Intime Landmarke
Christ & Gantenbein planen Kulturzentrum in Seoul
Seoul – dieser faszinierende, atemlose Großstadtmoloch – bietet trotz seiner allgegenwärtigen Reizüberflutung durchaus intime Orte im öffentlichen Raum. Einen solchen haben auch Christ & Gantenbein im Sinn. Das Büro mit Sitzen in Basel und Barcelona plant zusammen mit dem lokalen Büro Jehy Architects für den Stadtteil Dongjak-gu ein Kulturzentrum, das eine sichtbare Landmarke und gleichsam in sich gekehrt sein soll.
Als Auftraggeber für den Dongjak Art Space, so der provisorische Name, fungiert die – aufgepasst! – Heukseok Urban Renewal Acceleration Zone 11 Housing Redevelopment & Urban Renewal Association. Hinter dem Wortungetüm steckt ein Stadtentwicklungsprojekt in Dongjak-gu. Das Viertel Heukseok-dong liegt südlich des Han-Flusses und der Insel Nodeul – einer dieser besagten, idyllischen Orte. Die Gegend ist vorrangig durch Wohnbauten geprägt und soll künftig zu einem „globalen kulturellen Hotspot“ weiterentwickelt werden.
Ihr Entwurf bestehe aus zwei komplementären Teilen, schreiben Christ & Gantenbein: Eine unterirdische, in einen Hang eingebettete Halle (die Visualisierungen geben sie leider nur von innen preis) und ein oben liegender Garten. In diesem steht der 30 Meter hohe Pavillon, der sich an offenen Innenhöfen der Hanoks orientiere. Zugleich „monumental und intim“ soll er wirken – und sich damit selbstbewusst in die Mörserschale Seoul einfügen, als die Architekturhistoriker Sung Hong Kim die Stadt beschreibt.
Grundrisse wurden bislang nicht veröffentlicht. Der Beschreibung der Architekt*innen zufolge treten Besuchende über ein großes Tor in die eingegrabene Halle ein. Hier können Ausstellungen, Aufführungen, Filmvorstellungen und Veranstaltungen stattfinden. Auf dieser Ebene sind zudem Parkplätze, Lager und Back-of-House-Funktionen vorgesehen. In einem darüberliegenden Zwischengeschoss sollen Büroräume mit Oberlicht einziehen. Zum Garten würden zwei Treppen im hinteren Bereich der Halle führen.
Der kegelartige, hölzerne Pavillon ist zum Himmel hin offen. Darin sehen Christ & Gantenbein eine räumliche Vieldeutigkeit, die Gespräche, Konzerte, Essen, Aufführungen sowie Momente der Stille erlaubt. Im städtischen Trubel biete das einen Raum, der die Aufmerksamkeit schärft und zu einem langsameren Tempo anregt. Der Bau des Dongjak Art Space soll in der ersten Hälfte des Jahres 2027 starten, die Fertigstellung ist für 2028 geplant. (mh)
Der Film No other Choice inszeniert die Wechselwirkungen zwischen Wohnverhältnissen und gesellschaftlichem Leistungsdruck in Südkorea.