Im Hafen von Antwerpen
Verwaltungsbau von Zaha Hadid Architects
Der Hafen von Antwerpen ist nach Rotterdam der zweitgrößte Europas: Eine schier endlose künstliche Landschaft aus Wasserbecken, Kaimauern und Lagerhäusern. Der Maßstab ist hier nicht der Mensch, sondern die riesigen Schiffe, die langsam vorüberziehen. Das alles muss man bedenken, wenn man das jüngste Gebäude von Zaha Hadid Architects (London) betrachtet. Das vor kurzem fertiggestellte Verwaltungsgebäude der Hafengesellschaft ist in seiner Geste vielleicht radikal, dafür behauptet es sich aber sehr gut in dieser weiten Umgebung.
Der Neubau löst eines jener Probleme, das viele historisch gewachsene Organisationen irgendwann betrifft. Die alten Gebäude reichen nicht mehr aus, man beginnt neue Flächen anzumieten und schließlich sind die Mitarbeiter über die halbe Stadt verteilt. Die Hafengesellschaft entschloss sich darum vor zehn Jahren für die Konsolidierung aller Büros in einem einzigen Gebäude, das allen 500 Mitarbeitern der Verwaltung dient. Die Standortentscheidung fiel schließlich für die sogenannte Mexiko-Insel am historischen Kattendijk-Dock, das strategisch günstig zwischen dem Hafen und der Stadt gelegen ist. Eine denkmalgeschützte Feuerwache sollte dabei die Grundlage für alle weiteren Planungen bilden. Im Wettbewerb konnten sich dann 2007 Zaha Hadid Architects durchsetzen, der Baubeginn war 2012.
Der radikalen Intervention liegen dabei durchaus denkmalschützerische Überlegungen zugrunde, auch wenn man es dem Ergebnis zunächst nicht unbedingt ansehen mag. Zum einen gelten insbesondere die Fassaden des Altbaus als interessant und erhaltenswert, weshalb keine der vier Seiten durch einen regulären Erweiterungsbau zugestellt werden sollte. Zum anderen war schon im historischen Entwurf ein imposanter Turm vorgesehen, mit dem sich nun die vertikale Entwicklung des Neubaus begründen lässt. Auch die anderen Entwürfe im Wettbewerb hatten sich aus diesen Gründen für eine schwebende Lösung entschieden.
Kritisieren kann man beim realisierten Projekt darum weniger die Idee an sich, sondern eher, dass trotz aller tragstruktureller Bemühungen die Erweiterung noch immer recht erdenschwer wirkt. Zwar schneidet das facettierte Glasvolumen mit steilen Winkeln scharf in den Himmel, aber der Betonfuß steht etwas unelegant vor dem Bestand. Wettgemacht wird dieser Eindruck aber durch die wohlgestalteten Innenräume: Im alten Teil klar und präzise, im Neubau geschwungen und spektakulär, sodass den Mitarbeitern hier eine überaus abwechslungsreiche Arbeitsumgebung geboten wird. (sb)
Fotos: Hélène Binet, Tim Fisher, Hufton + Crow
Andere Türme, radikale Gesten, und tragstrukturelle Wagnisse: Über die Arbeit von Zaha Hadid im uncube magazine No. 37: Zaha
Vielleicht sollten Sie sich mal neuer Argumente bedienen. Nicht gebaut zu haben, heißt nicht, dass man nicht befähigt ist Kritik zu üben. Ich finde durchaus, dass dieser Anbau seine Daseinsberechtigung verdient hat. Über die Umsetzung mag man streiten können, jedoch ist der Ansatz sehr interessant. Wirkt der Anbau parasitär aus der Ferne, zeichnet sich im Inneren doch eine gewisse Symbiotik ab. Erst der Kontrast zwischen Neu- und Altbau verleiht dem Bestand eine neuerliche romantisch-historische Anmutung, sowie dem Neubau seine extrovertierte Juxtaposition.
Ich gebe Ihnen Recht, dass es Gefasel ist. Ich will mir die Naivität solang behalten bis mich Leute im Beruf des Architekten gängeln. Ihre Hilfsmittel sind Exceltabellen, DIN Nummern und EnEV. Durch die Computerisierung müssen auch mehr Menschen von den Fabriken in solche Gängelberufe (verständlich). Ich weiche sozusagen der Angst mit Gefasel aus. Bitte lassen Sie mir noch die Illusion auf eine Zukunft der Architektur, die mehr Architektur ist als Buisness.
Ich möchte hier keine Lanze für Zaha Hadid brechen, allerdings finde ich die Aufregung völlig übertrieben, wenn man bedenkt, in welchem industriellen Kontext das Gebäude steht. Dann hätte der benachbarte Speicher auch nie gebaut werden dürfen, da er offensichtlich den Maßstab und die Proportion des hier ergänzten Bestandsgebäudes, das wohl noch älter ist, sprengt. Wer Hafenanlagen kennt und dem Anlegen großer Schiffe beigewohnt hat, der kennt die Faszination den diese Orte durch Maßstabsverschiebungen entwickeln. Dieses Thema aufzunehmen, ist m.E. erstmal legitim, über die Ausformulierung lässt sich bekanntlich streiten. Allerdings stelle ich es mir auch ganz inspirierend vor, in diesem Gebäude zu arbeiten und die Aussicht auf den "erweiterten" Horizont zu genießen.
Im Übrigen sei den Damen und Herren von ZHA dringend die Fachtagung der ByAK "Quo vadis Architekt- Konferenz zu Berufsbild, Ethos und Ethik des Architekten" empfohlen.