1 eine baukulturelle Einführung, in der Herkunft und Entstehung des typisierten Bauens geklärt werden und die baupolitische und gesellschaftliche Situation beleuchtet wird. Das verleiht der Publikation durchaus einen angenehmen Rahmen und nimmt die Leser*innen an die Hand, sich nicht nur die schönen Bilder anzusehen. Interessant ist auch die Betrachtung der internationalen „Sozialistischen Völkerfreundschaften“ – und der damit verbundene Export der Konstruktionsweise in die ehemalige Sowjetunion, Ostasien und Ostafrika. Es folgt ein kurzer Exkurs in das Thema „baubezogene Kunst“ mit einem Beitrag von Thomas Topfstedt, der die künstlerische Gestaltung der Platte betrachtet.

Im Hinblick auf bereits bestehende Veröffentlichungen zum Thema Plattenbau ist der zweite Band, der den Untertitel „Neue Städte, Großsiedlungen und Ersatzneubauten“ trägt, schon etwas weniger außergewöhnlich. Es handelt sich um eine Sammlung von Texten, in denen sich die Autor*innen dem Wohnungsbau der DDR im städtebaulichen Maßstab widmen. Manche davon sind neu, andere waren bereits verfasst worden. Unterteilt ist das Ganze in drei Bereiche: Bau neuer Städte in der DDR, komplexe Wohnsiedlungen am Stadtrand und Erneuerung der Innenstädte. Dabei dürfte letzterer Abschnitt zu den Altstadterneuerungen und Rekonstruktionen in den Innenstädten von Berlin, Leipzig, Bernau, Dessau, Halle und Rostock zu den am wenigsten in der Vergangenheit behandelten Themenbereichen gehören.

Text: Dorit Schneider-Maas

Vom seriellen Plattenbau zur komplexen Großsiedlung. Industrieller Wohnungsbau in der DDR 1953 –1990
Philipp Meuser (Hg.)
2 Bände mit je 368 Seiten
DOM publishers, Berlin 2022
ISBN 978-3-86922-859-4
78 Euro


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