Dübendorfer Lückenschluss
Wohnkomplex von Localarchitecture
Die Schweizer Stadt Dübendorf östlich von Zürich assoziiert man in letzter Zeit verstärkt mit einem Experimentierfeld zur Kurskorrektur der Bauevolution in Richtung Nachhaltigkeit. Mit dem Modell- und Modulprojekt NEST erprobt dort die Eidgenössische Materialprüfungs- und Forschungsanstalt (EMPA) zukunftsfähige alternative Baupraktiken im Maßstab 1:1. Gleichzeitig tut sich in Dübendorf ein weiteres Experimentierfeld auf. Unter realen Bedingungen lässt sich hier der radiale Sog beobachten, der entsteht, wenn Wohn- und Lebensverhältnisse in Metropolregionen wie Zürich nicht mehr bezahlbar sind. Den Drift innerhalb der Agglomerationen fangen gerne mal Randgebiete auf, in denen bestenfalls noch verbleibende Konversionsflächen zur Verfügung stehen.
Das Zwicky-Areal im Grenzgebiet zwischen den Gemeinden Dübendorf und Wallisellen ist solch ein Ort. Auf der knapp 240.000 Quadratmeter großen, ehemaligen Industriebrache entstand in den letzten zwei Jahrzehnten ein Quartier mit Wohn- und gewerblicher Nutzung sowie Infrastruktur für rund 3000 Menschen. Die letzte große Lücke im Quartiersprojekt schließt nun im Auftrag der Zwicky & Co. AG sowie der Raiffeisen Pensionskasse Genossenschaft ein Ensemble bestehend aus fünf Einzelgebäuden, die über eine Tiefgarage verbunden sind. Auf einer Nutzfläche von insgesamt 35.504 Quadratmetern finden 220 Wohneinheiten, Einzelhandel und Arbeitsstätten Platz.
Für die Architekt*innen von Localarchitecture (Lausanne) bot sich laut eigenen Angaben die komplexeste Standortsituation innerhalb des Zwicky-Areals. Eingepfercht zwischen Autobahn, einer Hauptstraße, einer S-Bahn-Hochtrasse und dem Fluss Glatt sollte lebenswerter Wohn- und Freiraum entstehen. Gelöst haben sie die Herausforderung über die Anordnung der Baublöcke, die sich über den Fluss hinweg zum Zentrum des Zwicky-Areals hin öffnen und sich von der verkehrslastigen Umgebung über einen L-förmigen Baukörper abgrenzen. Die verbindende Ebene der Tiefgarage baut sich auf dem Gelände auf. Dadurch heben sich die halböffentlichen Innenhöfe vom öffentlichen Raum ab, was auch die Schallabgrenzung unterstützen soll.
Inspiriert vom Flussufer und der landschaftlichen Umgebung griffen die Architekt*innen Farben und fließende Formen in ihren Entwürfen auf. Auch zeugen unterschiedliche Grundrissgeometrien, Kubaturen und Farbnuancen von diesem kontextbezogenen Ansatz. In den Entwürfen lässt sich anhand eines weiteren subtilen Details der unterschiedliche Bedarf an Abgrenzung nach außen und Öffnung nach innen ablesen: Die Enden der Betonbodenplatten, die die verschiedenen Geschosse optisch markant trennen, sind außen dicker und verjüngen sich zur Mitte des Blocks hin. Lediglich das Gebäude im Zentrum weist äußerlich eine einheitlich dicke Geschosstrennung auf. Balkone, Loggien und Laubengänge öffnen sich ebenfalls zur Mitte. Dazu kommen Community Gärten, Fahrradzonen und Fußgängerwege, die den Eindruck einer Stadt in der Stadt verstärken. (sab)
Fotos: Seraina Wirz, Niklaus Spoerri
Passenderweise erschien mit der Baunetzwoche #494 eine nähere Betrachtung der "Quartiere im Nirgendwo - Wohnexperimente in der Zürcher Agglomeration", speziell zum genossenschaftlichen Wohnungsbau im Zwicky-Areal.
Denn da befinden sich ab Grundstücksgrenze ein Grünstreifen, ein durchaus geräumiger Platz mit belebenden Funktionen, die auch das - normalerweise stiefmütterlich behandelte - UG einbeziehen, eine zentral gut plazierte Treppe und dahinter richtig angeordnete, wenngleich schwach gestaltete, private Freianlagen.
Danke.
"Schichtung der Ebenen vom Fluss in den Hof ist gut durchdacht"
wow! supergefloskel für paar meter grundstücksgrenze !
Dann ist insbesondere der Freiraum doch nur eine Asphaltwüste, mit schwachem, weil räumlich unwirksamen Grünanteil. Die Fassade will pfiffig sein, ist aber dann doch nur eine eine abweisende Realisierung einer sicher coolen Computerzeichnung. Die technoide Fahrradunterbringung macht's dann leider auch nicht besser, sondern schlechter.
Das ist alles schade, denn die Schichtung der Ebenen vom Fluss in den Hof ist gut durchdacht, die öffentlichen Funktionen sind geschickt gesetzt und die Grundrisse finde ich persönlich sehr gelungen.
Man will sich singulär spiegeln. Es gibt solche Landschaften
Aussenräume werden hier durch mehr etwas schöner, Aufenthaltsqualitäten zu schaffen wird sehr schwer....
ach und die Architektur: langweilig