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23.01.2026
Fisch und mehr
Markthalle in Sydney von 3XN GXN und BVN Architecture
Am Blackwattle Bay am südlichen Rand des Sydney Harbour gibt es eine neue Fischmarkthalle – die derzeit größte der südlichen Hemisphäre. Das imposante, wellenförmige Dach kündigt bereits von weitem an, dass es sich dabei weniger um eine ganz gewöhnliche Markthalle denn um eine neue Attraktion handelt. Sie soll jährlich rund sechs Millionen Besucher*innen anziehen und wurde vom Kopenhagener Büro 3XN GXN Architects (GXN ist die auf Nachhaltigkeit spezialisierte Forschungs- und Entwicklungsabteilung des Büros) in Zusammenarbeit mit BVN Architecture und den Landschaftsarchitekt*innen von ASPECT Studios (beide Sydney) entworfen.
Der Sydney Fish Market ist wichtiger Knotenpunkt des 15 Kilometer langen Sydney Harbour Walks, der von Rozelle Bay bis Woolloomooloo führt. Gleichzeitig ist der Neubau zentraler Baustein des Stadtentwicklungsprojekts Blackwattle Bay Precinct, das die Transformation des ehemals industriell geprägten Hafengebiets zu einem gemischt genutzten Quartier beinhaltet. Der am vergangenen Montag, 19. Januar 2026, eröffnete Sydney Fish Market gilt als Auftakt des Entwicklungsprojekts und wurde westlich des früheren Marktstandorts auf einem teilweise aufgeschütteten Areal errichtet.
Der Entwurf für den Neubau, dessen Gesamtkosten mit rund 488 Millionen Euro angegeben werden, ging aus einem internationalen Wettbewerb von 2017 hervor, ausgelobt vom Bundesstaat New South Wales. Die Pläne von 3XN wurden 2020 vorgestellt. Realisiert wurde das Projekt durch das staatliche Unternehmen Infrastructure NSW. Auf einer Bruttogrundfläche von rund 65.000 Quadratmetern, die sich in manchen Teilen über vier Ebenen erstreckt, vereint der Bau Großhandel, Einzelhandel und Gastronomie sowie Büros. Rund um das Gebäude planten ASPECT Studios außerdem etwa 6.000 Quadratmeter Freiflächen mit Plätzen, Promenaden und Uferwegen. Großzügige Außentreppen führen vom Außenraum hinauf zur Halle und dienen zugleich als Sitzlandschaft; zudem verweisen fünf Kunstinstallationen auf die indigene Kultur und die maritime Geschichte des Ortes.
Auch die modulare Dachkonstruktion greift das maritime Thema auf: Form und Gestaltung sind von Wellen und Fischschuppen inspiriert. Sie ist rund 20.000 Quadratmeter groß, 200 Meter lang und wiegt etwa 2.500 Tonnen. Die Tragstruktur besteht aus 594 Brettschichtholzträgern, auf denen 407 pyramidenförmige Aluminiumkassetten angebracht wurden, die wiederum mit Solarzellen versehen sind. Geometrie und Ausrichtung der Kassetten sind so optimiert, dass einerseits Tageslicht ins Gebäude gelangt, andererseits Verschattung möglich ist.
Die Dachkonstruktion soll insbesondere die natürliche Belüftung und Belichtung ermöglichen, wodurch der Energieverbrauch laut Architekt*innen um bis zu 35 Prozent gesenkt werden kann. Zudem wird Regenwasser gesammelt, gefiltert und wiederverwendet; eine zusätzliche Abwasseraufbereitung reduziere den Trinkwasserverbrauch um etwa 50 Prozent, so 3XN GXN. Ergänzend tragen landschaftlich gestaltete Freiräume mit Feuchtgebietsvegetation zur Filterung von Regenwasser bei. Abseits des Gebäudes sollen unterhalb des Marktkais angebrachte 3D-gedruckte Korallenplatten und untergehängte Gitterstrukturen die Lebensräume der dortigen Meeresbewohner*innen verbessern.
Zentrales Entwurfsprinzip sei außerdem die Sichtbarmachung der Infrastruktur gewesen, erklären die Architekt*innen. Besuchende sollen Einblicke in Logistik, Verarbeitung und Auktion erhalten und damit hinter die Kulissen sehen können. Die Halle arbeitet mit dem sogenannten niederländischen Auktionssystem, dessen Abläufe über großflächige Verglasungen und Bildschirme auch aus der Markthalle und von der südlichen Promenade aus beobachtet werden können. Anlagen zur Lagerung lebender Meeresfrüchte, zur Sortierung des Fangs sowie zur Produktion von bis zu 70 Tonnen Eis pro Tag sind ebenso Teil der öffentlich einsehbaren Prozesse. (dsm)
Fotos: Rasmus Hjortshøj, Tom Roe, Sara Vita Photography
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