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12.01.2026
Staatsoper am Baakenhafen
Wettbewerb in Hamburg entschieden
Im Februar 2025 einigten sich die Stadt Hamburg und die Kühne-Stiftung auf den Bau einer neuen Staatsoper im Baakenhafen in der HafenCity. Die Stiftung trägt den Großteil der Baukosten, die Stadt stellt das Grundstück samt Erschließung. Nach Fertigstellung soll die Hamburgische Staatsoper in den Besitz der Stadt übergehen.
Seit Ende 2025 steht nun fest, wie der Neubau aussehen soll. Im November 2025 wurde der aus einem geladenen Wettbewerb hervorgegangene Siegerentwurf von BIG (Kopenhagen) der Öffentlichkeit vorgestellt. Bilder der konkurrierenden Entwürfe wurden bislang nur unvollständig veröffentlicht. BauNetz zeigt nun erstmals alle im Überblick:
- Gewinner: BIG Bjarke Ingels Group (Kopenhagen) mit Bollinger+Grohmann (Frankfurt), Kunst + Herbert Architekten (Hamburg), Duschl Ingenieure (Rosenheim) und Transsolar (Berlin)
- Teilnahme: gmp · Architekten von Gerkan, Marg und Partner (Hamburg) mit Diller Scofidio + Renfro (New York), Field Operations (New York), Werner Sobek (Stuttgart) und Transsolar (Berlin)
- Teilnahme: Prof. Jörg Friedrich | Studio PFP (Hamburg) mit WES LandschaftsArchitektur, AJG Ingenieure (München), ZWP Ingenieur-AG (Hamburg), Krämer Evers Bauphysik (Hamburg) und priedemann building envelope consultants (Berlin)
- Teilnahme: Snøhetta (Oslo)
- Teilnahme: Sou Fujimoto Architects (Tokio) mit DGI Bauwerk (Hamburg) BBS Landscape Engineering (Hamburg), Arup Deutschland (Berlin), Ingenieurbüro Hausladen (Kirchheim), byteconnection (Hamburg) und Winter Ingenieure (Hamburg)
Klare Handschrift von BIG
Wie ein Schiffsbug schiebt sich die geschwungene Dachlandschaft in den Baakenhafen. Unterkommen sollen hier die Hamburgische Staatsoper, das Hamburgische Ballett und das Philharmonische Staatsorchester. Der Entwurf greift das Thema der Schallwellen auf, die sich „von einem zentralen musikalischen Kern nach außen in den Hafen ausbreiten“, so BIG. Die rund um das Gebäude angeordneten Terrassen sollen ganztägig öffentlich begehbar sein. Auf der mit einheimischen Bäumen, Büschen und Gräsern bepflanzten Dachlandschaft sind Pavillons, ein Café und eine Bar vorgesehen. Im Inneren soll der für rund 1.500 Zuschauer*innen gedachte Saal vollständig mit Holz verkleidet werden.
Die Jury unter Vorsitz von Stefan Behnisch (Behnisch Architekten) entschied sich einstimmig für den Entwurf von BIG. Sie lobte die Transparenz, Leichtigkeit und Zugänglichkeit des Baus. Die Handschrift des Kopenhagener Büros ist deutlich zu erkennen: großflächige Strukturen und begehbare Dachlandschaften erinnern an Projekte in China, Dänemark, der Schweiz oder auch die Müllverbrennungsanlage mit Skipiste, Wanderwegen, Spielplätzen und Kletterwand in Kopenhagen. Auch die Ähnlichkeit mit BIGs Konzept für die Prager Oper ist nicht von der Hand zu weisen.
Architektur ohne Pathos
„Das neue Opernhaus zeigt in eindrücklicher Weise, was Architektur an diesem besonderen Ort sein kann: maßstäblich, offen, heiter, begehbar, begrünt, markant und doch ohne Pathos“, sagt Hamburgs Oberbaudirektor Franz-Josef Höing auf der Webseite des Hamburger Senats.
Im Vergleich zu den anderen Entwürfen wirkt BIGs Konzept trotz der buchstäblich ausuferndenden Terrassen zurückhaltend. Die Dachlandschaft fügt sich mit fließender Bewegung in die Umgebung ein. Es ist kein Entwurf, der laut „Hier bin ich!“ ruft, wie es bei den anderen Vorschlägen durchaus der Fall ist. gmp etwa setzen auf expressive, kantige Formen auf einem leicht erhöhten Podest. Snøhettas Entwurf hebt sich durch an Origami erinnernde Elemente deutlich von seinem Umfeld ab, während Fujimoto mit einer großflächigen, klassischen Schalenform das Opernhaus eher klassisch interpretiert.
Kritik am Bau
Die Architektenkammer kritisierte die Entscheidung für ein eingeladenes Verfahren statt eines offenen Wettbewerbs. Auch kulturpolitisch hat das Opernprojekt Gegenwind. Teile der Hamburger Bürgerschaft stellen infrage, ob die Stadt überhaupt eine neue Staatsoper benötigt und fordert darüber eine öffentliche Debatte. Seit längerem ist beschlossen, dass die bestehende Oper an der Dammtorstraße saniert und weiterhin für kulturelle Zwecke genutzt werden soll, was unter anderem auch bedeutet, dass die Stadt nicht nur die Kosten zum neuen Gebäude, sondern auch die Sanierung und den Betrieb des alten Hauses stemmen müsste. Dazu heißt es beim Senat: „Für die Sanierung des Opernhauses an der Dammtorstraße werden zur Aufrechterhaltung des Spielbetriebs bis zur möglichen Fertigstellung der Oper insgesamt 95 Millionen Euro bereitgestellt.“
In einem offenen Brief fordert eine Gruppe aus den Bereichen Architektur, Städtebau sowie Theater- und Geschichtswissenschaft ein Moratorium. Sie verlangt sie neben einer kritischen Auseinandersetzung mit dem Standort eine gründliche Bedarfs- und Machbarkeitsprüfung, stärker beteiligungsorientierte Entscheidungsprozesse und volle Transparenz in Bezug auf Finanzierung, Nachhaltigkeit sowie sozialen und kulturellen Nutzen.
Darüber hinaus werfen zivilgesellschaftlichen Initiativen, Medien, Kultur- und Stiftungsvertreter*innen sowie Nachfahren von NS-Opfern Stifter Klaus-Michael Kühne vor, die NS-Vergangenheit seines Familienunternehmens nicht ausreichend aufgearbeitet zu haben. Die Speditions- und Logistikfirma Kühne + Nagel transportierte nach 1933 für das NS-Regime Möbel und Hausrat verfolgter und ermordeter Juden. Kühne verweigert jedoch seit vielen Jahren eine Aufarbeitung.
Wie geht es weiter?
Der nächste Planungsschritt soll rund zwei Jahre in Anspruch nehmen. Dann wird entschieden, ob sich das Gebäude sowohl kosten- als auch bautechnisch realisieren lässt. Die Hamburger Stadtgesellschaft soll in die Planungen einbezogen werden. Vorgesehen ist eine verkehrstechnische Anbindung an die Innenstadt und das südliche Ufer der Elbe – über Brücken wie auch eine Fährverbindung.
Der Vertrag zwischen der Kühne-Stiftung und der Stadt sieht vor, dass eine Projektgesellschaft die neue Oper baut, an der neben der Stiftung noch die Stadt mit 14,9 Prozent und die Oper mit 10,1 Prozent beteiligt sind. So heißt es auf der Seite des Hamburger Senat. Demnach übernehme die Stadt 147,5 Millionen Euro der Kosten für den Bau der Oper für standortspezifische Mehrkosten, zum Beispiel für Gründung und Flutschutz. Dieser Betrag sei gedeckelt. Die weiteren Kosten für den Bau des neuen Opernhauses übernehme die Stiftung komplett. Nach Fertigstellung sollen der Bau und die Anteile der Stiftung an der Projektgesellschaft als Schenkung an die Stadt übergehen. (dsm)
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BIG Bjarke Ingels Group (Kopenhagen) mit Bollinger+Grohmann (Frankfurt), Kunst + Herbert Architekten (Hamburg), Duschl Ingenieure (Rosenheim) und Transsolar (Berlin)

Teilnahme: gmp · Architekten von Gerkan, Marg und Partner (Hamburg) mit Diller Scofidio + Renfro (New York), Field Operations (New York), Werner Sobek (Stuttgart) und Transsolar (Berlin)

Teilnahme: Prof. Jörg Friedrich | Studio PFP (Hamburg) mit WES LandschaftsArchitektur, AJG Ingenieure (München), ZWP Ingenieur-AG (Hamburg), Krämer Evers Bauphysik (Hamburg) und priedemann building envelope consultants (Berlin)

Teilnahme: Snøhetta
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