Kontrastreiches Duett
Büro- und Geschäftshaus in Düsseldorf von sop architekten
Stadt ist Stadt, weil sie sich immer neu erfindet. Doch wie umgehen mit historischer Bausubstanz? An der Ecke Friedrichstraße/Fürstenwall im Düsseldorfer Stadtzentrum hat das ortsansässige Büro slapa oberholz pszczulny | sop architekten ein 115 Meter langes Büro- und Geschäftshaus namens Fürst & Friedrich mit knapp 17.000 Quadratmetern Bruttogeschossfläche in bester Innenstadtlage realisiert. Das Grundstück war vorher allerdings nicht leer, sondern von der ehemaligen WestLB-Bankzentrale besetzt.
Der 2016 beschlossene Abriss des nach Plänen des Architekten Heinz Thoma 1952 fertiggestellten Baus löste in Düsseldorf eine kontroverse Diskussion über den Umgang mit historischer Bausubstanz aus. Wie Jörg Heimeshoff, bis 2017 Leiter des Instituts für Denkmalschutz bei der städtischen Bauaufsicht, damals in der Westdeutschen Zeitung erklärte, wurde das WestLB-Gebäude nicht als Denkmal eingestuft, da es sich um eine konservative, überholte Architektur gehandelt habe, „ein 08/15-Bürohaus“. Lediglich die in das 50er-Jahre-Gebäude integrierte klassizistische Fassade des ursprünglichen Bankgebäudes von Hermann vom Endt aus dem Jahr 1895 und ein Wandrelief wurden als erhaltenswert erachtet.
Sop fügten das historische Fassadenteil – ein Relikt der preußischen Rheinprovinz mit den Stadtwappen von Köln, Koblenz, Düsseldorf, Aachen und Trier – als „adressbildendes Alleinstellungsmerkmal“ in ihren Neubau ein. Damit wurde es nun bereits zum zweiten Mal überbaut und wirkt dabei, von einer Glasfassade umgeben, wie freigestellt – ein Konzept, das bereits bei der Kombination eines wilhelminischen Kasernenhauses mit einem Bürogebäude, ebenfalls von sop in Düsseldorf realisiert, zur Anwendung kam. Um einen größtmöglichen Kontrast herzustellen, präsentiert sich die ebenfalls aus Naturstein gefertigten Hauptfassade des Neubaus in „strenger, zurückgenommener Form“, wie die Architekten in ihrem Projekttext schreiben. Auf Vorsprünge und Gesimse sei bewusst verzichtet worden, dagegen sollen die einseitig angeschrägten, 35 Zentimeter tiefen Fensterlaibungen für Plastizität sorgen.
Im Innerern öffnet sich im Eingangsbereich ein 17 Meter hoher Luftraum, der den Blick auf die Bestandsfassade freigibt. Das über zwei Geschosse ausgebildete, 500 Quadratmeter große Foyer dient mit Bar- und Loungebereichen Mietern und Gästen als informelle Treffpunkt-, Erholungs-, aber auch Arbeitszone. Die Gastronomieflächen im Erdgeschoss werden zudem über einen separaten Eingang in der Friedrichstraße erschlossen. Die Bürogeschosse sind den Mieterbedürfnissen entsprechend flexibel aufteilbar. Entwickelt und beauftragt wurde das 2019 fertiggestellte Projekt vom Kölner Unternehmen Art-Invest Real Estate, das auch hinter dem Kö-Bogen steht. (tl)
Fotos: B + E Fotografie, Helge Mundt
Man braucht eine Hülle die den Raum abschliesst, das Haus dämmt und dafür sorgt das der Regen abläuft und der Krach draussen bleibt.
Alles zusätzliche ist Deko.
Man will sich präsentieren, repräsentieren, abschätzig machen, ein Statement abgeben.
Und das gelingt mal besser mal schlechter wie man sieht.....
Ich glaube kaum, dass der Vorgängerbau den Gründerzeitbau auch nur annähernd so ausgehöhlt und vorgeführt hat - dann hätte man diesen gerade in den 50ern abgerissen, als solche Fassaden keine Lobby hatten. Historisierend waren sie übrigens beide.
off topic...
Den Vorgängerbau als "rückwärtsgewandten Nazibau" zu verunglimpfen, ist ein Armutszeugnis der Düsseldorfer Denkmalpflege. In jeder ehemals kriegszerstörten deutschen Großstadt findet man solche Bauten - größtenteils trotzdem unter Denkmalschutz. Gerade weil solche Bauten nicht der Avantgarde der Zeit entsprechen und sie die gesellschaftliche Ambivalenz der 50er-Jahre wiedergeben, haben sie doch einen Zeugniswert.
Ob Döllgast und Wiedemann in München, Schmitthenner und Bonatz in Stuttgart, oder Wilhelm Kreis in Düsseldorf - eine solche Architektursprache ist nicht in der Nazizeit vom Himmel gefallen - es gab sie vorher und auch danach - in Nazideutschland, aber auch bei den Alliierten.
Vieleicht meint man in Düsseldorf noch, 1945 kam die gesamte Architektenschaft (zusammen mit den Politikern und Funktionären) zurück aus dem Exil.
back on topic... Der direkte Vergleich macht den Neubau architektonisch leider nicht besser.
Dabei entspricht das doch genau dem Geist der traditionellen Architektur, in dem die Fassade einst gebaut wurde: Als reine Deko, ohne Funktion. Am Altbau sollte die Fassade einfach nur gut aussehen, und das tut sie auch am Neubau. Somit kann man wohl sagen, daß exakt die Funktion, der Geist der alten Fassade erhalten wurde.
Was mir noch auffällt: Viele ärgern sich darüber, daß ein noch relativ junges Gebäude für einen Neubau abgerissen wurde und über die damit verbundene Ressourcenverschwendung. Das ist berechtigt, allerdings wage ich zu behaupten, daß diese Diskussion überhaupt nicht geführt würde, wenn die alte Fassade mit abgerissen worden wäre anstatt sie in den Neubau zu integrieren. Und das ist scheinheilig.