Zwischen Park und Parkhaus
Wohngebäude von KSP Engel in Berlin
Berlin braucht Wohnraum, Autos hingegen sollen – idealerweise – mehr und mehr aus der Stadtmitte verschwinden. Umnutzungsvorhaben wie dieses könnte es daher in der Hauptstadt künftig des Öfteren geben: Ein nicht ausgelasteter Parkhausriegel entlang des Parks am Gleisdreieck zwischen den Stadtvierteln Kreuzberg und Schöneberg wurde teilweise rückgebaut, auf der frei werdenden Fläche entstanden 178 neue Wohnungen. Entworfen und geplant wurde das vom Immobilienentwickler Bauwens Development beauftragte Projekt vom Berliner Büro von KSP Engel. Vorausgegangen war ein Wettbewerbsgewinn des Büros im Jahr 2014.
Die Hochgarage, die sich am U-Bahnhof Gleisdreieck entlang der Trasse der U-Bahnlinie 2 erstreckt, wurde Ende der 1990er Jahre nach einem Entwurf von Renzo Piano für die Daimler-Benz-Dienstleistungstochter debis gebaut und sollte zusätzliche Parkmöglichkeiten für den nahe gelegenen Potsdamer Platz bieten. Sie stand jedoch meistenteils leer. Nun wurde der westliche Längsteil des Bestandsbaus durch einen Neubau ersetzt, der vier sechsgeschossige Wohnhäuser in gestaffelter Reihung umfasst. Sie grenzen unmittelbar an den hier immer spitzer zulaufenden Park, der zwischen 2011 und 2014 in mehreren Abschnitten auf einem zuvor lange brachliegenden Bahnareal entstand. Ursprünglich waren an seinen Rändern aufgrund des hohen Lärmpegels durch zwei sich kreuzende, oberirdisch verlaufende U-Bahn-Trassen vor allem Büro- und Gewerbehochhäuser sowie Gastronomie geplant. Mittlerweile wird der sogenannte Westpark jedoch von einer dicht gesetzten Wohnbebauung flankiert.
KSP Engel stellten zwischen die beiden tonnenförmigen Kopfbauten des Piano-Baus, in denen sich die Auf- und Abfahrtsrampen des Parkhauses befinden, eine 185 Meter lange Gebäudeformation. Die leicht schräg ausgerichteten, durchgehenden Balkone orientieren sich in Richtung Sonne und Park, dahinter öffnet sich die Fassade mit raumhohen Verglasungen. Ein Stabgeländer aus dünnen Finnen lässt die Balkone je nach Blickwinkel eher blickdicht oder eher transparent erscheinen. Auf der Gebäuderückseite schirmt der erhalten gebliebene Teil des Bestands die Wohnhäuser zu den U-Bahn-Gleisen hin ab. Hier entstanden mehrere kleine Lichthöfe mit begrünten Brand- und Schallschutzwänden, die als Lärmpuffer gedacht sind und Belichtung, Belüftung, Akustik und Mikroklima verbessern sollen.
Auf 17.800 Quadratmetern Bruttogrundfläche beherbergt der Komplex sowohl Single-Appartements und Maisonettewohnungen als auch exklusive Penthäuser mit großen Dachterrassen. Während die kleinen Wohneinheiten mit 24 bis 51 Quadratmetern Größe bevorzugt im ersten Gebäudeabschnitt untergebracht wurden, umfassen die anderen drei Häuser je 34 Wohnungen unterschiedlicher Größe. Die mit Blick auf Familien konzipierten Maisonettes liegen im Erdgeschoss und verfügen über Vorgärten mit direktem Zugang zum Park. (da)
Fotos: Adrian Schulz
danke, genau so ist es. Leider gibt es für Berlin keine verlässlichen Zahlen, aber ich vermute, dass ein Großteil der Neubauten in Berlin faktisch leersteht, aber offiziell Dritt- oder Viertwohnung ist. Ein Makler eines Neubaus in der Zimmerstraße (Ex-Mauerstreifen) sagte mir einmal im Vertrauen, dass in dem ganzen Haus (mit -zig Wohnungen niemand wohnen werde, "höchstens die Tochter, wenn sie mal in Berlin studiert". Die Wohnungen würden von Leuten gekauft, "die haben das Geld auf dem Girokonto, das muss da weg".
Meine Beobachtungen ganzer Blöcke zwischen Kreuzberg und Mitte gehen in die selben Richtungen: offiziell vermietet, faktisch leerstehend. Ist ja auch kein Wunder, da die Preise sich kaum jemand leisten kann.
Zum Kommentar drei,
wenn du unter Architektur ausschließlich "Gestaltung" und "Idee" verstehst, dann hoffe ich, dass du nicht als Architekt arbeitest.
Der Wert unvermieteter Wohnungen ist deutlich höher, bei niedrigem Kreditzins lohnt sich das. Mieter mit Zeitvertrag auszustatten wird da oft als unnötiges Risiko gesehen, die könnten ja Klagen!
Steuerlich greift bei Wohnungen die nur zu Selbstzwecken genutzt werden (was man bei Leerstand de facto so deklariert) die Spekulationssteuer nicht.
Ich hoffe, dass die Angst vor der Linken Ecke da ein bisschen genommen wird und das "setzen, 6" vielleicht angepasst wird.