Universität am Hafen
AOR Architects und Arkkitehdit NRT in Kotka
Kotka, etwa 100 Kilometer östlich von Helsinki zählt rund 50.000 Einwohner*innen und ist ein wichtiger Knotenpunkt Finnlands. Hier liegt der größte Exporthafen des Landes. Die Hafenindustrie prägt das Stadtbild, seit einigen Jahren jedoch wandelt sich das Gebiet nördlich der Innenstadt zu einem Quartier mit Bildungs- und Kulturangeboten. Jüngster Baustein dieser Transformation ist ein Campus der Fachhochschule Südostfinnland Xamk, geplant von AOR Architects und Arkkitehdit NRT aus Helsinki.
Xamk verteilt sich auf vier Standorte im Land, in Kotka studieren rund 3.500 Menschen. Der alte Campus außerhalb des Zentrums war baulich in die Jahre gekommen. Mit dem Neubau rückt die Hochschule näher an die Stadt und wird Teil der Strategie, das Hafengebiet in einen öffentlichen Raum zu überführen. Bereits 2008 eröffnete in unmittelbarer Nachbarschaft das von Lahdelma & Mahlamäki entworfene Maritime Centre Vellamo, das heute als Kultur- und Museumszentrum den Auftakt des Areals bildet.
Parallel zum Xamk entstand mit Satama, geplant von ALA Architects, ein Veranstaltungszentrum für größere Events. Beide Gebäude sind als Ensemble konzipiert, stellenweise verbunden und ergänzen sich in ihrer Nutzung. Während Satama mit seiner quaderförmigen Erscheinung eher wenig Aufmerksamkeit erregt, übernimmt der Hochschulbau die Rolle des markanten Gegenübers.
Charakteristisch ist das vielfach gefaltete Dach. Darunter entwickelt sich der fast 18.000 Quadratmeter große Innenraum terrassenartig über mehrere Ebenen. Am höchsten Punkt erreicht das Gebäude sechs Geschosse, am niedrigsten gen Osten zwei Geschosse. Dort markiert eine vier Meter weit auskragende Dachkante den Übergang zum Hafenraum.
Zur Straße wirkt der Bau vergleichsweise geschlossen, große Teile der Dachfläche bestimmen die Ansicht. Zum Wasser öffnet sich die Fassade mit einer fast nüchternen Sprache aus Bandfenstern und gewölbten Aluminiumpaneelen. Vollverglaste Bereiche verbinden die Fassade mit dem gefalteten Dach und lösen sich teilweise zu Loggien auf.
Die Architekt*innen beschreiben den Entwurf als kühne, schnörkellose Architektur, die die Ästhetik industrieller Gebäude aufnimmt. Diese Haltung ist spürbar, gleichzeitig entwickelt der Innenraum eine deutlich differenziertere räumliche Qualität. Die äußere Form bestimmt die Organisation: geschlossene Unterrichtsbereiche unter dem Dach, dazwischen großzügige offene Zonen. Ein hoher Luftraum und offene Treppen verbinden die Ebenen.
Das tragende Stahl-Beton-Skelett bleibt sichtbar und verleiht den Innenräumen eine gewisse Rohheit. Die Materialwahl differenziert zwischen den Bereichen: Während die offenen Zonen eine helle Farbigkeit aufweisen, strahlen die geschlossenen Unterrichtsräume durch Eichenverkleidungen eine wärmere Atmosphäre aus. (gk)
- Fertigstellung:
- 2024
- Architektur:
- AOR Architects, Arkkitehdit NRT
- Team AOR:
- Erkko Aarti, Pekka Pohjola, Kuutti Halinen, Arto Ollila, Mikki Ristola, Lauri Klemola, Heljä Koskimäki, Niina Laukia
- Team NRT:
- Teemu Tuomi, Ulla Engman, Olli Vuorinen, Susanna Anttila, Annu Kumpulainen, Jani Koivula, Emmi Vuonio, Vera Parcheli, Mari Birling, Valtteri Osara, Jaan Gröndahl, Tuula Hikipää, Esa Hotanen, Taro Nieminen, Sini Papakonstantinou, Tuula Olli
- Bauherrschaft:
- Kymenlaakson Kampuskiinteistöt Oy
- Nutzerin:
- South-Eastern Finland University of Applied Sciences Xamk
- Fläche:
- 17.360 m²




