Rezyklierter Berggipfel
Wohnhaus von Wallmakers in Südindien
Auf einer Hügelspitze in Pothencode, einer Stadt des Distrikts Trivandrum im südindischen Bundesstaat Kerala, steht ein Wohnhaus für eine Familie in wild bewucherter Landschaft. Das Gebäude mit einer Fläche von rund 180 Quadratmetern wurde an der höchsten Stelle des dort befindlichen Waldes errichtet und trägt den Namen „Shikhara“, was wörtlich übersetzt „Berggipfel“ bedeutet.
Die Architekten Wallmakers entwickelten das Gebäude ausgehend von einer zum Schutz vor der Westsonne nahezu vollständig geschlossenen Wandscheibe. Sie erstreckt sich entlang des Grundstücks über zwei Ebenen und trifft am oberen Ende auf drei weitere, spitz zulaufende Wände, die gemeinsam das „Shikhara“ des Hauses formen.
Das Projekt lässt die Grenzen zwischen außen und innen verschwimmen. So öffnet sich die Decke des Wohnraums, und Regen dringt direkt in das Gebäude ein. Aufgefangen wird das Wasser in einem darunter liegenden Dreieck, aus dem eine Pflanze wächst. Eine perforierte Aluminiumfassade, die sich auch in Wellenform an eine offene Treppe schmiegt, soll für ausreichend Licht im Inneren sorgen und das massive Konstrukt der geschlossenen Mauern durchbrechen.
Die Farbe des Hauses gibt zu erkennen, dass die Wände aus der vor Ort vorgefundenen Erde bestehen. Das Material, das durch den Aushub des Regenwassersammeltanks und des Kellers gewonnen wurde, eignete sich jedoch aufgrund eines zu hohen Anteils an Schutt und Steinen nicht für die herkömmliche Lehmbauweise. Eine patentierte Technik ermöglichte es den Architekten, die verunreinigte Mischung dennoch für die Herstellung der Wände zu nutzen. Das sogenannte „Shuttered Debris Wall“-Verfahren basiert auf dem Verschalen von Bauschutt gemeinsam mit Zement und Erde und könnte ein großes Umweltproblem der Baubranche lösen. Auf nachhaltige Baupraktiken legen die Wallmakers prinzipiell wert: Im Haus kamen auch Holzabfälle bei der Anfertigung von Betten, Küchenschränken und Türen zum Einsatz. (tp)
Fotos: Jino Sam, Chirantan Khastgir, Siddhartan, Akash Sharma
Das ist in erster Linie jetzt weniger eine Anklage gegen das interessante Haus als vielmehr die Frage, ob Architekturfotografie heute eigentlich noch irgendwas leisten will?
Gibt es Veröffentlichungen über das "Shuttered Debris Wall"-Verfahren? Das erscheint mir radikal gut zu sein.
Insgesamt macht das Gebäude einfach Spaß, die Raumfolgen sind einfach schlüssig. Die Formen fließen ineinander und das Spiel mit den Formen ergibt durchaus spannende räumliche Fügungen und Situationen. Außerdem entstehen spannende Licht- und Blicksituationen.
Was ich nicht verstehe ist die komische Klappe außerhalb des Fugenbildes in Bild 11.
Allen ein schönes Wochenende!