Leichtbeton und Jungfernreben
Wohn- und Geschäftshaus in Heilbronn von Mattes Riglewski Wahl
„Auf nichts ist mehr Verlass, nicht einmal darauf, dass Heilbronn hässlich ist“, so die Stuttgarter Zeitung in einem Artikel über die Bundesgartenschau, die 2019 in Heilbronn stattfand. In deren Rahmen wollte sich die Stadt Heilbronn, die Vielen als betongewordenes Mahnmal für die autogerechte Stadt gilt, neu erfinden. Zentraler Ort des BUGA-Geschehens ist die nördlich der Gleise des Hauptbahnhofs gelegene Hälfte einer Insel im Neckarbogen. Der die Stadt bestimmende Fluss sollte wieder Teil des Lebensalltags der Bewohner*innen werden.
Als Teil der BUGA entstand nicht nur ein neues Wohnquartier samt Holzhochhaus, die Stadt hat hier etwas noch viel Größeres erreicht, nämlich „Investoren zu domestizieren“. Man habe es verstanden, Baugemeinschaften, Architekten und Bauträger zu einem homogenen Städtebauprojekt zusammenzuführen“, so Oliver Toellner von der BUGA. Unweit vom Floßhafen steht auch ein vom lokal ansässigen Büro Mattes Riglewski Wahl Architekten entworfenes Haus. In den beiden unteren Etagen haben die Architekten ihre eigenen Geschäftsräume untergebracht, darüber wird gewohnt.
Das Gebäude entstand in einer monolithischen Bauweise aus Leichtbeton und ist von Rankgittern umschlossen. Mit Jungfernreben bepflanzt, ergibt sich so mittelfristig eine zweite Fassadenschicht, die sich über den Verlauf des Jahres farblich verändert. Im Sommer bietet sie Abkühlung und Verschattung, im Herbst erinnert sie an das Geschehen auf den Weinbergen rund um Heilbronn. Die große Betonspeichermasse des Sechsgeschossers soll ohnehin für ein ausgeglichenes Raumklima sorgen. Zusätzlich reduzieren tiefe Fensterlaibungen den Wärmeeintrag.
Der Werkstoff Beton ist insbesondere im Innenraum erlebbar. Eine gefaltete Treppe aus rohen Stahlplatten und Einbaumöbel aus weiß gekalkten Seekieferplatten bringen aber Varianz. In den oberen Stockwerken wurden sieben Wohnungen realisiert. Alle bieten einen beruhigend schönen Blick auf den im Rahmen der Gartenschau angelegten Karlssee und Floßhafen. (tl)
Fotos: Dietmar Strauß
Mehr zur Bundesgartenschau und Heilbronn insbesondere auch in unserer Baunetzwoche zum Thema
Frage mich nur ob die Bepflanzung später nicht etwas sehr Pflegebedürftig ist bezüglich dem beschneiden an den Fenstern.
und wenn man nach der arbeit zuhause ist merkt man einen unterschied zur "arbeitswelt". es gibt ja auch gut gemachte legebatterien, so wie es auch schlecht gemachte "openspace" büros gibt
ich finde die frage dennoch relevant, ob diese hier gezeigte art des sehr konzentrierten zusammenarbeitens noch zeitgemäß ist. seltsamer weise sind andere branchen der baubranche häufig einen schritt voraus - eben auch was die konzeption des arbeitsplatzes angeht...
um welche legebatterien geht es denn eigentlich? fürs auto oder geflügel....? ...weil ja eine geflügellegebatterie nur ein synonym ist für geflügel in gefängnisartigenzellen, die wiederum gar nicht wissen, dass sie in ihrer zelle einer unbezahlten arbeit nachgehen... da ja das huhn oder das tier an sich die definition arbeit gar nicht kennt sowie das wort "definition" aber eben auch die legebatterie als solches nicht definiert als zelle oder ein synonym dafür hat und einem legebatterienstreit mit der tätigkeit eines architekten schon gar nicht gleich setzten würde weil ja bspw. das huhn weder einen architekten kennt noch die arbeitsverhaltnisse dieser mit seiner selbst vergleichen würde, da das huhn ja eigentlich keiner arbeit nachgeht... es sein denn, das synonym einer legebatterie für die massentierhaltung von geflügel zur vereinfachten entnahme der gelegten eier im vergleich zu den arbeitsverhältnissen von architekten zielt auf die unmittelbare vergleichbarkeit eines architekten zu einem huhn in der legebatterie ab - ...das fänd ich nicht ganz fair für das huhn... ...ach ja, das gebäude: nach dem ich die eierschale von den augen nahm, entdeckte ich eine vorsätzliche begrünung / berankung der fassade!!!! großartig, ganz im ernst, das trauen sich leider nur sehr wenige bis gar keine bauträger... chapeau!