Kachel und Glanz in Antwerpen
Wohnblock von META, KGDVS, noAarchitecten und de vylder vinck taillieu
Slow Urbanism ist das Credo im Antwerpener Hafen, zu dem sich jüngst auch vier junge belgische Architekturbüros bekannten: META (Antwerpen), Office KGDVS, noAarchitecten (beide Brüssel) und Architecten de vylder vinck taillieu (Gent). Dass Hafengebiete heiße Pflaster für Stadterweiterungen sind, ist bekannt, doch gibt es meilenweite Unterschiede in der Herangehensweise. Während im unweit gelegenen Rotterdamer Hafen auf gewaltige Verdichtung gesetzt wird, wie beispielsweise OMA's „vertikale Stadt“ zeigt, geht es in Antwerpen behutsamer zu.
Ein Blick in die Geschichte des belgischen Hafens verrät, dass das einst quirlige „Eilandje“ mit seinen historischen Speichern und schmalen Wohnhäuschen seit dem Aufkommen der Containerschifffahrt in den 1960er Jahren zunehmend entvölkert wurde. Traditionelle Fischerei war nicht mehr möglich. Seit 2002 nun wird das Areal, aus einem städtebaulichen Wettbewerb resultierend, nach Ideen von Architekt Manuel Solá-Morales peu à peu an die Antwerpener Innenstadt angegliedert. Wenngleich die planerische Devise Behutsamkeit und Zurückhaltung lautet, setzt die Subtilität doch in einigen Fällen aus. Beispiele sind Zaha Hadids Hafenverwaltung, das Museum Aan de Stroom von Neutelings Riedijk oder die sechs Hochhäuser am Westkaai von Diener + Diener Architekten, David Chipperfield Architects und Tony Fretton Architects.
Vier Büros, vier Häuser, ein Raster
Das nun fertiggestellte Projekt KAAI37 schließt eine der letzten Lücken auf dem Eilandje. In einem gemeinschaftlichen Entwurf gestalteten die vier belgischen Büros – als Gewinner eines von der städtischen Immobiliengesellschaft AG Vespa organisierten Wettbewerbs – den südlichen Teil eines Wohnblocks. Vier Wohnhäuser, jedes Büro entwarf eins, formen einen u-förmigen Innenhof, der vom Rotterdamer Büro West 8 gestaltet wurde.
Auf 8.500 Quadratmetern Grundfläche schufen die jungen Architektinnen einen Baustein, der insgesamt 77 Wohn- und vier Gewerbeeinheiten Platz bietet. Das zugrundeliegende Raster zieht sich in abgewandelter Form durch die äußere Erscheinung aller Gebäude und nimmt Bezug auf die umliegenden Lagerhäuser. Kacheln an der Fassade und viel Grün soll den Eindruck von Zusammengehörigkeit vermitteln.
Abwechslung in der Gestaltung
Balkone durchbrechen die gekachelte Fassade des von Office KGDVS geplanten Wohnhauses und sollen damit auf die Typologie der umliegenden Lagerhäuser verweisen, deren Fassaden ebenfalls gen Wasser vorspringen. Auf vier Geschossen und einem Staffelgeschoss wurden hier elf Wohn- und zwei Gewerbeeinheiten mit Ausrichtung zum Wasser untergebracht. Dem Wohnhaus von META verleihen vorgefertigte, tragende Rahmenteile aus Beton ein Strukturkleid. Messingfarbene Balkon- und Verschattungselemente schaffen einen Kontrast zum glanzlosen, grünlich gefärbten Beton.
Das dritte Glied in der Viererreihe sitzt an der südwestlichen Ecke des Blocks: Auf der dunkelgrün glasierten Kachelfassade lassen noAarchitecten die Fenster durch Versetzen "tanzen", um das Raumprogramm abzubilden. Dieses umfasst Duplexwohnungen, Ein-Zimmer-Studios sowie Penthouse-Wohnungen. Die portugiesischen Kacheln sind in weißen Kreuzfugen verlegt, die vom Nachbargebäude aufgegriffen wird. So spielt der Eckbau von Architecten de vylder vinck taillieu mit matt- und weißglänzenden Riemchen, grünen Fugen und einer wechselnden Anordnung der Steine. Der gesamte Bauabschnitt – und somit alle vier Neubauten – setzen auf Passivhaus-Standard.
Text: Elisabeth Haentjes
Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version hieß es: „Mit einem Budget von 1,43 Millionen Euro schufen die jungen Architektinnen auf 8.500 Quadratmetern Grundfläche einen Baustein, der insgesamt 77 Wohn- und vier Gewerbeeinheiten Platz bietet.“ Die Aussage wurde präszisiert. Die Kostenangabe von 1,43 Millionen Euro bezieht sich ausschließlich auf die 11 Wohneinheiten und zwei Gewerbeeinheiten des Abschnittes, der von Office KGDVS geplant wurde.
Trotzdem wären mir als Bewohner breitere Flure und ein möblierbares Zimmer lieber gewesen als unsichtbare Fallrohre ;)
Außen liegende Fallrohre wären nach meinem Dafürhalten der linke und rechte Hand- und Armbruch gewesen!
Das Wasser wird folglich nicht durch die Dämmebene geführt. Ansonsten sind doch schöne Projekte entstanden, die man in Deutschland in dieser Qualität selten findet.
Ansonsten halte ich die Gestaltung der Fassaden im Zusammenspiel der verschiedenen Architekten für sehr gelungen und frisch! Die in der Dämmebene geführte Entwässerung der Balkone hat immer das Potential die Fassade zu zerstören, meiner Meinung nach hätten außenliegende, sauber geführte Fallrohre (evtl. farbig) dem Haus nicht weh getan. Problem war wahrscheinlich, dass dann die Balkone schlecht genauso breit wie die Fenster sein können.
Dass das Wasser auf dem Balkon zur Fassade geführt wird, war auch für mich zu erkennen. Nur wie geht es dann weiter? So wie ich das sehe, müsste im Bereich des Isokorbs eine Leitung zu einem in der Dämmebene befindlichen Fallrohr geführt werden. Das muss man erst einmal den Fachplanern verklickern!