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https://www.baunetz.de/meldungen/Meldungen_Bundesarbeitsgericht_in_Erfurt_bezogen_6153.html

19.11.1999

Repräsentanz und Bürgernähe

Bundesarbeitsgericht in Erfurt bezogen


Fast genau zehn Jahre nach dem Mauerfall konnte am 19. November 1999 der Umzug des Bundesarbeitsgerichts von Kassel nach Erfurt abgeschlossen werden.
Bereits 1995 hatte die Berliner Architektin Gesine Weinmiller mit ihrem Entwurf eines strengen monolithischen Baukörpers den Wettbewerb für sich entschieden.
Durch seine kompakte Form ermöglicht der viergeschossige Neubau einen großen Freiraum zu der angrenzenden barocken Festungsanlage. Der von dem verstorbenen Zürcher Landschaftsarchitekten Dieter Kienast geplante Park bildet durch die Freiheit seiner Gestaltung einen spannungsreichen Kontrast zur Strenge des Hauses. Die Architektin selbst sieht die Haltung ihres Entwurfs in einem „Spannungsfeld zwischen Offenheit und Intimität, zwischen Repräsentanz und Bürgernähe“.
Der Besucher nähert sich dem Gebäude über einen steinernen Innenhof und gelangt durch ein niedriges Entree mit Pförtnerloge in ein lichtes zweigeschossiges Foyer. Von diesem Raum aus werden alle öffentlichen Bereiche des Hauses erschlossen. Im Gegensatz zu Justizgebäuden vergangener Zeiten führt der Weg zu den Verhandlungssälen nicht nach oben, sondern über eine bewußt sehr flach gehaltene Treppe nach unten.
Das Gebäude ist streng achsialsymmetrisch geplant und verfügt über eine klare Nutzerstruktur, die die Orientierung erleichtert. Aus Sicherheitsgründen mußten öffentliche und interne Wege strikt getrennt werden.
Die Bibliothek im ersten Geschoß umschließt einen begrünten, begehbaren Innenhof. Durch die geringe Gebäudetiefe wird sie in allen Bereichen natürlich belichtet.
Das Gebäude ist als eine Stahlbeton-Pfosten-Riegel-Konstruktion ausgeführt, deren Achsfelder im Wechsel jeweils zu einem Drittel mit Schiefer-Paneelen ausgefacht sind. Durch die versetzte Anordnung der Paneele in den verschiedenen Stockwerken wird der kompakte Baukörper rhythmisiert. Dies wird zusätzlich unterstützt durch Glasschiebeläden, die als Sonnen- und Blendschutz individuell vor die Fenster gefahren werden können. Durch diese unterschiedlich plazierten Glasscheiben entsteht ein subtiles Farbspiel, das die Strenge der Fassade aufhebt.
Das Gebäude bietet auf 7.800 Quadratmetern Nutzfläche Raum für 200 Gerichtsmitarbeiter. Am 22. November können sie in den neuen Räumen die Arbeit aufnehmen.

Foto: Architekturbüro Weinmiller / Klaus Kinold


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