Backstein kreuz und quer
Hochhäuser in Antwerpen von Tony Fretton Architects
Zwei neue Wohnhochhäuser von Tony Fretton Architects, die eine Reihe von sechs Türmen vervollständigen: Wer jetzt vermutet, Antwerpen habe erst vor kurzem seine alte Hafenlandschaft wiederentdeckt und eine entsprechende Transformation angestoßen, der liegt falsch. Schon seit der Jahrtausendwende gibt es nämlich einen Masterplan, der mit dem Museum aan den Stroom von Neutelings Riedijk und größeren Wohnbauten von Diener + Diener Architekten, David Chipperfield Architects und Studio Farris schon einige architektonische Früchte getragen hat. Dabei nicht zu vergessen: Zaha Hadids unweit gelegene Hafenverwaltung, die allerdings nicht Teil des neuen Stadtquartiers ist, sondern das ursprüngliche Programm fortschreibt.
Die letzten beiden Türme am Westkaai-Kattendijkdok gleichen dabei nicht nur in ihrer Kubatur den bereits fertiggestellten Bauten von Chipperfield und Diener + Diener, sie wurden mit der Land Invest Group auch vom gleichen Entwickler projektiert. Die Londonder um Tony Fretton waren für die äußere Gestalt und die öffentlichen Bereiche der beiden Gebäude verantwortlich, während die Grundrissplanung und die konkrete Umsetzung vom belgischen Büro De Architecten aus Lier geleistet wurde. Insgesamt entstanden mit den beiden letzten Hochhäusern 16.500 Quadratmeter Geschossfläche, die sich in rund 150 private Wohneinheiten von gehobener Ausstattung, aber eher konventioneller Grundrissdisposition unterteilen.
Die äußere Gestaltung der beiden Neuzugänge aus Backstein orientiert sich dabei in konzeptioneller Hinsicht an den Vorgaben des Entwicklers. Wie Zwillinge sollten sich die Gebäude zwar ähnlich sein, sich aber doch auf den zweiten Blick möglichst eigenständig präsentieren. Zwei robuste Backsteinbauten aus Ziegeln in Gelb- und Rottönen sind so entstanden, die sie sich dank ihrer Schwere in gewisser Weise besser in der weitläufigen Hafenlandschaft behaupten als die hellen Betontürme von David Chipperfield.
Interessant sind die kleinen Unterschiede zwischen den beiden neuen Gebäuden: Während Turm 5 mit markantem Ziermauerwerk die Stapelung der Geschosse betont, entwickelt sich Turm 6 als eine Art offene Gitterstruktur deutlich in die Vertikale. Allein durch diese minimale geometrische Variation wirkt der Turm deutlich markanter und damit in gewisser Weise auch luxuriöser, während der Zwillingsbruder wie Chipperfields Nachbarbau einen etwas gehemmten Eindruck macht. Dass es sich hierbei nicht nur um Äußerlichkeiten handelt, zeigt der Blick auf die Grundrisse: Statt der sieben Wohnungen in Turm 5 sind eine Haustür weiter im Regelgeschoss nur vier Einheiten vorgesehen, was natürlich ein etwas exklusiveres Wohngefühl verspricht. (sb)
Fotos: Peter Cook, Filip Dujardin
Die Erwartungen an Grundrisse sind eben nicht standardisiert - zum Glück. Sie treffen vielleicht nur nicht die Bedürfnisse jedes Kommentators. Das Projekt liegt ja auch nicht in Deutschland. Vielleicht finden es andere Menschen einfach wichtiger, den schönen Ausblick durch ein Fenster zu genießen, als den Ausblick durch den TV-Screen... und diese Menschen werden hier gerne einziehen.
Die Fassade entspricht einem unsanierten 70er-Jahre-Bau kurz vor Abriss/Instandsetzung. Dagegen die Fassade von Turm 6 meiner Meinung nach gelungen. Schöne Wohngrundrisse, viel Qualität und vermutlich schöne Ausblicke. Und Platz für Schränke und TVs ohne Ende...
Wenn man sich die Schlafzimmer anschaut, ist in keinem, mit Ausnahme der Elternschlafzimmer, Platz für einen Schrank und/oder Schreibtisch. Wohin also mit der Kleidung ? Die Räume sind einfach nicht praktikabel. Das gleiche gillt für die Wohnräume. Auch da gibt es kaum Wandflächen für einen Schrank oder TV. Beides ist nun mal die Standartmöbilisierung. Bei den Entwürfen für Wohnraum, sollte in erster Linie wieder darauf geachtet werden, dass Sie auch bewohnbar sind. Das Erscheinungsbild folgt danach