Ideenwettbewerb Berlin-Brandenburg 2070 entschieden
Erster Preis für Bernd Albers und Silvia Malcovati
100 Jahre ist es nun her, seit sich Berlin mit sieben Städten, 59 Landgemeinden und 27 Gutsbezirken zur neuen Stadtgemeinde Groß-Berlin zusammenschloss und damit schlagartig in die Liga der größten Weltmetropolen aufstieg. 1920 zählte die Stadt circa 3,8 Millionen Einwohner auf einer Fläche von 878 Quadratkilometern – an diesen Dimensionen hat sich bis heute kaum etwas verändert. Anlässlich des Jubiläums 2020 wird ein umfangreiches, vom Architekten- und Ingenieurverein zu Berlin-Brandenburg (AIV) initiiertes Programm sowohl zurück- als auch vorausblicken, nach den Stärken und Schwächen des heutigen Berlin fragen sowie nach Wegen in eine nachhaltige Zukunft suchen.
Neben einer Ausstellung und einer Debatte in Form von sogenannten Metropolengesprächen steht insbesondere ein internationaler städtebaulicher Ideenwettbewerb im Mittelpunkt, in dem Architekten, Planerinnen und Landschaftsarchitektinnen aufgerufen waren, Visionen für ein „Berlin-Brandenburg 2070“ zu entwerfen. Das 2019 von der eigens gegründeten Berlin 2020 gGmbH ausgelobte und vom Büro GP Planwerk (Berlin) betreute offene, zweiphasige Verfahren hatte eine Weiterentwicklung des aktuellen Ist-Zustands der Großstadtregion zum Ziel. Der Blick sollte dabei auch auf Brandenburg sowie auf die Erfahrungen anderer europäischer Metropolregionen – namentlich Paris, London, Wien und Moskau – ausgeweitet werden.
Von den 55 eingegangenen Beiträgen – davon 24 aus dem Ausland und vier internationale Kooperationen – wurden 18 für die Endrunde nominiert. Nun hat die 15-köpfige, prominent besetzte Jury unter Vorsitz von Jo Coenen entschieden. Der mit 70.ooo Euro dotierte erste Preis geht an Bernd Albers und Silvia Malcovati, die mit Vogt Landschaft und Arup Deutschland kooperierten. Ein zweiter Preis mit 56.000 Euro, ein dritter mit 40.000 Euro, ein vierter mit 24.000 Euro und ein fünfter mit 10.000 Euro wurden wie folgt verliehen:
- 1. Preis: „Zusammenwachsen – Landschaf(f)tStadt“ von Bernd Albers und Silvia Malcovati (Berlin und Potsdam) mit Vogt Landschaft und Arup Deutschland
- 2. Preis: „Stadtlandschaft Brandenburg-Berlin 2070 – Kontur einer Übergangsgesellschaft“ von Kopperroth / SMAQ / Alex Wall (Berlin und Cambridge, USA), Stefan Tischer (freischaffender Landschaftsarchitekt), Office MMK – Urban Technologies
- 3. Preis: „Sternarchipel Berlin – Brandenburg“ von Jordi & Keller Architekten / Pellnitz Architektur und Städtebau (Berlin), Christina Kautz Landschaftsarchitektur, Ludwig Krause (Stadtplaner)
- 4. Preis: „Landschaft der Unterschiede“ von Thomas Stellmach Planning and Architecture / fabulism (Berlin), Lysann Schmidt Landschaftsarchitektur, Melissa Gómez (Beraterin für nachhaltige Mobilität und urbane Innovation), Marcus Andreas (Berater für Nachhaltigkeit), Florian Strenge (Berater für Urbanismus & Design Prozesse)
- 5. Preis: „Archipel – Labor: Ein Atlas von urbanen Inseln für Berlin“ von Pedro Pitarch (Madrid)
Gefordert waren von den Finalisten strukturelle Aussagen zu Stadt- und Freiraum, Städtebau, Nutzung, Verkehr und Bebauung. Der in der ersten Wettbewerbsphase erarbeitete Gesamtplan sollte vertieft und um Vorschläge zu drei konkreten Teilräumen sowie strategische Überlegungen zur Weiterführung des Planungsprozesses ergänzt werden. Die Auswahl sei keinesfalls leicht gefallen, kommentierte Coenen den Juryentscheid, da alle Beiträge von einer starken Leistung und viel Engagement geprägt gewesen seien. Die fünf Preisträger verbinde ihre sowohl visionäre als auch realistische Herangehensweise, die den vorhandenen Siedlungsstern innovativ fortsetze, ergänzte Tobias Nöfer, AIV-Vorsitzender und ebenfalls Mitglied der Jury.
Der Beitrag des Gewinnerteams denkt Berlin und Brandenburg als räumliche und bauliche Einheit und präsentiert ein bis an die Landesgrenzen Brandenburgs reichendes Gesamtkonzept. Die bestehende Grundform des Siedlungssterns wird entlang der historisch entstandenen Schienenradialen verlängert, dazwischen liegen keilförmige Landwirtschafts-, Wald- und Grünflächen. Vorgeschlagen wird zudem ein zusätzlicher dritter Eisenbahnring. Als exemplarische Teilräume zur Auslotung von Nachverdichtungspotenzialen wurden die Zonen entlang des 1. Eisenbahnrings Tempelhof-Südkreuz und des 2. Eisenbahnrings Bernau sowie die 80 Kilometer von Berlin entfernte Stadt Schwedt an der Oder behandelt. Diese soll durch eine geringfügige Verlagerung der Eisenbahnstrecke Berlin-Stettin besser erschlossen werden – ein Vorschlag, den das Preisgericht besonders begrüßte.
Öffentlich präsentiert werden die 18 Finalisten des Wettbewerbs im Rahmen der Jubiläumsausstellung „Unvollendete Metropole: 100 Jahre Städtebau für Groß-Berlin“, die am Mittwoch, 30. September 2020 im Kronprinzenpalais, Unter den Linden 3, eröffnet und bis zum 3. Januar 2021 kostenfrei zu sehen sein wird. Parallel zur Ausstellung bieten die Metropolengespräche, die auch live gestreamt und aufgezeichnet werden sollen, eine Plattform für die konstruktive Diskussion über die Zukunft Berlins. (da)
www.bb2020.de
...wenn bei ihnen erst das wort "disskusion" fallen muss, um zu disskutieren, kann ich nur empfehlen, sich ein bischen zu lösen von ihrem glaubensbüdergedanken: gleich vorab noch zur vermittlung verweise ich auf den guten kommentar von Henn12 zu der baunetzmeldeung vom 16.06 zum neubau von nöfer am kuhdamm - es muss um qualität gehen - und dieses gilt doch für alle aufgaben und für alle glaubensbrüder gleichermaßen... inhaltlich zu verstehen ist der hier prämierte anstatz eine fortschreibung des bestandes auszuformulieren, auf den ersten blick. eben dafür dienen doch die bilder, die pläne - na was denn sonst?? ...andere werkzeuge des planens haben sich bislag nicht wirklich bewehrt... wenn hierbei so eklatante wiedersprüche entstehen, ist dieses allenfalls bedauerlich - hochäuser neben schlösser zu stellen - dieses entspricht doch genau ihrem vorwurf - qualität und (qualitäts-)anspruch waren die stichwörter... löst man mit halbfertigen visionen eine zustimmung aus? ...oder geht es um "anspruch"...? ...sorry, das hilft uns allen einfach nicht weiter dann... ...und zum zustand deutscher städte: wurde die einzig von glaubensbrüdern zu dem gemacht was sie heute sind? ist alles schlecht daran? sind nicht auch bspw rein wirtschaftliche mechanismen aus unseren gesellschaftlichen "komforidealen" ausschlag für massive strukturelle änderungen in der stadtlandschaft gewesen?
Geht es in der Wortwahl nicht etwas weniger dramatisch? Wollen Sie sich nicht lieber konkret mit den kritisierten Punkten auseinandersetzen? Sie haben ja in der Haltung nicht ganz Unrecht ... Vielleicht ist die Achse sogar das perfekt Sinnbild unserer Zeit: jeder kann mit Blick auf sein Smart-Phone-Display stupid geradeaus gehen, ohne zu wissen, wo er eigentlich hin will – um dem zufälligen Ziel dann fürs Selfie den Rücken zuzukehren. Kann man diskutieren, meine ich ernst.