Hoch hinaus in Berlin
Wettbewerb am Gleisdreieck entschieden
„Hyper-urban“ soll es werden in Berlin. Dort wo in den letzten Jahren auf den ehemaligen Brachflächen des Potsdamer und des Anhalter Güterbahnhofs ein großzügiger Park entstand, plant die COPRO Gruppe jetzt eine „Urbane Mitte am Gleisdreieck“. Wie diese gewünschte Urbanität aussehen soll, zeigen die beiden Gewinnerentwürfe der Berliner Architekturbüros COBE Berlin und Ortner & Ortner Baukunst, die sich den ersten Platz im städtebaulichen Planungswettbewerb teilen. Das Ergebnis wurde gestern bekannt gegeben.
Das Baugrundstück liegt zwischen dem Bahnhof Gleisdreieck, der von Nord nach Süd verlaufenden Bahntrasse und der Luckenwalder Straße im Norden und wird von den Linien der U1 und der U2 durchschnitten. Auf einer Fläche von knapp 43.000 Quadratmetern sollen dort ab 2018 Büro- und Gewerbeflächen entstehen, sowie Einrichtungen für Kunst, Kultur, Freizeit und Versorgung. Wohnen ist aufgrund des hohen Lärmpegels durch die nahe gelegene Bahn nur in geringem Maße geplant.
Vorausgegangen war dem Wettbewerb ein Konsenskonzept, das in einem Werkstattverfahren mit der Eigentümerin, Bezirksvertretern, Experten und Bürgern erarbeitet wurde. Es bildete die Grundlage für den städtebaulichen Planungswettbewerb zu dem 25 Architekturbüros geladen wurden. Die darin enthaltenen Vorgaben sahen unter anderem die Integration des denkmalgeschützten U-Bahn-Kreuzes und der dazugehörigen Gleisanlagen sowie die Einbindung der neu geplanten S21 vor. Insgesamt sieben von 22 eingereichten Projekten gelangten in die zweite Phase des Wettbewerbs. Die Beiträge von Ingenhoven Architects und Sauerbruch + Hutton wurden außerdem mit einer Anerkennung ausgezeichnet.
Laut der Jury sei es den beiden Gewinnern am besten gelungen, „die Identität, die Geschichte sowie die Werte des Ortes und seines Umfeldes zu berücksichtigen“. Ortner & Ortner Baukunst entwarfen sieben Hochhäuser mit konischen Grundrissen, die über Sockelgeschosse verbunden werden. Auch der Entwurf von COBE sieht mehrere Hochhausbauten vor, die auf Sockelbauten sitzen. Für den südlichen Teil des Grundstücks planten sie anstatt eines weiteren Hochhauses jedoch einen Blockrand.
Die Entwürfe aller Wettbewerbsteilnehmer sind von 3. bis 5. Dezember in den Hallen an der Ladestraße des Deutschen Technikmuseums, in der Möckernstraße 26, Berlin zu besichtigen.
Auch wenn es mal wieder nur ein geladener Wettbewerb war, interessieren doch die Entwürfe der "Verlierer".... und der Verdacht kommt auf, dass sich die Jury (wer war das eigentlich) mal a la berlinese nichts ausser hohen Kisten getraut hat. Hochhäuser sind total ok, doch die Gewinnerentwürfe scheinen weit zurück in der Vergangenheit und fern von jeder zeitgemäßen internationalen Architekturdebatte....
Insgesamt ist der eingeschlagene Weg der frühzeitigen Bürger-Beteiligung interessant. Mal sehen, wie nach Bekanntgabe dieser beiden Sieger die Bereitschaft der Anwohner, sich einzubringen zu-/abnimmt. Zu befürchten ist, dass hier mit einer reflexhaften Ablehnung mit den üblichen Platitüden à la Kommentar Nr 4. (Investorenarchitektur, berlingerecht, die Weite, das Unfertige...) reagiert wird.
Allerdings wird bei den besseren Entwürfen hier in China gerne auch mal die Hochhausbebauung mit kleinteiliger, niedriger Bebauung für die Kreativindustrie, für Restaurants und Bars oder für 'lifestyle shopping' kombiniert. Warum geht sowas in Berlin nicht?