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10.03.2020

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Stählernes Raumgerüst

Wohnhaus nahe Valencia von Space Popular


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Santa Bàrbara ist ein Vorort etwa 15 Kilometer nördlich von Valencia an der spanischen Mittelmeerküste. In dessen suburbanem Häuserteppich hat das junge Londoner Büro Space Popular zusammen mit den spanischen Kontaktarchitekten Estudio Alberto Burgos und Javier Cortina Maruenda ein bemerkenswertes Wohnhaus für einen privaten Bauherren konzipiert.

Das längliche Grundstück an der Carrer Riu Turia besetzten die Architekt*innen mit einem in freundlichem Grün gestrichenen Stahlgerüst, das fast würfelförmige Raummodule entstehen lässt: drei auf fünf Felder im Grundriss und, dem abfallenden Gelände folgend, zweieinhalb Stockwerke hoch. Die Kantenlänge der Module betragen jeweils 3,75 x 3,75 Meter und 3,16 Meter in der Höhe. Die quadratischen Hohlprofil-Stangen messen 10 x 10 Zentimeter und wurden an einigen Stellen mit I-Profilen verstärkt. Im Rohbau sah das Gebilde wie ein Klettergerüst aus und Nachbarn fragten, ob dort ein Supermarkt entstünde. So erzählte es Fredrik Hellberg, Architekt bei Space Popular dem Guardian.   

Im Rücken des Hauses verläuft eine Schnellstraße. Hier verbergen sich der Haupteingang und zwei Auto-Stellplätze hinter einer unauffälligen, weißen Mauer. Ein alter Baum wurde belassen, ansonsten orientiert sich das Haus ganz nach Südwesten mit Blick über Valencia aufs Meer. Die Parzellen an der Straße sind nur lückenhaft bebaut, noch fehlen dem Neubau die Nachbarn. Das grüne Stahlgerüst, das auf den ersten Blick wie eine Pergola wirkt, haben die Architekt*innen außen und innen sichtbar gelassen und locker mit Räumen gefüllt. Im ersten Stock liegen ein kleines Schlafzimmer, der Hauswirtschaftsraum und ein Wohnbereich mit Garten vor der Tür. Im zweiten Stock findet sich die offene Küche und der große, zentrale Wohnraum, die „Lounge“ – ebenfalls mit einer Terrasse und weitem Ausblick durch raumhohe Glasscheiben. Der dritte Stock umfasst kleinere, geschlossenere Räume: drei Schlaf- und zwei Badezimmer sowie zwei Terrassen. Insgesamt kommt das Haus auf 235 Quadratmeter Wohnfläche.

Neben dem grünen Raumgitter, das im ganzen Haus präsent ist und innen und außen verschmelzen lässt, sind die Decken der bemerkenswerteste Bestandteil dieses Hauses. Um flache Stahlbetonplatten zu vermeiden, entschieden sich die Architekt*innen für Ziegelleichtgewölbe, die optisch an hiesige Kappendecken aus dem Industriebau denken lassen. Diese hier sind allerdings eine örtliche Spezialität: Es handelt sich um „Gustavino-Gewölbe“, benannt nach dem Industriearchitekten Rafael Gustavino, der sich diese Variante des katalanischen Gewölbes 1892 in den USA patentieren ließ. Sie werden ohne Schalung und Rüstung gebaut, die Steine werden ineinander gesteckt und Schicht für Schicht mit einem schnell härtenden Mörtel verbunden. Dass das mit geübten, lokalen Handwerkern durchaus auch Spaß machen kann, zeigt sich bei diesem Wohngebäude besonders im Treppenhaus, wo Gewölbe mit unterschiedlichen Krümmungen ineinander geschnitten wurden.

So konnte das Brick Vault House fast gänzlich ohne Beton gebaut werden, weder Kran noch Mischwagen wurden benötigt, was den CO2-Verbrauch der Konstruktion reduziert. Nur die Fundamente des Gerüsts brauchten etwas Beton, der aber vor Ort hergestellt wurde. Das stählerne Grundgerüst lässt Raum für künftige Erweiterungen. Derweil kann dieses Gebäude, so Lara Lesmes, die zweite Partnerin bei Space Popular, von seinen Nutzern wie eine Mischung aus Haus und Zelt in Besitz genommen werden: An den immergrünen Stahlstangen entlang der Außenräume lassen sich Sonnenschutz oder Hängematten befestigen, ebenso können sie zum Ausklopfen von Teppichen, für Klimmzüge oder Kletterpflanzen dienen. Die Bewohner werden sich schon etwas einfallen lassen. (fh)

Fotos: Mariela Apollonio


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Kommentare

4

Windisch | 12.03.2020 10:19 Uhr

Bin einmal durch

Auf keinem der Fotos konnte ich eine trostlose Atmosphäre erkennen. Das Haus ist um Längen besser als 99,5% der neu gebauten Häuser, die ich in Spanien so kennengelernt habe. Würde ich sofort einziehen.

3

Lars K | 11.03.2020 13:18 Uhr

Valencia

Hip
Hipster
ich kann nicht mehr.

Liegts an den streng nach FvF riechenden Fotos? An der Möblierung? An den in trendigen Magazinen blätternden Menschen? Oder eben doch an der Architektur? Oder an allem zusammen?

2

ol_wei | 11.03.2020 08:43 Uhr

gelungen

ich finde die atmosphäre alles andere als trostlos

1

auch ein | 10.03.2020 16:34 Uhr

architekt

"Neben dem grünen Raumgitter, das im ganzen Haus präsent ist und innen und außen verschmelzen lässt, sind die Decken der bemerkenswerteste Bestandteil dieses Hauses"

sehr eigentümlich: man macht ein raster (was bringt es aussen ausser dass man eine Hängematte dranhängen kann?), das definiert Kanten.
Diese verunklärt man indem man Steinbögen reinspannt(mit mords Material- und Zeitaufwand).

Damit rutscht der Boden "nach oben" und im Schnitt (wie es derDetailschnitt zeigen würde) ist er im Raster.

Zuviele Prinzipien die sich beissen,

Und eine trostlose Atmosphäre schaffen die Materialien auch noch, mehr Grün (nicht in Lack-Form) dürfte es auch sein.....

 
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Ungewöhnlicher Anblick: das Wohnhaus von Südwesten gesehen.

Ungewöhnlicher Anblick: das Wohnhaus von Südwesten gesehen.

Ein grünes Stahlgerüst dominiert den Bau, hier der Blick von Westen.

Ein grünes Stahlgerüst dominiert den Bau, hier der Blick von Westen.

Überall im Haus entstehen Blickbeziehungen zwischen den Etagen.

Überall im Haus entstehen Blickbeziehungen zwischen den Etagen.

Die Innenräume sind durch „Gustavino-Gewölbe“ charakterisiert.

Die Innenräume sind durch „Gustavino-Gewölbe“ charakterisiert.

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