Hüllen mit Haltung
Deutscher Fassadenpreis 2026 verliehen
Am 15. Oktober wurde im Deutschen Architektur Zentrum (DAZ) in Berlin zum 16. Mal der Deutsche Fassadenpreis für VHF verliehen. In vier Kategorien prämierte der Fachverband Baustoffe und Bauteile für vorgehängte hinterlüftete Fassaden (FVHF) fünf Projekte: von der Sanierung historischer Theaterwerkstätten über ein Biotechnologiezentrum und ein Stadtteilzentrum mit Schulmensa bis zu einem Wohnheim und einem Wohn- und Büroensemble im gründerzeitlichen Blockrand. Erstmals ausgelobt war der Sonderpreis für VHF mit Holzbekleidung – er ging an gleich zwei Projekte.
Über 100, zwischen Januar 2024 und Mai 2026 in Deutschland fertiggestellte Gebäude mit vorgehängten hinterlüfteten Fassaden nach DIN 18516-1 waren eingereicht worden. Die siebenköpfige Jury unter Vorsitz von Reiner Nagel (Bundesstiftung Baukultur) hatte daraus zwölf Projekte für die Shortlist nominiert. Nach mehreren Bewertungsrunden fiel die Entscheidung für die fünf Preisträger einstimmig:
- „Bauen im Bestand“: Theaterwerkstätten Eisenach, Büro Voigt (Leipzig) Nach einer Brandstiftung im Dach wurden die Werkstätten des Landestheaters saniert – ohne die Bausubstanz der 1950er Jahre grundlegend zu verändern. Die bestehende Putzfassade wurde additiv gedämmt und mit Holzschalung bekleidet, vorhandene Fenster weitergenutzt. Horizontale Brandschotts werden als Gesimse zum Gestaltungselement.
- „Das besondere Detail“: Biotechnologiezentrum Tübingen, Riehle Koeth (Stuttgart)
Filigrane Aluminium-Lisenen und gewelltes Lochblech fassen Büros, Foyer und Gebäudetechnik zu einem ruhigen Fassadenbild zusammen. Die perforierte Hülle übernimmt Sonnen- und Sichtschutz und integriert die Ansaugöffnungen der dezentralen Lüftung. Die Konstruktion ist sortenrein trennbar.
- „VHF-Funktionsfassade“: Schulmensa und Stadtteilzentrum Pasewalk – augustinundfrank/winkler (Berlin)
Zwischen Plattenbauten und Schulcampus entstand ein Stadtteilzentrum mit Mensa, Jugendclub und Sozialeinrichtungen. Helles Trapezblech bekleidet Wände und geneigte Dächer zu einer prägnanten Figur. Geschlossene und perforierte Bereiche ermöglichen solare Gewinne und natürliche Nachtauskühlung – die Anlagentechnik wurde auf ein Minimum reduziert.
- Sonderpreis „VHF-Holzbekleidung“: Haus im Park, Berlin – Modersohn & Freiesleben (Berlin)
Ein Wohnhaus für Menschen mit Assistenzbedarf in Berlin-Pankow: Über grün verputztem Sockel tragen rot lasierte Lärchenholzbretter die Wohngeschosse, davor legen sich geneigte „Brandschürzen“ aus Faserzement – aus einer notwendigen Brandsperre wurde das charakteristische Element.
- Sonderpreis „VHF-Holzbekleidung“: Wohn- und Bürogebäude Vinzent, München – allmannwappner (München)
Ein Wohn- und Büroensemble ergänzt einen gründerzeitlichen Blockrand in Holz-Hybridbauweise. Vorgefertigte Holzfassaden machen die unterschiedlichen Nutzungen sichtbar: grün-gelbe Bürofassade mit Massivholzrahmen, blau-graue Wohnfassade mit ornamentierten Oberflächen, französischen Fenstern und roten Markisen.
Zur Shortlist: fvhf.de



