Archäologische Plattform
Besucherzentrum bei Peñalba de Castro von Tejedor Linares
Ausgrabungsstätten sind gewissermaßen physische Grundrisse. Was auch bedeutet, dass die Horizontale meist deutlich dominanter als die Vertikale daherkommt. Besonders eindrücklich ist das etwa in der antiken römischen Stadt Colonia Clunia Sulpicia zu sehen, die in einer Mulde der nordspanischen Hochebene des Alto de Castro liegt. Sie war eine der größten Siedlungen in der Provinz Hispania Tarraconensis. Tejedor Linares Arquitectos (Sevilla) haben der archäologischen Stätte im Auftrag der Kommune ein Besucherzentrum hinzugefügt, das sich ebenfalls ganz der Horizontalen verpflichtet.
Der Neubau befindet sich auf halber Strecke zwischen den bestehenden Forschungsbauten der Archäologen am Rand des kleinen Örtchens Peñalba de Castro und dem Beginn der Ausgrabungsstätte. Statt auszugraben haben die Architekt*innen das Besucherzentrum ein Stück weit eingegraben. Besonders im Luftbild zeigt sich das daraus entstandene topografische Spiel. Während der flache, rote Betonbau den hinter ihm aufragenden, plattformartigen Felsvorsprung nachahmt, bildet er gleichzeitig ein Gegenstück zum in den Hang gehauenen Amphitheater neben ihm.
Das Dach soll die Vegetation der Landschaft fortführen und für Outdoor-Veranstaltungen dienen. Als wäre es ebenfalls eine archäologische Stätte, zeichnet sich die interne Struktur des Gebäudes auf dieser Plattform ab. Das Innere soll demgegenüber höhlenartig wirken, so die Architekt*innen. Ausgerechnet der Raum, der den Plänen zufolge tatsächlich wie eine Höhle geformt ist, ist auf den Fotos leider nicht zu sehen.
Ansonsten gibt es einen Ausstellungsbereich, einen Hörsaal und Seminarräume. Neben grob geschaltem Beton verwendeten Tejedor Linares vor allem Holz. Auf der Terrasse, die sich unterhalb des auskragenden Daches in Richtung der weiten Landschaft öffnet, legten sie zudem ein Wasserbecken an. Womöglich ein Hinweis auf die Bedeutung des Grundwassers, das die historische römische Stadt versorgte, wie die Architekt*innen erwähnen. (mh)
- Fertigstellung:
- 2025
- Architektur:
- Tejedor Linares Arquitectos
- Team Architektur:
- Antonio Tejedor, Mercedes Linares, Pedro Lobato, Marina López, Juan Manuel Ortiz, Enrique Álvarez, Reyes León, Andrés Infantes
- Statik:
- DUARTE Asociados
- Technical Architect and Health and Safety Coordinator:
- José Ramón Galache
- TGA:
- Ángel Luis León, Juan José Sendra, Estin Adviser SL
- Archäologie:
- Silvia Pascual
- Bauherrschaft:
- Diputación Provincial de Burgos, SAJUMA
Erst kürzlich stellten wir ein Kulturzentrum in der südfranzösischen Stadt Vaison-la-Romaine vor, die zu den größten römischen Ausgrabungsstätten Frankreichs zählt.



