Faltenrock fürs V&A
Museum in London von O’Donnell + Tuomey
Das Victoria and Albert Museum in London gilt als eines der größten Museen der Welt. Seine Sammlungen zu Architektur, Design und Mode umfassen über 4,5 Millionen Objekte. Kein Wunder, dass das Stammhaus in South Kensington schon lange zu klein ist. So wurden in den letzten Jahren bereits fünf Dependancen eröffnet, nun kommt eine weitere dazu: V&A East auf dem ehemaligen Gelände der Olympischen Spiele von 2012. Die Entwürfe für den Neubau stammen vom irischen Büro O’Donnell + Tuomey (Dublin), die 2015 den Wettbewerb dafür gewannen.
Der Museumsableger ist ein fünfgeschossiges Gebäude mit 6.420 Quadratmetern Bruttogeschossfläche. Er schließt an das London College of Fashion an, das von Allies and Morrison entworfen wurde; dahinter liegt das Aquatics Center von Zaha Hadid Architects. Mit diesen Nachbarn verbindet das V&A East ein Podium, das zum Kanal hin eine lange Freitreppe bildet. So hat das Museum zwei öffentliche Eingänge: von der Straße am Waterfront Square und von Südosten zur Terrasse mit dem College.
Im Inneren erstrecken sich die Galerien über alle Etagen und bilden einen Rundgang um den Kern. Ein großer Saal im dritten Stock ist für Wechselausstellungen vorgesehen. Obwohl die Hülle des Museums größtenteils geschlossen ist, öffnen sich immer wieder Fenster zur Umgebung.
Was das Haus besonders macht, ist die gefaltete Hülle. John Tuomey spricht auf der Online-Plattform Dezeen von einer „Jacke“ oder einem „Kleid“, das man um das Gebäude gelegt hätte. Die Inspiration dafür entstamme einer Ausstellung im V&A 2017 über den spanischen Modeschöpfer Cristóbal Balenciaga. Dieser habe sich, so schreiben O’Donnell + Tuomey, mit dem japanischen Konzept des „Ma“, des „Zwischenraums“, beschäftigt und seinen Kollektionen eine skulpturale Note gegeben, mit der er den menschlichen Körper „rahme“ statt ihn einzuengen. Diese Idee wurde zum Leitmotiv für das V&A East.
Also entwickelten die Architekt*innen eine frei geformte Hülle aus 479 individuell geformten Betonplatten, jede etwa zwei Meter hoch und bis zu 14 Meter lang. Die Eingänge sind wie Schlitze in das Kleid geschnitten. Die Färbung des Betons ähnelt Sandstein, die Platten hängen an einer Stahlstruktur. In die Platten ist ein Relief geschliffen, das an die V‘s und A‘s des Museumslogos erinnern darf. Alle Eingangsbereiche und Treppen befinden sich im Raum zwischen diesem äußeren Kleid und den Ausstellungsräumen. Am 18. April wird das Museum mit der Sonderausstellung The Music is Black: A British Story eröffnet. (fh)
- Fläche:
- 6.420 m² Bruttogeschossfläche
Nur knapp 1.000 Meter entfernt eröffnete am 31. Mai 2025 das V&A East Storehouse. Es entstand nach Plänen von Diller, Scofidio + Renfro in einem Teil des ehemaligen Pressezentrums der Olympischen Spiele.



