RSS NEWSLETTER

https://www.baunetz.de/meldungen/Meldungen-Wohnhausaufstockung_von_Baukombinat_in_Zuerich_10184429.html

07.01.2026

Zurück zur Meldung

Sozial verträglich abgetragen

Wohnhausaufstockung von Baukombinat in Zürich


Meldung einblenden

Nördlich der Feldstraße im Zürcher Stadtkreis Aussersihl entstanden im 19. Jahrhundert Stichstraßen mit Punktbauten, die sich von der sonst vorherrschenden Blockrandstruktur abhoben. Darunter auch der symmetrische Zeilenbau in der Gamperstraße, den der gleichnamige Händler 1894 errichten ließ. Durch den Ausbau der Bahntrasse vom Hauptbahnhof zur Hardbrücke wurde ein Großteil dieser Gebäude noch vor den 1970er Jahren abgerissen – bei einer nun geplanten Verlängerung der Lagerstraße ist auch der Abbruch des Mittelteils des Ensembles vorgesehen. Den voraussichtlich letzten an der Gleiskante verbleibenden Gebäudeteil, ein viergeschossiges Wohnhaus, stockten Baukombinat (Zürich) nun um zwei Wohnungen auf. Die Brutto-Gebäudekosten nach BKP 2 lagen bei 1,4 Millionen Schweizer Franken, circa 1,5 Millionen Euro.

Die Nachverdichtung führte das Team um Moritz Köhler und Leonce Gruber als Holzständerwerk und teilweise als Massivholzbau mit Massivholzdecken aus. Der sich verändernden städtebaulichen Situation begegneten sie selbstbewusst mit allseitig auffälligen Fassaden aus recyceltem Baustahl. Die Gliederung des aufgestockten Volumens durch die bündig gesetzten Metallplatten und zurückspringenden Fenster leitet sich lose von der ornamentierten Straßenfassade des gründerzeitlichen Bestands ab. Gleichzeitig bricht sie gezielt mit deren Symmetrie.

Entstanden sind zwei Maisonettewohnungen mit je fünf Zimmern auf insgesamt 280 Quadratmetern Bruttogrundfläche. Küche, Essen und Wohnen sowie Schlafzimmer wurden in beiden Einheiten um einen nutzungsoffenen Raum ergänzt, dessen Doppelflügeltür sich zum Wohnraum öffnet. Vertikal und diagonal tun sich Raumbezüge auf, jede Etage bietet zudem nutzbare Außenflächen – wobei die Erschließung der dritten Ebene recht steile Treppenführungen erforderte. Die Gestaltung der teils raumhohen Türen, der Bäder und Küchen übernahmen ebenfalls die Architekten. Hier standen Dauerhaftigkeit und Reparierbarkeit im Fokus. 

Im Bewusstsein um Verdrängungsprozesse, die oftmals mit Sanierungen und Nachverdichtungen einhergehen, sollten sich die Bauarbeiten möglichst nicht auf den Mietbetrieb des Bestandes auswirken. Mit dem im Hofgebäude ansässigen Spengler- und Dachdeckerbetrieb wurde zunächst ein behelfsmäßiges Flachdach mit Abflüssen zu den bestehenden Fallrohren eingezogen. Erst dann entfernte man das alte Dach. Sechs Punktfundamente übertragen die Kräfte analog zum ehemaligen Dachstuhl auf die Mauern des Bestands. So konnte auf Eingriffe in diesen verzichtet werden. Die Mieterschaft blieb während der Bauzeit des Projektes in ihren Wohnungen und behielt ihre Mietverträge. (kms)

Fotos: Gerry Amstutz


Dieses Objekt & Umgebung auf BauNetz-Maps anzeigen:
BauNetz-Maps


Kommentare
...geben nicht die Meinung der Redaktion wieder, sondern ausschließlich die ihrer jeweiligen Verfasserinnen und Verfasser.

8

grauweiss | 08.01.2026 17:28 Uhr

warum nur

diese egozentrik?

7

Mainzer | 08.01.2026 16:01 Uhr

Einfach besser Bauen

... ist oft gar nicht so einfach:

Gruselige Dachaufstockung! Nur erträglich, da die SD-Nachbarhäuser auf derartig plumpe Nachverdichtung bislang (noch) verzichten ...

6

Arcseyler | 08.01.2026 12:28 Uhr

.de

Tja das Problem der Verräumlichung auf einem sich schon selbst genügenden Baukörper. Vielleicht ein deutlicheres Spaltmaß. Eine materielle Auflösung in einer Linie wie beim Auto.

5

LaManta | 08.01.2026 08:57 Uhr

iHuaP

Innen hui und aussen pfui!

4

... | 07.01.2026 22:01 Uhr

über geschmack lässt sich sicher streiten...

...aber was zum himmel ist an diesem null-acht-fünfzehn-gebäude mit seiner hübschen fassadengliederung und -ornamentierung so aussergewöhnlich, dass man da nicht eine harte metallkiste draufsetzen kann? es sind ja nicht der taj mahal, die pyramiden von gizeh oder der eiffelturm, die hier aufgestockt werden. die bilder 4, 15 und 16 illustrieren ja aussserdem sehr gut in welchem kontext der eingriff steht: das ding befindet sich in unmittelbarer nähe zur hardbrücke und zu einer der am massivsten von infrastrukturellen und (post-)industriellen maßstäben und brüchen geprägten gegenden der westschweiz.

3

Bauherr | 07.01.2026 21:02 Uhr

Grausam

Das ist doch ein schoenes Beispiel , wieso "moderne" Architekur jegliche gesellschaftliche Aktzeptanz verliert. Kein Bezug zum Umfeld, ein UFO landet auf dem Dach. Das sieht doch schon in 5 Jahren ueberholt aus. Aber da traegt der Bauherr natuerlich die Hauptschuld, er haette ja auch etwas Bekoemmliches bestellen koennen. Gruseliges Gewolltsein.

2

Nils | 07.01.2026 18:22 Uhr

Angsteinflößend

Dieser aufgesetzte Metall-Kasten lässt jegliches Gefühl für die Handwerkskunst, die Proprtionen und die Geschichte des Bestandes vermissen.

Also ich find's einfach nur respeklos. Zum Glück dürfen die ihr Unwesen nur in Zürich treiben und nicht am Taj Mahal, den Pyramiden von Gizeh oder dem Eifellturm.

1

fjh | 07.01.2026 17:34 Uhr

Aufstocken

Innen sicherlich zwei ambitionierte Wohnungen, in denen sich vortrefflich leben lässt.Aber krasser als auf Bild 5 sichtbar lässt sich das nicht in Worte fassen, was hier passiert. Das ist schon ein "starkes Stück", da helfen auch die teils übernommenen Fensterachsen nix!

 
Mein Kommentar
Name*:
Betreff*:
Kommentar*:
E-Mail*:

(wird nicht veröffentlicht)

Zur Durchführung dieses Service werden Ihre Daten gespeichert. Sie werden nicht an Dritte weitergegeben! Näheres erläutern die Hinweise zum Datenschutz.


Die Eingabe einer E-Mail-Adresse ist zwingend, um einen Kommentar veröffentlichen zu können. Die E-Mail ist jedoch nur durch die Redaktion einsehbar und wird nicht veröffentlicht!


Ihre Kommentare werden nicht sofort veröffentlicht. Bitte beachten Sie unsere Regeln.




Alle Meldungen

<

07.01.2026

Segel für den Ozean

Forschungszentrum in Kiel von Staab Architekten

07.01.2026

Lesehügel für Rio de Janeiro

Kéré Architecture planen Bibliothek

>
baunetz CAMPUS
Kühler als Kulturerbe
baunetz interior|design
Tradition, neu interpretiert
Baunetz Architekt*innen
kaestle&ocker
vgwort