Ewigkeitslasten im Welterbe
Bürogebäude in Essen von kadawittfeldarchitektur
Die Adresse lautet „Im Welterbe“ und es ist von „Ewigkeitsaufgaben“ die Rede, die im kürzlich vollendeten Bürobau von kadawittfeldarchitektur (Aachen) erledigt werden. Man rätselt im ersten Moment, um was es hier geht. Doch wenn man weiß, dass man sich in Essen befindet – genauer: in direkter Nachbarschaft des UNESCO-Weltkulturerbes Kokerei Zollverein – löst sich das Ganze relativ schnell auf. Der Neubau ist Sitz der RAG-Stiftung, die für die Abwicklung der bergbaulichen und sozialen Spätfolgen des subventionierten Steinkohleabbaus zuständig ist. Ein wichtiger Punkt: Die sogenannten Ewigkeitsaufgaben sind Grubenwasserhaltung und Grundwasserreinigung, die nach dem Auflassen der Gruben notwendig werden.
Die 2007 gegründete Stiftung hat ihre Räume im westlichen Teil des zweigeschossigen Baus. Im östlichen Teil sitzt die RAG AG, eine 100%ige Tochter der Stiftung. Im zentralen Gelenk liegen alle öffentlichen Funktionen, die sich beide Nutzer teilen. Drei begrünte Innenhöfe strukturieren den Baukörper, der sich mit seiner rostroten Farbigkeit an den Industriedenkmalen des Areals orientiert.
Das übergeordnete Ziel der Renaturierung, das beim Strukturwandel der ehemaligen Bergbauregionen eine zentrale Rolle spielt, schlägt sich auch im Konzept des Verwaltungsbaus nieder, wie die Architekten schreiben. Deswegen gibt es nicht nur begrünte Innenhöfe, sondern auch eine begrünte und begehbare Dachlandschaft, die durch das Kölner Büro von Greenbox Landschaftsarchitekten gestaltet wurde. Eine breite Außentreppe an der Hauptfassade und Treppenanlagen in den beiden Innenhöfen binden die Dachlandschaft in die Erschließungsstruktur des Hauses ein und sollen dazu führen, dass das Dach im Büroalltag immer wieder „erwandert“ wird. Ansteigende Sitzstufen an drei Außenecken des Hauses laden dazu ein.
Der Neubau ist inspiriert vom Prinzip des „Cradle to Cradle“ und wurde als Pilotprojekt des EU-Forschungsprojekts „Building as Material Banks“ (BAMB) realisiert. Das bedeutet, dass die verwendeten Materialien „nach ihrer Kreislauffähigkeit ausgewählt wurden, sodass das Gebäude nach seiner Lebensdauer seine Rohstoffqualitäten bewahrt und als Ressourcendepot dient“, schreiben die Architekten. Mit Blick auf die Hochzeit der fossilen Energiegewinnung – an deren Altlasten man im Haus arbeiten wird – wird hier deutlich, wie viel weiter und nachhaltiger der Umgang mit Ressourcen heute ist.
Landschaftlich wie das Dach ist auch das große, öffentliche Parkhaus quer gegenüber des Neubaus konzipiert, das nach Plänen von kadawittfeldarchitektur und Greenbox gerade gebaut wird. Auf dem Lageplan kann man es bereits erahnen: Das Parkhaus wird als eingschossiger Baukörper weitgehend unterirdisch angelegt und bekommt eine leicht über Bodenniveau liegende, begrünte Dachplatte, die durch Treppen und Rampen erschlossen wird. Diese hier erkennbaren landschaftsarchitektonischen Ambitionen hätten sicherlich auch den Flächen vor dem neuen Bürohaus gut getan. Denn im Vergleich mit dem gelungenen Dachgarten und dem geplanten Parkhaus fallen die kargen Asphalt- und Rasenflächen eher negativ auf. (gh)
Fotos: Jens Kirchner, Andreas Horsky, Hans Blossey
es ist in jedem fall um klassen besser als die hier abgesonderten kommentare, inklusive einem möchtegern-schiri, der in einem öffentlichen forum rote karten verteilt! ('ich hab' tinnitus an den augen, ich sehe nur pfeifen.')
so ein von Zynismus und Sarkasmus durchtränkter Kommentar hat auf der Baunetzseite nichts verloren. Auch wenn es kein Pritzker-Projekt ist, das haben die Bemühungen der Kollegen nicht verdient. Rote Karte!
Bjarke Ingels hätte es nicht besser machen können. Tolles Haus. V.S.
Sorry, ich versteh nicht wie man an dem Ort so was bauen (lassen) kann.
Oder glaubt wirklich jemand daran, dass man nach Ablauf des Haltbarkeitsdatums dieses Gebäudes die Stahlbetondecken in passgenaue Stücke zersägt um diese wieder bei Neubauprojekten in ihrer ursprünglichen Funktion zu nutzen? Oder das Fassadensystem einfach mal an ein anderes Gebäude hängt? Ganz zu schweigen vom Flachdach (das offensichtlich mit »Urban Roof Gardening« grün gewaschen werden soll) - Dieses hat eine Lebensdauer von ca 25 Jahren und produziert dann einen großen Haufen Sondermüll, der sicher nicht im Sinne von »Cradle to Cradle« wiederverwendet werden kann...