Die Akustik steht
Elbphilharmonie eröffnet im Januar 2017
Noch Ole von Beust hatte das Projekt 2003 auf den Weg gebracht, sein zweiter Nachfolger, Hamburgs erster Bürgermeister Olaf Scholz, darf den Bau zum Beginn des nächsten Jahres endlich eröffnen. Die Akustik der Elbphilharmonie steht und damit auch der Termin für das Eröffnungskonzert am 11. Januar 2017. Für die Basler Architekten Herzog & de Meuron, aber auch für den Baukonzern Hochtief endet damit eine Odyssee, die sich vor zehn Jahren wohl niemand hätte vorstellen können.
Nach dem Baubeschluss von 2005 wurde 2007 der Grundstein gelegt, Richtfest der 110 Meter hohen Konzerthalle auf dem Kaispeicher A war 2010, dann passierte lange nicht viel. Nun wurde vergangene Woche die „Weiße Haut“ präsentiert: Die Innenverkleidung des großen Konzertsaals wurde, wie in der Neuordnung des Projektes vereinbart, vertragsgemäß fertig gestellt. Im Zuge des Bauablaufs werden nun noch letzte Arbeiten an der innovativen, rund 6.000 Quadratmeter großen Wand- und Deckenverkleidung aus den 10.000 reliefartig gefrästen Gipsfaserplatten vorgenommen, bestätigt die Pressestelle der Elbphilharmonie. Dies betreffe insbesondere den Einbau der Orgel, der aktuell in vollem Gange ist.
Die „Weiße Haut“ zählt zu den Innovationen und komplexen Entwicklungen der Elbphilharmonie Hamburg. Für eine optimale Akustik im 25 Meter hohen Konzertsaal mit Weinberg-Prinzip, das eine besondere Nähe zwischen Dirigent und den 2.100 Zuschauern herstellt, sei neben der Geometrie des Raumes und den Materialien auch die Oberflächenstruktur entscheidend. Diese spezifische Oberflächenstruktur der Wände und Decken haben Herzog & de Meuron durch ausführliche Materialrecherchen und in zahlreichen Formstudien und Mustern in enger Abstimmung mit dem japanischen Akustiker Yasuhisa Toyota von Nagata Acoustics entwickelt, Hochtief hat sie realisiert. „Entscheidend für die Qualität der Akustik ist die Verbreitung des Schalls im Konzertsaal. Dafür müssen die Geometrie des Raumes, die verwendeten Materialien und die Oberflächenstruktur optimal aufeinander abgestimmt werden“, sagt Jacques Herzog. „Es sind diese besondere Struktur und der fließende Übergang zwischen Wänden und Decke, die dem Konzertsaal etwas Naturhaftes verleihen.“
Und wenn dann ab nächstem Jahr nach der Eröffnung die Konzerte in der Elbphilharmonie alle Beteiligten über die Komplikationen des letzten Jahrzehnts mit seinen Bauskandalen, Zeitverzögerungen und Kostenexplosionen hinwegtrösten und die Architektur von Herzog & de Meuron endlich wirken kann, können Forschungsarbeiten über eine große Frage geschrieben werden: Nämlich, wie aus einem 77-Millionen-Euro-Projekt eigentlich ein 789-Millionen-Neubau (!) werden kann – und welcher der drei Hamburger Bürgermeister davon schon vorher wusste. (jk)
www.elbphilharmonie.de
Augen zu, Ohren auf:
Die uncube-Ausgabe No. 21 widmet sich dem Thema „Acoustics“
Ich bin mir auch sicher, dass in ein paar Jahren kein Hahn mehr danach krähen wird, ob und wieviel Geld zuviel ausgegeben wurde. Die Stadt und ihre Bürger werden es allerdings noch viel länger zu spüren bekommen, wenn wegen des Projekts an vielen anderen Stellen gespart werden muss oder nicht angemessen investiert werden kann. Das fällt natürlich nicht direkt auf die Elbphilharmonie zurück, aber das unangenehme Gefühl, das eine Stadt mit einer Pro-Kopf-Verschuldung von über 22.000 Euro (München: 540 Euro) bei jeder finanziellen Entscheidung haben wird, begründet sich nicht zuletzt in solchen Skandalprojekten... PS: Das ist keine "Kupferdachkante", sondern war die temporäre Absturzsicherung, die mittlerweile auch wieder verschwunden ist (s. www.hamburg.de/webcam/elbphilharmonie/).
Der zitierte Ausspruch von Ingenhoven trifft es bestimmt ganz gut. Dass ausgerechnet er diesen aber tätigte, entbehrt nicht einer gewissen Komik, denn man sollte ja auch nicht glauben, dass man ~ 3000 Mio.Euro an einem einzigen Bahnhof verbauen kann. Er will dieses ehrgeizige Ziel aber in Stuttgart trotzdem erreichen.