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30.08.2002

„Dialektische Fortsetzung Schinkels“

Kulka baut das Konzerthaus in Berlin um


Auf einer Pressekonferenz am 30. August 2002 stellte Peter Kulka (Köln, Dresden) seine Planungen für den teilweisen Umbau des Berliner Konzerthauses am Gendarmenmarkt vor. Das ehemalige Schauspielhaus von Karl Friedrich Schinkel, das zu den Meisterwerken der klassizistischen Architektur in Deutschland zählt, war im zweiten Weltkrieg bis auf die Umfassungsmauern zerstört und in der DDR als Konzerthaus wiederauf- und umgebaut worden.
Im Jahr 2000 beauftragte das Konzerthaus den Architekten, den Orchesterprobenraum im Nordflügel des Hauses zu einem modernen Mehrzwecksaal umzubauen, sowie ferner im Erdgeschoss eine neue Kassenhalle mit Café zu planen. Auf einen Wettbewerb für den Umbau habe man in diesem Fall verzichtet, so Intendant Frank Schneider vor der Presse, da man in Peter Kulka „den idealen Mann zur dialektischen Fortsetzung Schinkels“ gefunden habe. Auch die Finanzierung läuft nicht über öffentliche Gelder, sondern wird zum großen Teil durch eine private Spende des Versandhaus-Besitzers Werner Otto in Höhe von 4,5 Millionen Euro getragen. Kultursenator Thomas Flierl nannte dieses Zusammenwirken von Mäzenatentum und Privatinitiative einen „Weg mit Beispielwirkung“ für Berlin, und verwies auf den Umstand, daß Mäzene im öffentlichen Leben seit der Nazidiktatur selten geworden seien.

Seit Juni 2002 wird nun bei laufendem Betrieb gebaut am Gendarmenmarkt. Kulka wendet sich entschieden gegen die in der DDR praktizierte Aufnahme von Versatzstücken und Nachempfindungen des Schinkelschen Erbes - zu „schinkelich” ist ihm das Ergebnis. Und, so Kulka mit einem Verweis auf die Berliner Schlossdebatte, „wenn man einmal mit dem Lügen anfängt, wo hört man dann auf?“ Statt dessen setzt er auf Reduktion und hält sich an die Maßeinheiten und Proportionen der klassizistischen Architektur. Der Umbau des neuen „Werner-Otto-Saals“ wird durch drei klare Elemente bestimmt: Decke, Wand und Boden. Hinter einer abgehängten Lichtdecke aus Metall ist die aufwändige Technik „nur zu erahnen“; ein neuer Parkettfußboden, unterteilt auf der Basis des Gebäuderasters, ist auf einem Großteil der Fläche mit Hubbodenelementen versehen, die ansteigende Stufen, eine Arenafläche oder ebene Bühnen bilden können. Vor den Wänden schließlich sind raumhohe Holzelemente angebracht, mit denen sowohl der Raum in der Mitte geteilt als auch die großen Fenster geschlossen werden können. Mit edlen Materialien will Kulka im Geiste Schinkels weiterbauen: die Wandpaneele sind anthrazitfarben lackiert, der Boden aus dunkler Mooreiche, die Decke aus einem silbrig glänzenden Metall, das zusammen mit den darüber aufgehängten Leuchten eine „Lichtscheibe“ erzeugen soll.

In dem Saal soll ab Ende Februar 2003 am Tag wieder geprobt werden, und am Abend eine Reihe von Veranstaltungen stattfinden: von Aufführungen experimenteller Musik durch die freie Berliner Musikszene bis hin zu Galadiners mit bis zu 200 Gästen, für die der Saal auch gemietet werden kann.
Das Konzerthaus, das heute bereits in seinen weiteren Sälen etwa 350 Veranstaltungen im Jahr durchführt, will so die erstklassige Lage am Gendarmenmarkt nutzen, um einen Teil des Budgets privat zu finanzieren.

Die Galerie Aedes West, Savignyplatz, S-Bahnbogen 600, zeigt vom 30.08. - 13.10. 2002 die Ausstellung „Peter Kulka - Poesie elementar", in der die Planung für das Konzerthaus im Mittelpunkt steht. Die Öffnungszeiten sind Mo - So, 10.00 - 20.00 Uhr, ein Katalog für 10 Euro ist erschienen. Zur Eröffnung am 30. August 2002 um 18.30 Uhr wird der Architekt selbst anwesend sein.


Zum Thema:

Konzerthaus Berlin
Galerie Aedes
Büro Kulka


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Innenraumperspektive mit glattem Boden

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