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25.09.2019

Kork in Eton

Wohnhaus von Matthew Barnett Howland


Neun ungestörte Jahre braucht die Rinde der portugiesischen Korkeiche, um wieder nachzuwachsen und auf die unter Pflanzen seltene Stärke von mehreren Zentimetern zu kommen. Aus ihr wird das hochwertige Material Kork gewonnen, das auch für die (nachhaltige) Bauindustrie immer interessanter wird. Für das kleine Haus in der englischen Grafschaft Berkshire von Matthew Barnett Howland mit Dido Milne und Oliver Wilton wurden nicht etwa der Fußboden oder die Flaschenkorken für den Eröffnungssekt aus dem pflanzlichen Material gefertigt, vielmehr besteht die gesamte Struktur aus Kork. Als Erstes seiner Art räumte das Häuschen dieses Jahr gleich drei RIBA Awards ab.

Das Haus aus Kork befindet sich auf einer kleinen Insel in der Themse im Ort Eton, in der Nachbarschaft liegt die gotische Eton College Kapelle. Die archaisch anmutende Kubatur des Hauses stellt sich als fünf aneinandergereihte Pyramidenstümpfe mit Oberlichtern dar, die zwischen den umliegenden Bäumen und Sträuchern herausragen. Das prototypische Wohnhaus zeigt ein exemplarisches Raumprogramm, das auf 44 Quadratmetern ein Schlafzimmer, ein Wohn- und Esszimmer mit Kochnische, ein kleines Wannenbad sowie eine Diele beherbergt. Der Clue dabei: Einem einzigen Material ist der sonst komplexe mehrschichtige Wandaufbau eines zeitgenössischen Wohnhauses gewichen, so formen 1.268 ineinandergreifende Korkblöcke Wände und Dächer. Keine anderen Dämmstoffe, Kleber oder Putz kommen in der Konstruktion vor.

Konsequent verwenden die Architekten nur Holz als ergänzendes Material. Schwarz gebeiztes Accoya-Holz für das Tragwerk, Türen und Fenster, Dielen aus Eiche und Möbel aus kreuzlaminierter Fichte und englischer Pappeleiche. Haptik und Sensorik nehmen durch die Beschaffenheit der Materialien, vor allem durch das weiche, warme und hölzern riechende Kork einen besonderen Stellenwert in dem Entwurf ein.

Das Gebäude ist durch eine Zusammenarbeit der Bartlett School of Architecture UCL, der Architekt*innen und des Ingenieurbüros ARUP entstanden. Voraus ging dem Entwurf eine sorgfältige Recherche und Forschung im Hinblick auf ökologisches Bauen und Möglichkeiten der Selbstmontage. Die Konstruktion ist als Bausatz konzipiert. Die einzelnen Blöcke werden aus Korkgranulat – einem Abfallprodukt der Industrie – mechanisch komprimiert und wie ein Lego-System zusammengesteckt. Dadurch kann das Haus in kurzer Zeit und ohne großen Aufwand auf- oder wieder abgebaut werden. Hinzu kommen Feuerfestigkeit und geringe Wärmeleitfähigkeit des Materials, die es zu einer ökologischen Alternative zu konventionellen Dämmstoffen macht.

Auch bei dem in der Nachaltigkeitsdebatte teils etwas vernachlässigte Thema der Biodiversität kann das Korkhaus punkten. So sind die Korkeichenlandschaften als Ressource reich an biologischer Vielfalt – und die Bäume werden für ein solchers Korkhaus nicht gefällt. Ein weiterer Trommelwirbel in punkto Nachhaltigkeit: Das Gebäude ist CO2-negativ, das heißt es hat mehr Kohlendioxid gebunden als es während des gesamten Bauprozess emittiert hat. (kg)

Fotos: Alex de Rijke, David Grandorge, Magnus Dennis and Ricky Jones


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