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17.07.2018

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Ewigkeitslasten im Welterbe

Bürogebäude in Essen von kadawittfeldarchitektur


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Die Adresse lautet „Im Welterbe“ und es ist von „Ewigkeitsaufgaben“ die Rede, die im kürzlich vollendeten Bürobau von kadawittfeldarchitektur (Aachen) erledigt werden. Man rätselt im ersten Moment, um was es hier geht. Doch wenn man weiß, dass man sich in Essen befindet – genauer: in direkter Nachbarschaft des UNESCO-Weltkulturerbes Kokerei Zollverein – löst sich das Ganze relativ schnell auf. Der Neubau ist Sitz der RAG-Stiftung, die für die Abwicklung der bergbaulichen und sozialen Spätfolgen des subventionierten Steinkohleabbaus zuständig ist. Ein wichtiger Punkt: Die sogenannten Ewigkeitsaufgaben sind Grubenwasserhaltung und Grundwasserreinigung, die nach dem Auflassen der Gruben notwendig werden.
 
Die 2007 gegründete Stiftung hat ihre Räume im westlichen Teil des zweigeschossigen Baus. Im östlichen Teil sitzt die RAG AG, eine 100%ige Tochter der Stiftung. Im zentralen Gelenk liegen alle öffentlichen Funktionen, die sich beide Nutzer teilen. Drei begrünte Innenhöfe strukturieren den Baukörper, der sich mit seiner rostroten Farbigkeit an den Industriedenkmalen des Areals orientiert.
 
Das übergeordnete Ziel der Renaturierung, das beim Strukturwandel der ehemaligen Bergbauregionen eine zentrale Rolle spielt, schlägt sich auch im Konzept des Verwaltungsbaus nieder, wie die Architekten schreiben. Deswegen gibt es nicht nur begrünte Innenhöfe, sondern auch eine begrünte und begehbare Dachlandschaft, die durch das Kölner Büro von Greenbox Landschaftsarchitekten gestaltet wurde. Eine breite Außentreppe an der Hauptfassade und Treppenanlagen in den beiden Innenhöfen binden die Dachlandschaft in die Erschließungsstruktur des Hauses ein und sollen dazu führen, dass das Dach im Büroalltag immer wieder „erwandert“ wird. Ansteigende Sitzstufen an drei Außenecken des Hauses laden dazu ein.
 
Der Neubau ist inspiriert vom Prinzip des „Cradle to Cradle“ und wurde als Pilotprojekt des EU-Forschungsprojekts „Building as Material Banks“ (BAMB) realisiert. Das bedeutet, dass die verwendeten Materialien „nach ihrer Kreislauffähigkeit ausgewählt wurden, sodass das Gebäude nach seiner Lebensdauer seine Rohstoffqualitäten bewahrt und als Ressourcendepot dient“, schreiben die Architekten. Mit Blick auf die Hochzeit der fossilen Energiegewinnung – an deren Altlasten man im Haus arbeiten wird – wird hier deutlich, wie viel weiter und nachhaltiger der Umgang mit Ressourcen heute ist.

Landschaftlich wie das Dach ist auch das große, öffentliche Parkhaus quer gegenüber des Neubaus konzipiert, das nach Plänen von kadawittfeldarchitektur und Greenbox gerade gebaut wird. Auf dem Lageplan kann man es bereits erahnen: Das Parkhaus wird als eingschossiger Baukörper weitgehend unterirdisch angelegt und bekommt eine leicht über Bodenniveau liegende, begrünte Dachplatte, die durch Treppen und Rampen erschlossen wird. Diese hier erkennbaren landschaftsarchitektonischen Ambitionen hätten sicherlich auch den Flächen vor dem neuen Bürohaus gut getan. Denn im Vergleich mit dem gelungenen Dachgarten und dem geplanten Parkhaus fallen die kargen Asphalt- und Rasenflächen eher negativ auf. (gh)

Fotos: Jens Kirchner, Andreas Horsky, Hans Blossey


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Kommentare

6

dethomas dibou | 19.07.2018 09:51 Uhr

@ schiedsrichter

man mag von dem gebäude halten was man will.
es ist in jedem fall um klassen besser als die hier abgesonderten kommentare, inklusive einem möchtegern-schiri, der in einem öffentlichen forum rote karten verteilt!
('ich hab' tinnitus an den augen, ich sehe nur pfeifen.')

5

Platzverweis | 18.07.2018 13:40 Uhr

@ Volker Streisig

Lieber Volker Streisig,

so ein von Zynismus und Sarkasmus durchtränkter Kommentar hat auf der Baunetzseite nichts verloren.

Auch wenn es kein Pritzker-Projekt ist, das haben die Bemühungen der Kollegen nicht verdient.

Rote Karte!

4

Volker Streisig | 18.07.2018 12:27 Uhr

Design / Entwurf vorbildlich

Design bzw. Entwurf ist sehr vorbildlich.
Bjarke Ingels hätte es nicht besser machen können.
Tolles Haus.
V.S.

3

Designer | 18.07.2018 09:55 Uhr

Äußerlichkeiten

Diese gleichmäßige rostfarbige Fassade hat für mich was bedrückend Klaustrophobisches. Wenn ich es in ein Wort zu fassen müsste, fällt mir nur eins ein: Langeweile

Sorry, ich versteh nicht wie man an dem Ort so was bauen (lassen) kann.

2

mick | 18.07.2018 09:24 Uhr

Nicht für die Ewigkeit...

...man sieht es diesem Gebäude in keiner weise an, dass es vom Prinzip des »Cradle to Cradle« inspiriert ist.
Oder glaubt wirklich jemand daran, dass man nach Ablauf des Haltbarkeitsdatums dieses Gebäudes die Stahlbetondecken in passgenaue Stücke zersägt um diese wieder bei Neubauprojekten in ihrer ursprünglichen Funktion zu nutzen? Oder das Fassadensystem einfach mal an ein anderes Gebäude hängt? Ganz zu schweigen vom Flachdach (das offensichtlich mit »Urban Roof Gardening« grün gewaschen werden soll) - Dieses hat eine Lebensdauer von ca 25 Jahren und produziert dann einen großen Haufen Sondermüll, der sicher nicht im Sinne von »Cradle to Cradle« wiederverwendet werden kann...

1

claus | 17.07.2018 23:27 Uhr

Rost, lieber Freund, ist diese Ironie

Eine Stiftung die an „Ewigkeitsaufgaben“ arbeitet und sich dafür ein eine determinierte Abrissarchitektur mit Haltbarkeitsdatum baut – denn nichts anderes ist die Fixierung auf das Recycling bei Gebäuden. Ach, die Ironie ist kaum zu schlagen, wohl aber nur unfreiwillig komisch.

Wie wäre es denn gewesen ein Haus zu bauen, das auf eine Haltbarkeit von 100 oder 200 Jahren ausgelegt wäre. Geplant mit entsprechenden Materialien und einer Haustechnik, die so minimal gehalten ist, dass sie nicht nach 20 Jahren „recycelt“ werden muss…aber sowas lässt sich wohl einfach zu schlecht zertifizieren…


 
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Man sieht es dem sachlich-schlichten Haus von kadawittfeldarchitektur nicht unbedingt an, dass es vom Prinzip des „Cradle to Cradle“ inspiriert ist.

Man sieht es dem sachlich-schlichten Haus von kadawittfeldarchitektur nicht unbedingt an, dass es vom Prinzip des „Cradle to Cradle“ inspiriert ist.

Die breite Treppenanlage an der Eingangsseite des Neubaus für die RAG-Stiftung und die RAG AG in Essen führt direkt auf das von Greenbox gestaltete, begrünte Dach.

Die breite Treppenanlage an der Eingangsseite des Neubaus für die RAG-Stiftung und die RAG AG in Essen führt direkt auf das von Greenbox gestaltete, begrünte Dach.

Das Haus quer gegenüber der Kokerei Zollverein ist um drei Innenhöfe herum organisiert.

Das Haus quer gegenüber der Kokerei Zollverein ist um drei Innenhöfe herum organisiert.

Die Parkgarage wird als flacher Baukörper weitgehend unterirdisch angelegt und erhält ebenfalls ein begrüntes und begehbares Dach.

Die Parkgarage wird als flacher Baukörper weitgehend unterirdisch angelegt und erhält ebenfalls ein begrüntes und begehbares Dach.

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