Paulinerkirche, polymorph
Grundstein für Uni-Neubau in Leipzig
Am 15. Juli wurde am Leipziger Augustusplatz der Grundstein für den Neubau des innerstädtischen Campus der Universität Leipzig gelegt. Der Entwurf für den umstrittenen Neubau auf dem Gelände der 1968 abgerissenen Paulinerkirche stammt von dem niederländischen Architekten Erick van Egeraat (Rotterdam). Im März 2004 hatte sich Van Egeraat in einem Wettbewerbsverfahren durchsetzten können.
Sein Entwurf sieht einen polymorphen Baukörper vor, der mit vertikalen Fensterlisenen strukturiert ist. In dem skulpturalen Bau bildet sich deutlich die Ansicht einer Giebelfassade mit einer gotischen Rosette und einem Spitzbogenfenster ab, was einen Verweis auf die ehemalige Universitätskirche darstellt. An dieser Stelle soll die neue Aula der Universität untergebracht werden.
Der - abgesehen von dieser Reminiszenz - ansonsten klar modern ausformulierte Solitär konkurriert mit den Bauten des Gewandhauses, dem Uni-Hochhaus und der Oper und dürfte gleichzeitig dem Wunsch nach Erinnerung an die Kirche gerecht werden.
Auf einer Hauptnutzfläche von 9.000 Quadratmetern sind die Fakultät für Mathematik und Informatik, die Philologische Fakultät, Zentrale Dienste und die Verwaltung sowie die Kustodie der Universität untergebracht. Zusätzlich erhält dieser Gebäudekomplex einen großen Hörsaal mit 800 Sitzplätzen.
Wie andere moderne und durch mehr oder weniger offene Wettbewerbe ausgewählte Gebäude in Leipzig hat auch dieses Projekt eine lange Geschichte von Anfeindungen hinter und offenbar noch vor sich.
Nachdem die Ergebnisse des eines ersten Wettbewerbs durch die ahistorischen und rückwärtsgewandten Vorstellungen des so genannten „Paulinervereines“, der ursprünglich die Universitätskirche Sankt Pauli wiederaufbauen wollte, abgelehnt wurden, brach eine Reihe polemischer Debatten los. Ein deutliches Zeichen setzte das Rektorat der Leipziger Universität, das geschlossen zurücktrat, nachdem die sächsische Landesregierung für eine historisierende Lösung plädiert hatte. Zuletzt hatte Hans Kollhoff für Aufregung gesorgt, in dem er seinen bereits chancenlosen Entwurf, der ein drittes Hochhaus am Platz vorsah, in der Presse lancierte.
Anlässlich der Grundsteinlegung beklagte der Paulinerverein in einem offenen Brief nochmals die architektonische Gestaltung des Innenraumes der Uni-Aula.
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Henning Sigge
herr sigge, scheint uns mal wieder beweisen zu müssen, dass sein denunziatorisches vermögen weit über sein journalistisches hinaus reicht. es ist schon bemerkenswert , dass solche pöbeleien momentan zum guten ton in der deutschen architektschaft gehören, wie auch die diskussionen um den dresdener neumarkt, frankfurter krönungsweg oder das berliner stadtschloß zeigen. während man im gegenzug jedweden architektonischen mist "unserer zeit" unfreflektiert mit attituden wie "mutig" und "konsequent" verklärt. ich frag mich. sind das die letzten rückzugsgefechte einer klientel der langsam aufgeht, dass sie am markt (d.h. an den bedürfnissen der menschen) vorbei produziert? oder ist es einfach eine aus minderwertigkeitskomplexen gespeiste intoleranz? warum also dieses gekreische, wenn man so übezeugt ist, von dem was man für "das einzig wahre" hält?