Passgenau mit dem Tidenstieg
Fuß- und Radwegbrücke in Hamburg von gmp
Bei der Fuß- und Radwegbrücke Entenwerder in Hamburg handelt es sich wohl kaum um einen spektakulären infrastrukturellen Neuzugang. Dafür wird mit dem Bauwerk eine seit Jahrzehnten bestehende Lücke im nichtmotorisierten Wegenetz geschlossen. Verantwortlich für Entwurf und Umsetzung waren gmp · Architekten von Gerkan, Marg und Partner (Hamburg), die Tragwerksplanung oblag schlaich bergermann partner (Stuttgart). Bauherr war die Billebogen Entwicklungsgesellschaft, die als Tochter der HafenCity Hamburg Gesellschaft ebenfalls in kommunalem Besitz ist.
Der Entenwerder ist eine kleine Halbinsel, die östlich der Hafencity und des Elbbrücken-Quartiers mit dem angefangenen Elbtower liegt. Die Insel diente einst als Zollhafen für Binnenschiffe, wurde aber bereits Ende der 1990er Jahre in einen Park umgewandelt. Über die neue Brücke ist dieser Park nun weitaus besser an die Hamburger Innenstadt angeschlossen. Darüber hinaus ermöglicht sie erstmals seit dem Zweiten Weltkriegs wieder eine fußläufige Verbindung zwischen dem Stadtteil Rothenburgsort-Süd und der U-Bahn in Form der Station Elbbrücken.
Auch diese Haltestelle stammt von gmp, ebenso wie eine weitere Brücke im benachbarten Baakenhafen. Darüber hinaus ist das jüngst fertiggestellte Projekt Teil der Planungen zum Ausbau des Radwegenetzes: Im Verlauf des überregionalen Elberadwegs ermöglicht die Brücke eine durchgängige Fahrradstrecke von der Hamburger Innenstadt bis in die südöstlichen Bezirke.
Die Konstruktion quert den Oberhafenkanal in schlankem Schwung. Ihre Gesamtlänge beträgt 135 und die stützenfreie Weite 75 Meter. Damit ist die uneingeschränkte Schiffbarkeit zwischen der Elbe und dem Oberhafenkanal gewährleistet. Der Stahlhohlkastenträger ruht auf zwei Y-Pfeilern. Die vormontierten, bis zu 130 Tonnen schweren Segmente der Brücke wurden unter Ausnutzung der Tide passgenau installiert. Bei den Stützenscheiben handelt es sich um Fertigteile aus UHPC-Beton.
So gewieft, wie der Unterbau der Brücke aus ingenieurstechnischer Sicht ist, so zurückhaltend zeigt sich ihr Aufbau. Im Wesentlichen besteht dieser aus einer optisch durchlässigen Drahtbrüstung – in unmittelbarer Nachbarschaft zu den denkmalgeschützten Elbbrücken eine durchaus gelungene Entscheidung. (sb)
- Fertigstellung:
- 2026
- Entwurf:
- Volkwin Marg mit Stephanie Joebsch
- Projektleitung:
- Andreas Weihnacht
- Mitarbeit Wettbewerb:
- Elena Cubillo Serna, Jan Jungclaus, Jessica Last, Christoph Pyka
- Mitarbeit Ausführung:
- Torsten Hinz, Christian Kleiner, Karsten Schillings, Andreas Schulz, Jan Stolte, Som Phone Sysavanh, Urs Wedekind
- Tragwerksplanung:
- schlaich bergermann partner
- Bauherrschaft:
- Billebogen Entwicklungsgesellschaft









