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12.01.2026
Noblesse in der La Fayette
Data architectes und Think Tank architecture in Paris
Die Rue La Fayette ist eine der ganz langen Achsen, die Georges-Eugène Haussmann einst in Paris anlegen ließ. Am nordöstlichen Ende der Magistrale wurde im September 2024 das Entwicklungsprojekt namens La Fayette abgeschlossen. Geradezu erstaunlich, dass der Name noch zu haben war. Doch so wenig originell die Projektbezeichnung auch sein mag, so gelungen zeigt sich das Ergebnis, für das die beiden Pariser Büros Data architectes und Think Tank architecture verantwortlich zeichnen.
Aufgabe war die Neustrukturierung und Nachverdichtung eines heterogenen Konglomerates aus zehn Bauten des 19. und 20. Jahrhunderts. Diese rahmen einen langen, schmalen Hof, der sich wie eine Gasse über knapp 100 Meter in die Tiefe des Blocks im 10. Arrondissement erstreckt.
Im Juni 2019 lobte der damalige Eigentümer ein Konkurrenzverfahren unter vier Teams aus, das Data und Think Tank gewannen. Wer angesichts der Büronamen an technologiebasierte Planungs- und Prozesskultur denkt, dürfte staunen, wenn er die schlichte Noblesse sieht, die sowohl die ertüchtigten Bestandsbauten als auch die neuen Ergänzungen auszeichnet und sich mit gebotener Zurückhaltung in die historische Architektur der Stadt einordnet. Zugleich setzten die Architekt*innen auf unterschiedliche Konstruktionen, Materialien und Formen, wodurch die Heterogenität des Gefundenen in ihrer Vielfältigkeit weitergeschrieben wird.
Um den – salopp formuliert – gemütlich kruscheligen Bestand im Hinterhof fit für die Zukunft zu machen, musste auch abgerissen werden. Laut Architekt*innen betraf dies vor allem einige als „unsicher“ kategorisierte Bauten, illegale Anbaumaßnahmen sowie einen Supermarkt. Fast alle rückgebauten Teile befanden sich im vorderen Bereich des Grundstücks, sodass die Neubauten hier die Schnittstelle zum öffentlichem Straßenraum grundlegend neu definierten. Zwei selbstbewusst aufragende Kopfbauten mit streng rationaler Fassadengliederung dienen nun der Adressbildung an der Rue La Fayette.
Beachtenswert ist nicht zuletzt der graue Kopfbau. In ihm liegen 30 Sozialwohnungen mit ein bis drei Zimmern, die für die halb-öffentliche Wohnungsbaugesellschaft Régie Immobilière de la Ville de Paris (RIVP) realisiert wurden. Die 1923 gegründete RIVP ist das zentrale städtische Wohnungsbauunternehmen in der französischen Hauptstadt.
Ebenfalls bemerkenswert ist die neue Fassade an der Längsseite des hohen Bürogebäudes am Ende des Hofs. Hier stellten die Planer*innen eine drei Meter tiefe, verglaste Zone vor den Bestandsbau von 1928, nachdem sie die Originalfassade so weit zurückgebaut hatten, dass die Außenwände nun raumhoch verglast sind. Diese halboffene, lichte Zone nimmt zwei Treppen auf, die brandschutztechnisch notwendig wurde. Zwei vergleichbare, offen geführte Treppen finden sich auch an zwei weiteren Stellen des Projekts.
Die Nutzungsfläche des Bestands lag bei gut 7.300 Quadratmetern. 6.200 Quadratmeter davon wurden revitalisiert, 4.200 Quadratmeter neu geschaffen (davon entfallen wiederum 1.700 Quadratmeter auf die Wohnungen). Im Endergebnis weist das La Fayette eine Fläche von circa 10.400 Quadratmeter auf, die in erster Linie als Büro- und Geschäftsräume vermarktet werden. Laut Architekt*innen beliefen sich die Baukosten auf 34 Millionen Euro vor Steuer. (gh)
Fotos: Maxime Delvaux, Javier Callejas
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