Blumen für Despoten
Zaha Hadids Projekt in Aserbaidschan
„Das Protokoll verlangte, dass Blumen niedergelegt werden,“ sagte ein Sprecher des britischen Büros Zaha Hadid Architects auf die Frage von Journalisten, warum Zaha Hadid am Grab des ehemaligen KGB-Chefs und kommunistischen Alleinherrschers von Aserbaidschan, Hejdar Alijew, erschienen sei.
Der heutige aserbaidschanische Staatschef, Ilcham Alijew, hat 2003 das Amt seines Vaters in der „Erbfolge“ übernommen. Er beabsichtigt, die Olympiade 2016 in die Ölmetropole und Hauptstadt Baku zu holen. Um die Hauptstadt attraktiver zu gestalten, benötigt er spektakuläre Architektur. Und wie es sich für gute Despoten gehört, beauftragte auch Ilcham direkt den Hofarchitekten seiner Wahl, der für das nötige Prestige und natürlich auch für eine gewisse internationale Legitimation sorgen soll.
Ilcham Alijews Hofarchitektin heißt Zaha Hadid. Wie erst vor wenigen Tagen bekannt wurde, entwarf deren Büro das „Heydar Aliyev Cultural Centre“ auf neun Hektar Fläche, inklusive einer 21.000 Quadratmeter großen Konferenzhalle, einem Museum, einer Bibliothek und einer Parklandschaft – in Erinnerung an den verstorbenen Despoten, den Amnesty International während der letzten Jahre seiner Amtszeit beschuldigte, für Menschenrechtsverletzungen, Unregelmäßigkeiten bei den Wahlen und die Verfolgung der politischen Opposition durch die Polizei verantwortlich zu sein.
Im September 2007 legte Hadid Blumen an seinem Grab nieder, bevor sie sich zum Bauplatz aufmachte, um der offiziellen Startzeremonie für ihr Projekt beizuwohnen. Britische Kommentatoren kritisieren, dass Hadid ein Projekt bearbeitet, das den Personenkult um einen Despoten fördert.
Dass sie aber überhaupt Großprojekte für Despoten übernimmt, daran scheint sich niemand zu stören. Bauen für Despoten liegt nämlich voll im Trend.
So kann man heute ohne Skrupel für den libyschen Staatschef Gaddafi bauen (BauNetz-Meldung vom 29. Juni 2007). Norman Foster etwa baut (BauNetz-Meldung vom 5. September 2006 und BauNetz-Meldung vom 12. Dezember 2006), wenn er nicht gerade über die Notwendigkeit nachhaltigen Städtebaus in den Emiraten referiert, ebenso wie Hadid (BauNetz-Meldung vom 30. April 2007) für den kasachischen Autokraten Nursultan Nasarbajew. Die Liste ließe sich mit anderen Namen weiter fortsetzen.
Signifikant bleibt am Ende die offizielle Position der britischen „Architektenkammer“ RIBA zu Hadids „Heydar Aliyev Cultural Centre“: „Wir haben keine klare Vorstellung über die politische Situation in Aserbaidschan. Daher sehen wir uns außerstande, Stellung zu nehmen.“
Till Wöhler
1- Der Alijew wird sterben, die Werke bleiben dem Land, umbenennen kann man ja das Kulturzentrum immer.
2- Auch in gestrigen Europa gebaute "Prachtstücke" heute mit stolz "Kultur Erbe" genannt, können im Bezug zur Auftraggeberspersönlichkeit,
Menschenrechte, Misstände der Arbeiter usw. kritisiert werden, wozu?
3- Aserbaidschan erlebt heute die Zeiten die nicht
zu überspringen sind, Heute ist A in der Regierung, morgen ist ein B. Das Land mit einer schlechte, vergammelte und orientierungslose neusowetische Architektur zu bestrafen ist keine effektive Lektion.
Was Hadid angeht.: Wo ich fragte,konnte dieJury Ihr Name nicht richtig aussprechen und glauben Sie mir, wäre da ein anderer demonstrativerer Entwurf, würde er weiter kommen. Inwiefern der Entwurf überhaupt von Studio Hadid stammt ist ein anderes Thema.
Freut euch auf gute Architektur, egal wo sie ist. Auf
den Wechsel braucht man nicht warten, er kam nie durch die Architekten.
the zaha hadid commercial architecture horse has been flogged to death anyway...
only potentate's left to be interested in fashionable design with a wow factor
its just one of these media phenomena...
practices that have better pr departments than architects...