Kunst für Orcas Island
Wohnatelier mit Galerie in Washington von GO’C
Orcas Island liegt am nordwestlichen Rand des Bundesstaats Washington. Sie ist die größte der San Juan Islands. Der Name weckt zunächst eine naheliegende Assoziation zu den Meeressäugern, die in den Gewässern rund um die Inselgruppe regelmäßig zu beobachten sind. Tatsächlich geht er jedoch auf einen gewissen Juan Vicente de Güemes Pacheco y Horcasitas zurück, der Ende des 18. Jahrhunderts Vizekönig von Neuspanien war. Das stumme H im Spanischen verschwand mit der Zeit, übrig blieb Orcas.
Heute ist die Insel vor allem für ihre Landschaft, als Rückzugsort und Basis fürs Whale-Watching bekannt. In diesem Umfeld entsteht derzeit ein neues Zuhause für künstlerische Arbeit. Im Hauptort Eastsound realisieren GO’C (Seattle) für die Stiftung iolair ein Ensemble aus Atelier, Galerie, Künstlerresidenz und Büro. Die Stiftung wurde parallel zum Bau gegründet. Der erste Baustein ist nun fertiggestellt, ein zweites Gebäude mit Büronutzung soll folgen.
Das Grundstück liegt rund 200 Meter vom Wasser entfernt zwischen zwei Straßen. Während sich östlich Wohnhäuser anschließen, findet sich Richtung Westen kleinteiliges Gewerbe. Dort besetzt der erste Baukörper die Grundstückskante und bildet mit seiner L-förmigen Figur eine räumliche Fassung für den Hof. Erst mit dem geplanten zweiten Gebäude auf der gegenüberliegenden Grundstücksseite wird dieser Außenraum vollständig definiert werden.
Die Architektur gibt sich mit einer Fassade aus schwarz gebeizten Zedernholzplanken zurückhaltend und robust. Der Entwurf reagiert präzise auf die unterschiedlichen Anforderungen eines Ortes, der zugleich öffentlich und privat funktionieren muss. In dem parallel zur Straße ausgerichteten, zweigeschossige Flügel liegt die kleine Galerie. Große Verglasungen an beiden Seiten öffnen den Raum. Der zweite, leicht schräg zulaufende Gebäudeteil ist intimer organisiert: Hier liegen Gäste-WC und privates Bad, eine kleine Küche sowie das Schlafzimmer. Eine Treppe führt aus dieser Wohnumgebung hinauf in einen offenen Arbeitsbereich, der wiederum an die Galerie anschließt.
Neben der Architektur selbst spielt die künstlerische Aneignung eine zentrale Rolle. Verschiedene Künstler*innen haben schon Skulpturen, Möbel und einzelne Bauteile wie Tore oder Türklinken entworfen. Weitere Installationen und Arbeiten im Außenraum sollen folgen. Ein überdachter, weiß gebeizter Einschnitt im Gebäude bietet dafür einen geschützten Arbeitsbereich. (gk)
- Fertigstellung:
- 2025
- Architektur:
- GO'C
- Team Architektur:
- Gentry / O'Carroll, Ashley Skidmore, Max Hunold, Wenya Zhao
- Bauingenieur:
- Swenson Say Fagét
- Bauherrschaft:
- iolair
- Fläche:
- 148 m²







