Flache Decke, kurzes Dach
Gerkan und Mehdorn schließen Vergleich im Berliner Bahnhofsstreit
Nicht nur den Berlinern ist der schwelende Streit des Architekten Meinhard von Gerkan mit dem Deutsche-Bahn-Chef Hartmut Mehdorn um den Neubau des Berliner Hauptbahnhofs (BauNetz-Meldung zur Eröffnung) im Gedächtnis geblieben: Die Decke zu flach, das Dach zu kurz – und die Träger bei Sturm herabfallend. Erst im November 2006 hatte von Gerkan seinen Prozess gegen die Bahn gewonnen (BauNetz-Meldung). Eine Kammer des Landgerichts Berlin hatte die von der Bahn vorgenommenen Änderungen als „tiefgreifende“ Verfälschung des architektonischen Entwurfes und als Verletzung des Urheberrechtes des Architekten bezeichnet.
Am 24. Januar 2008 wurde nun überraschend ein Vergleich erzielt: Demnach bleibt der unter Architekten als „Kaufhausdecke“ titulierte Deckenspiegel des Tiefbahnhofs erhalten: Gerkans gotisierendes Blechgewölbe kommt definitiv nicht, obwohl die Bauteile seinerzeit schon produziert worden waren. Darauf ließ sich der Architekt jetzt ein.
Ebenfalls ist die monierte Verkürzung des Glasdachs, das die Erste-Klasse-Reisenden im Regen stehen lässt, für v. Gerkan kein Thema mehr. Unwahrscheinlich, dass die Deutsche Bahn künftig die Wagen der ersten Klasse für ICE-Züge über Berlin umhängen wird, um das Problem zu lösen. Das Votum des Bundesverkehrsministeriums zur Dachverlängerung auf das Originalmaß von 430 Metern gemäß Architektenentwurf steht jedoch auch noch aus.
Als Gegenleistung für v. Gerkans Entgegenkommen wird die Bahn jedenfalls die strittigen, noch offenen Honorarforderungen v. Gerkans zugunsten der GMP-Stiftung „Academy for Architectural Culture“ begleichen.
Eine schnelle Einigung sei ein Gebot der Vernunft gewesen, befleißigte sich Mehdorn zu betonen. Auch an der großen Leistung von Herrn von Gerkan habe er nie Zweifel gehabt; der Hauptbahnhof sei der modernste und zugleich einer schönsten der Welt. Für Hartmut Mehdorn ist die Welt damit wieder in Ordnung – und erstaunlicherweise auch für v. Gerkan und seine „Academy“.
Till Wöhler
Wenn Stiftung, dann bitte zu sozialen, gesellschaftlichen und kulturellen Themen die nicht nur die Funktion eines elitären Assessmentcenters in Form einer Privathochschule als Nachwuchskaderschmiede erfüllt .... ; ((
Wer soll denn bitte diese "Vollendung des Bahnhofs" dann bezahlen:
Etwa die zu gründende Bürger-Initiative dann zum zweiten Mal?
Immerhin hat sie hat ja bereits als BahnbenutzerInnen mit ihren Fahrkarten via Mehdorn offenbar kecklich "Buß"geld bezahlt , an ebendiese Stiftung...???
Meinhard von Gerkan ist also doch nicht der Held, den alle Architekten in ihm gesehen hatten. Nun lass uns hoffen, dass die nächste Generation es leisten kann, die verunstaltete Proportion des Jahrhundert-Bauwerks aus Bahn-Fahrkartengeld gebaut, zu vollenden. Der Architekt ist eingeknickt, die Träger warten (hütet sie gut, wo immer sie lagern!) Vielleicht sollte die Stiftung Baukultur eine Bürgerinitiative starten: für die Vollendung des Bahnhofs und des Regierungsbandes mit Bürgerforum. Wenn Sie es nicht macht, mach ich es.