Hölzernes Herz
Gesundheitszentrum in Kopenhagen von Dorte Mandrup
Dass Zivilisationskrankheiten zunehmen, ist hinlänglich bekannt – neu ist vor allem die Präzision der Prognosen. In Kopenhagen rechnet man bis 2045 mit rund 33.000 Menschen mit Diabetes Typ 2, aktuell sind es etwa 20.000. Ein neues Gesundheitszentrum im hippen Stadtteil Nørrebro soll darauf reagieren, ebenso auf begleitende Erkrankungen wie Herzleiden. Entworfen wurde es vom lokalen Büro Dorte Mandrup im Auftrag der Stadt.
Der Neubau schiebt sich als gebogener Baukörper mit Satteldach an die Straße und fasst gemeinsam mit einem Bestandsgebäude einen begrünten Hof. Straßenseitig zeigt er sich zurückhaltend, fast abweisend – eine dunkle Metallfassade, weitgehend geschlossen. Zum Hof öffnet sich das Volumen dagegen mit durchgehender Verglasung und direktem Bezug ins Grüne. Das fügt sich schlüssig in den Kontext. Das Quartier De Gamles By, einst als abgeschlossene Versorgungslandschaft für ältere Menschen konzipiert, wird seit einigen Jahren schrittweise geöffnet und neu programmiert. Dazu gehören Pflege, Forschung und öffentlicher Raum.
Im Inneren greift der Bau auf Elemente zeitgenössischer Gesundheitsarchitektur zurück: viel Tageslicht, viel Holz, viel Raum für Begegnung. Zentrum ist ein großes Atrium, das die Architekt*innen nicht ohne Pathos „Heart Room“ nennen. Hier spannen sich 15 Meter hohe Leimholzrahmen in rhythmischer Folge über eine breite Sitztreppe und tragen das steile Dach. Umlaufende Galerien erschließen die Obergeschosse, mehrere Stege oder Brücken führen durch den Luftraum. Von hier aus werden Trainingsflächen, Behandlungs- und Unterrichtsräume sowie eine Küche für Kochkurse angebunden. Das Raumprogramm folgt damit konsequent der Idee, Therapie, Prävention und Alltag enger zu verzahnen.
Rund 18,8 Millionen Euro hat die Stadt investiert. Kein geringer Einsatz für ein Haus dieser Größe – rund 3.300 Quadratmetern Bruttogrundfläche umfasst der Neubau. Das Projekt lässt sich damit allerdings als deutliches Signal verstehen, die oft rein funktionale und so auch sterile Klinikarchitektur zu überwinden. Dass der Weg dorthin über Holz, Licht und ein offenes Raumkonzept führt, scheint schlüssig. (gk)
- Fertigstellung:
- 2025
- Architektur:
- Dorte Mandrup
- Landschaftsarchitektur:
- Bisgaard Landscape
- Bauherrschaft:
- Stadt Kopenhagen
- Fläche:
- 3.300 m² Bruttogrundfläche
- Baukosten:
- 18.810.000 €
Weitere – teils noch geplante – Projekte von Dorte Mandrup greifen den gebogenen Grundriss ebenfalls auf, etwa ein Besucherzentrum in Grönland oder ein Erweiterungsbau für die Saalecker Werkstätten.








