Grasgrünes Ensemble
Erweiterung der Europäischen Schule München von léonwohlhage
An der Europäischen Schule München (ESM) werden Kinder vom Kindergarten bis zum Abitur betreut beziehungsweise unterrichtet. Die ESM ist Teil der 1957 gegründeten Europäischen Schulen und richtet sich primär an Kinder von Mitarbeiter*innen des Europäischen Patentamtes in München, gegen ein Schulgeld werden jedoch auch andere Bewerber*innen aufgenommen. Die Schülerzahlen steigen stetig, kein Wunder also, dass der Standort der Schule in Neuperlach allmählich zu klein wurde.
Für die Erweiterung der ESM im Münchner Stadtteil Fasangarten lobte die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA) 2012 einen Realisierungswettbewerb aus. Den ersten Platz belegte das Berliner Büro léonwohlhage zusammen mit den Landschaftsarchitekt*innen von Atelier Loidl (Berlin). Zu Beginn des Schuljahres 2019/2020 wurde das Ensemble aus Vor- und Grundschule, Kindertagesstätte sowie einer Sporthalle eröffnet.
Der neue Standort ist vor dem Hintergrund der Philosophie der Europäischen Schule interessant: Anfang der 1950er Jahre bauten amerikanische Besatzungsoldaten in der Nähe eine Großwohnsiedlung – heute die „Amerikanersiedlung“ genannt – für sich und ihre Familien. Bis heute gilt der Ort als Symbol für die deutsch-amerikanische Geschichte. Daran erinnert auch der neu gestaltete Auguste-Kent-Platz, dessen Namensgeberin die Begründerin der Tri-State German American School war. Der internationale, wenn auch andersstämmige Hintergrund passt zur ESM, denn als Bildungseinrichtung aller Mitgliedsstaaten der Europäischen Union steht ein mehrsprachiger sowie multikultureller Unterricht im Fokus. Von der Schule, der Sporthalle und einem ebenfalls kürzlich realisierten Nahversorgungszentrum umschlossen, dient der Auguste-Kent-Platz nun als Entrée des Quartiers.
Das dreigeschossige und mehrfach geknickte Schulgebäude erstreckt sich entlang der Bahngleise und fungiert so mit seiner geschlossenen Rückwand als Lärmschutzwall zum lauten Schienenverkehr. Der Baukörper besteht aus fünf Einzelhäusern, die sich auf einem gemeinsamen Sockel reihen. Durch die lockere Setzung gelangt viel Tageslicht von allen Himmelsrichtungen in die sich in den Obergeschossen befindenden Klassenzimmer.
Im Erdgeschoss verbindet die Pausenhalle in ihrer Funktion als Treff- und Verteilerzone alle fünf Häuser miteinander und bietet Zugänge zu den schulöffentlichen Bereichen wie Bibliothek, Musik- und Werkräume sowie der Mensa. Die Verwaltungsräume der Schule sind jeweils um kleine Atrien angeordnet, die als Außenklassenräume oder Pausenbereich genutzt werden. Das Thema Licht wird auch bei den Gruppenräumen der Kita aufgegriffen, die sich über große Oberlichter zum Himmel öffnen.
Die Fassade der Schulerweiterung besteht aus grün eingefärbtem Beton. Variierende Rahmenbreiten, Oberflächen und Farbnuancen sorgen laut Architekten für eine plastische Erscheinung, die einzelnen Baukörper werden jedoch durch die gemeinsame Farbgebung als Ensemble gestärkt. Eine individuelle Optik erhält die ESM durch farbige Linienzeichnungen in den Treppenhäusern. Neben dem Gestaltungsaspekt erleichtert das Kunst am Bau-Projekt „Onomatopoesie“ von Cisca Bogman und Oliver Störmer auch die Orientierung innerhalb des langgestreckten Gebäudes. Bei genauer Betrachtung wird eine weitere künstlerische Intervention erkennbar: Mit „curtain cortina cohort“ betont Veronika Hinsberg die Funktion der Schultore als sensible „Membran zwischen innen und außen“ und lässt diese nunmehr wie Vorhänge die Grenzen umschwingen. (tp)
Fotos: Philipp Obkircher
aber auch das - naja. 258.000 euro für farblich eher unpassende, verbeulte standard-schulhoftore - muss man nicht verstehen, ist halt kunst, und die am-bau-künstler müssen ja auch leben. trotz meines erachtens guter grundidee fällt das kunstwerk aber in der konkreten ausformulierung ab.
die schule ist ganz gut gelungen, ja, etwas über der üblichen standardqualität. aber aus einer nicht ganz unkritischen architektenperspektive eben überhaupt nicht _sehr_ gelungen. der bau hat eine ganze reihe architektonisch-gestalterisch schwieriger, unpassender und unausgegorener, teilweise peinlicher punkte. hier fehlt genau das, was bauen zur kunst macht - die ausbildung feiner details, klarer statements, die abstimmung der einzelheiten aufeinander und deren orchestrierte komposition zu einem großen ganzen.
wer das nicht sieht, der möge trainieren, etwas sensibler hinzusehen. trainingsvorschlag: mal in die schweiz fahren und gute schulen anschauen. wem das zu weit ist - hierzulande gibt es auch ein paar.
Bild 1 der Asphalt leicht wannenförmig gegliedert so als wenn Wurzeln unregelmäßig von unten drücken. Würde dem ganzen einen komplett anderen Kontext geben, die Situation vollständig verändern, nähe geben..
Die Fassadenteiligkeit wäre auf einmal raumbildend
ebenso die mit dem "geld ausgegangen fassade" von kommentar 2.
ich sehe diese schule als sehr gelungen. im grundriss und in den fassden allemal.
ich finde schade, dass die beschriebenen "curtain cortina cohorts" nicht gezeigt werden.
das gleiche kann man zum dachranddetail sagen - warum gibt es oberhalb der betonfassade noch dieses anti-gesims aus blech?
und dann die fassade zu den bahngleisen hin - da ist offenbar das geld ausgegangen, und die betonfertigteile wurden dem wdvs geopfert.
den schicken flur aus dem innenrendering zeigen die fotos auch nicht - wurde auch dort soviel gespart, dass man es nicht vorzeigen möchte?
schade - die wettbewerbspläne sahen seinerzeit so inspiriert und (vielleicht zu?) ambitioniert aus. das ergebnis finde ich dagegen ernüchternd.
im reichen münchen hätte man mehr erwartet.