Vorhang auf für kleinste Teilchen
Besucherzentrum nahe Hamburg von DBCO
Grundlagenforschung auf molekularer und atomarer Ebene benötigt zwar riesige Apparate, viel zu sehen ist dabei aber nicht. In Schenefeld bei Hamburg wurde darum ein Besucherzentrum errichtet, das der Arbeit des European XFEL gewidmet ist. Hinter dem kryptischen Namen verbirgt sich ein sogenannter Freie-Elektronen-Laser. Dieser bildet die Grundlage eines bildgebenden Verfahrens, das mittels Röntgenblitzen kleinste Strukturen und äußerst schnelle Veränderungen nachvollziehbar macht. Verantwortlich für Entwurf und Umsetzung des Projekts waren DBCO mit Niederlassungen in Münster, Köln und Berlin.
Die lineare XFEL-Anlage nimmt ein Tunnelsystem ein, das sich zwischen dem Hamburger DESY-Forschungszentrum und dem westlich gelegenen Vorort Schenefeld erstreckt. Am südlichen Rand der Kleinstadt verfügt die Forschungseinrichtung über einen Campus aus mehreren Gebäuden. Das Besucherzentrum trägt den Namen Lighthouse Erlebniszentrum und ist schräg gegenüber dem XFEL-Hauptgebäude positioniert. Auf zwei Geschossen umfasst es eine Dauerausstellung, Schülerlabore, Seminarräume und ein Auditorium für bis zu 300 Personen.
Das Team von DBCO konzipierte das Besucherzentrum nach eigener Aussage als veredelten Rohbau. Die Metallfassade sei vom Bild eines Vorhangs inspiriert, der aufgezogen werde, um den Blick auf die Wissenschaft freizugeben. Die gefalteten und teils perforierten Aluminiumbleche stünden zudem für das physikalische Prinzip der Diffraktion, das dem XFEL-Verfahren zugrunde liegt.
Ein doppelgeschossiges Foyer mit Infotheke empfängt die Besucher*innen. Auf zwei Rundgängen können diese dann das Gebäude entdecken. Im Erdgeschoss dreht sich alles um die Dauerausstellung mit Kinoraum, im Obergeschoss wird experimentiert. Dort befinden sich außerdem Flächen für Sonderausstellungen sowie das Auditorium und die Verwaltung. Konstruktiv besteht der untere Teil des Volumens aus Stahlbeton, darüber bilden Brettschichtholzbinder die tragende Struktur. Sichtbeton-Wandscheiben verbinden beide Ebenen und sorgen für die Aussteifung.
Parallel zur Konstruktion changiert die Materialität zwischen mineralischen Oberflächen im Eingangsbereich und Parkett samt Holzeinbauten im Obergeschoss. Die Ausstellung setzt passend zum Thema auf starke Hell-Dunkel-Kontraste. (sb)
- Fertigstellung:
- 2024
- Architektur:
- DBCO
- Projektleitung:
- David Bücker, Matthias Röckers
- Mitarbeit:
- Christian Koch, Vanessa Falkenberg
- Ausstellungsgestaltung:
- Archimedes Exhibitions
- Freianlagen:
- schöne aussichten landschaftsarchitektur, Hamburg
- Weitere Planungsbeteiligte:
- Pinck Ingenieure Consulting (Technische Gebäudeausrüstung), WTM Engineers (Tragwerksplanung), Hansen + Partner Ingenieure (Bauphysik), Hansen + Partner Ingenieure (Bauphysik), Buck Brandschutzplanung (Bauphysik), BOK + Gärtner (Leitsystem), Ralf Kordinand (Baugrundgutachten)
- Auftraggeber:
- European XFEL
- Fläche:
- 2.507 m² Bruttogrundfläche
- Baukosten:
- 9.338.690 € KG 300 + 400, netto



