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11.04.2024

20 Jahre KAP Forum

Fünf Fragen an Andreas Grosz


Manche kennen es als Diskussionsplattform für Stadtentwicklung in Köln, manche verfolgen die Arbeit ausschließlich im Netz. In diesem Jahr wird das KAP Forum 20 Jahre alt. BauNetz traf den Mitinitiator Andreas Grosz.

Herr Grosz, Sie sind der Mann hinter dem KAP Forum, das Sie vor 20 Jahren mitinitiiert haben. Wofür steht der Begriff?

Das KAP versteht sich als offenes Forum. Es will Architektur und Stadtentwicklung so präsentiert, dass der Diskussion auch Fachfremde folgen können. Ich selbst bin kein Architekt, sondern Kulturmanager – konzeptioneller Stratege wenn man so will. In den 1990er Jahren habe ich als Geschäftsführer an der Konzeption der Weltausstellung EXPO 2000 mitgearbeitet. Und auch an der Idee zum KAP Forums war ich beteiligt. Aus dem Wunsch, diese in die Realität zu überführen, sind dann 20 Jahre geworden.

Welche Umstände führten damals zur Gründung?

Als ich nach Köln kam, entwickelte man gerade den ehemaligen Rheinauhafen zum Wohn- und Gewerbestandort. Das Projekt war in Köln sehr umstritten. Auch, weil viele alte Hallen, die von Kreativen genutzt wurden, abgerissen oder neuen Nutzungen zugeführt werden sollten. Angesichts der scheinbar verfahrenen Situation wurde ich seinerzeit von der Stadt gefragt, wie man dem kursierenden Unmut begegnen könnte. So entstand die Idee eines Forums für Architektur und Stadtentwicklung, die den Austausch über den Wandel des Rheinauhafens fördert. Federführend beteiligt waren Michael Zimmermann von KSP Engel und Zimmermann Architekten sowie der Architekt Achim Nagel von Primus Developments. Beide entwickelten damals den ersten Neubau des Rheinauhafens, das KAP am Südkai. Das schien der passende Ort, denn das Erdgeschoss des Hauses bot ausreichend Raum für Veranstaltungen. Wir wollten die Sache selbst finanzieren, also ohne Mittel der Stadt. Wir sprachen vor allem die Bauzulieferindustrie an, die ohnehin am Rheinauhafen tätig war – zu der Zeit eine der größten Baustellen Europas. Über die 20 Jahre waren unsere Sponsoren echte Partner und prägend für unser Programm. Andreas Dornbracht, Thomas Trenkamp (carpet concept), Dirk Giersiepen (Gira) zum Beispiel. Schließlich wollten wir alle, die am Planen und Bauen beteiligt sind, integrieren.

An welche Formate erinnern Sie sich besonders gern?

Mit den Baudezernenten der Stadt Köln, Bernd Streitberger und Franz-Josef Höing, entwickelten wir die Reihe „Zur Zukunft der Europäischen Stadt“, die sich heute in den „Kölner Perspektiven“ fortsetzt. Über 30 europäische Städte waren in Köln zu Gast und stellten im KAP Forum ihre Visionen für die Stadt von morgen vor. Neben Architektur- und Designausstellungen waren in wechselnden Themenreihen arrivierte wie junge Architekt*innen aus der ganzen Welt zu Gast. Ich möchte betonen, dass der Erfolg des KAP Forum auf mehreren Schultern beruht. Als glückliche Fügung erwies sich, dass mein Sohn Tobias Groß 2004 aus dem Silicon Valley zurück nach Köln kam. Er prägt mit seinem „Studio für Gestaltung“ bis heute das Corporate Design des KAP Forum. Die Einladungskarten und Plakate hängen heute in vielen Architekturbüros. Das Magazin, die Website und unser Newsletter – all das formte KAP Forum zur Marke.

2012 verließen Sie das Kölner KAP am Südkai. Die Veranstaltungen liefen trotzdem weiter.

Ja, nachdem das Haus an einen Immobilieninvestor verkauft wurde, konnten wir das neu aufgerufene Mietniveau nicht tragen. Wir haben das Programm dann für einige Zeit in den Räumen der Rotonda fortgesetzt. Die neue Situation, nicht mehr als Mieter an feste Örtlichkeiten gebunden zu sein, gab uns neue Freiheiten. In Köln kooperierten wir zum Beispiel mit dem MAKK Museum für Angewandte Kunst, wo Platz für 400 Besucher*innen ist. Ich erinnere mich an großartige Abende vor vollem Haus mit Volkwin Marg, Werner Sobek, Regine Leibinger, Christoph Ingenhoven, Max Dudler, Nathalie de Vries, Michele de Lucchi, Anne Lacaton und vielen mehr. Großes Kino! In der Folge bekamen wir Einladungen für Veranstaltungen aus München, Hamburg und Berlin. Dann kam Corona…

Inzwischen haben Sie die Debatten auf Ihre Website verlagert. Wofür steht das KAP Forum heute?

Nachdem unser Liveprogramm zwei Jahre lang nicht möglich war, haben wir uns von unseren Sponsoren verabschiedet. Ich habe das auch persönlich als Zäsur aufgefasst und gesagt: Angesichts der neuen Lage bearbeiten wir die Themen jetzt im Netz. Zu Architektur und Bildung, Digitalisierung und KI in der Baubranche habe ich über 20 Diskussionsbeiträge aufbereitet. Man kann jetzt einschalten, wann man will. Derzeit arbeiten wir an einer Newsletterfolge „Zur Zukunft der Innenstädte“. Für Herbst steht das „Zirkuläre Bauen“ auf dem Plan. Mal sehen, wie sich das entwickelt. Ich finde, bei den Herausforderungen, vor denen wir heute gesamtgesellschaftlich stehen, ist es notwendig, sich zu engagieren. In den 20 Jahren hat sich die Kommunikation enorm verändert. Architektur und Stadtentwicklung sind keine Lückenfüllerthemen mehr, sie prägen ganz wesentlich die öffentliche Debatte.

Die Fragen stellte Friederike Meyer.


Zum Thema:

kap-forum.de


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Vor 20 Jahren begann das KAP Forum in Köln.

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Andreas Grosz 2006 am Südkai in Köln

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Franz Josef Höing beim KAP Forum im Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg

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Einladungskarte Neues Bauen

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