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04.10.2013

Verwischte Unschärfe

Ein Besuch des neuen Theaters in Lüttich


Vorhang auf! Die Spielzeiteröffnung im belgischen Lüttich lockt in diesem Jahr auch Architekten und Designer an. Das wallonischen Atelier Pierre Hebbelinck & Pierre de Wit hat das Théâtre de Liège saniert und den Kulturbau am Place 20. Aout so erweitert, das er mit der bestehenden Blockbebauung verwächst. Die Innenraumgestaltung erfolgte in enger Zusammenarbeit mit Vitra, die die Räume mit Möbelklassikern von Jean Prouvé ausgestattet haben. Gestern wurde der Erweiterungsbau feierlich eröffnet.

Theaterräume sind in der Regel von der Realität abgeschirmte Kunstwelten. Umso überraschender, dass der Neubau in Lüttich ein Stück Stadt in sein Inneres holt – und zwar nicht in das Foyer, sondern direkt auf die Bühne. Besonders deutlich wird das Konzept im kleinen Theatersaal. Die Schauspieler sprechen, tanzen und singen hier mit dem Rücken zum Platz, das Fenster hinter ihnen rahmt die Fassade der gegenüberliegenden Universität als Bühnenbild.

Nicht nur die Gestaltung dieses Bühnenbildes, sondern auch die akustische Ausstattung war Aufgabe der Architekten. Angelehnt an die ältesten Theater in Italien – diese waren aus Holz gebaut – ist die mit 145 Plätzen ausgestattete Sitztribüne des kleinen Theaters mit Holz umzäunt. Dicht aneinander gereihte Holzstäbe sollen hier eine besondere Klangqualität erzeugen und gleichzeitig zu einer intimen Atmosphäre beitragen. 

Beim Bestand handelt es sich um die ehemaligen Räume der Société Libre d’Emulation, einer seit der Zeit der Aufklärung bestehenden Kulturinstitution, aus dem Jahr 1939. Mit rund 70 Jahren noch ein relativ junges Gebäude, steht es bereits unter Denkmalschutz. Diese Herausforderung hat vor allem im vorhandenen Theatersaal zu einem besonderen Ergebnis geführt: Eine skulpturale Zuschauertribüne mit 557 Sitzplätzen wurde so konstruiert, dass sie ganz ohne statische Unterstützung des Bestands auskommt, ja diesen kaum berührt. Die schräge Unterseite der Tribüne bildet gleichzeitig einen höhlenartigen neuen Foyerraum aus.

Die Elemente des Neubaus springen deutlich aus der Straßenfassade hervor, der Einsatz von Glas lässt tiefe Blicke aus dem Außenraum in das Theater zu und umgekehrt. Trotz der kleinteiligen Ergänzungen in alle Richtungen – das Theater hat seine Fassaden zu drei Straßen und einem Platz hin – sollte die Erweiterung einheitlich wirken. Als neue Zutaten wählten die Architekten Glas, Beton und Holz.

Besondere Räume entstehen dort, wo der Ergänzungsbau mit der Blockbebauung und dem Bestandsbau verwächst. So verschluckt die Erweiterung scheinbar einen Teil der alten Mauern – eine rote Ziegelfassade ist mit geriffelten Glaspanelen überzogen, nach außen hin entsteht eine verwischt wirkende Unschärfe, die an Gerhard Richter erinnert. Ein weiteres Überraschungsmoment verbirgt sich an der Nordseite des großen Saals, wo die Gäste in einen von Brandschutzmauern umfassten Hof hinaustreten können.

Das Theater betritt man weiterhin durch die neoklassizistische Eingangshalle, zumindest der Auftakt des Abends erfordert also von den Besuchern keine Umgewöhnung. Im Erweiterungsbau sind neben dem neuen kleinen Saal noch technische Räume, ein Restaurant samt Bar sowie ein Buchladen untergebracht. Das in gerademal zwei Jahren entstandene Projekt ist Teil einer ganzen Reihe von Umbauprojekten, mit den sich die Stadt Lüttich auf den aktuellen Stand bringen will. (Luise Rellensmann)

Fotos: Théâtre de Liege © François Brix; Luise Rellensmann


Zum Thema:

www.theatredeliege.be


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