Aus eins mach drei
Wohnhausumbau von AMASA Estudio in Mexiko-Stadt
Kaum eine Nachbarschaft in Mexiko-Stadt ist so beliebt wie die Colonia Roma. Mit etlichen Bars und Restaurants wandelte sie sich zuletzt von einem reinen Wohn- zu einem hippen Ausgehviertel. Entsprechend rar geworden ist hier der Wohnraum, zumal bauliche Ergänzungen in dieser Lage nur selten genehmigt werden. Nicht zuletzt durch seine gute Ortskenntnis gelang es dem in Mexiko-Stadt angesiedelten AMASA Estudio dennoch, ein Wohnhaus in dieser Lage zu sanieren und durch einfache bauliche Ergänzungen zu erweitern.
Die Casa Sofia befindet sich innerhalb einer dichten Blockstruktur, unweit des Parque México. 1940 fertiggestellt, präsentiert sie sich in einfacher Ziegelbauweise, mit zwei Geschossen und einer Dachterrasse. Als Agustín Pereyra und Andrea López von AMASA Estudio von einem privaten Bauherrn den Auftrag für Sanierung und Umbau erhielten, war das Haus in einem sehr schlechten Zustand. Zuvor habe es mehr als zehn Jahre leer gestanden, schreiben die Architekt*innen. Die Spekulation mit Immobilien sei in der Gegend gängige Praxis.
Schnell war klar, dass schwerwiegende Eingriffe in die Struktur notwendig sein würden, was den Bauherrn vor zusätzliche finanzielle Herausforderungen stellte. Für dieses Problem fanden die Architekt*innen eine pragmatische Lösung: Sie schlugen vor, das gesamte Erdgeschoss als vermietbare Einheit umzubauen, um die hohen Baukosten langfristig durch eine verlässliche Einnahmequelle auszugleichen.
Durch den Umbau verlagerte sich die Wohnung der Bauherrschaft um eine Etage nach oben. Das bestehende erste Obergeschoss wurde mit vergleichsweise leichten Eingriffen so umgestaltet, dass es nun drei Schlafzimmer und zwei Badezimmer aufnimmt. Auf der Dachterrasse entstanden zusätzliche Räume für die Einheit, die die großzügige Wohnküche beherbergen. Was zunächst undenkbar schien, wurde durch einen Rücksprung von der Traufe und die leichte Bauweise der Aufstockung schließlich genehmigungsfähig. Ein Shed und das runde Oberlicht über der neuen Spindeltreppe schaffen eine weiche, diffuse Lichtstimmung.
Für die Konstruktion verwendeten AMASA Profilstahl und OSB-Platten, einfache Schönheitsreparaturen erfolgten in Beton. Der graue Kalkputz soll Licht reflektieren. Ein schmaler Schacht in der hinteren Ecke des Grundrisses bringt zusätzlich Tageslicht ins Erdgeschoss. Hier befindet sich die kleine Einliegerwohnung. Neben dem Haupteingang sahen AMASA noch eine weitere Einheit vor, die ursprünglich zwar als Garage gedacht war, dank des WCs jedoch auch als Gewerbeeinheit funktioniert. Und wer weiß, vielleicht eröffnet hier ja bald schon die nächste hippe Bar in der Colonia Roma. (tg)
- Fertigstellung:
- 2024
- Architektur:
- AMASA Estudio
- Projektteam:
- Andrea López, Agustín Pereyra, Cesar Huerta, Gerardo Reyes
- Bauherrschaft:
- Ecobiart Inmobiliaria
- Fläche:
- 215 m² Bruttogrundfläche
Ebenfalls in Mexiko-Stadt zeichneten AMASA Estudio für die Umgestaltung eines städtischen Platzes verantwortlich. Der petrolfarbene Anstrich der Stahlstruktur erinnert dabei an die Aufstockung der Casa Sofia.




